Wann ist das Eis am Nordpol geschmolzen? Expeditionsteam
misst für eine exakte Prognose erstmals die Eisdicke vor Ort
Neu-Isenburg, 16. Oktober 2007. Im Februar 2008 wird das
britische Expeditionsteam um den Polarforscher Pen Hadow aufbrechen, um zum
ersten Mal in der Geschichte der Klimaforschung die Eisdicke der Arktis vor Ort
zu messen. Ziel der Forschungsexpedition ist es, eine genaue Prognose des
Zeitpunktes zu machen, an dem die Eiskappe am Nordpol geschmolzen sein wird. Damit
soll Regierungen in aller Welt geholfen werden, sich auf die einschneidenden
Konsequenzen des Anstiegs des Meeresspiegels einzustellen. Die aktuellen
Prognosen der Wissenschaftler zum Zeitpunkt der Eisschmelze am Nordpol gehen
weit auseinander: Die Schätzungen liegen zwischen 16 und 100 Jahren. Die
Eisdecke am Nordpol schrumpft durch die globale Erwärmung derzeit um jährlich
100.000 Quadratkilometer. Gesponsert wird die Expedition unter anderem von dem
Virtual Network Operator Vanco.
Hadow (45) leitet die Expedition mit dem Namen „Vanco Arctic
Survey“, mit der die bisher detailliertesten und präzisesten Daten zur Dicke
der Polkappen im arktischen Meer erhoben werden. Diese Daten sollen
Wissenschaftler bei der Prognose helfen, wie lange die Eisschicht am Nordpol
erhalten bleiben wird. Mit den von Hadows Team gesammelten Daten können sie
vorhandene, per Satellit und Unterseeboot ermittelte Daten neu bewerten. Zudem
werden derzeit die beiden nördlichsten Breitengrade der Erdoberfläche von
keinem Satelliten erfasst. In Satellitenfotos des geographischen Nordpols wird
die Polkappe grundsätzlich in einer angenommenen Ausdehnung dargestellt und
weiß koloriert.
Bekannt ist, dass der Rückgang des Packeises zur
Beschleunigung des Klimawandels, zum Anstieg der Meeresspiegel und zur Verschärfung
geopolitischer Konflikte über Rohstoffvorkommen beiträgt. Auswirkungen in
nahezu jeder Region der Welt sind vorprogrammiert.
Mehr als 10 Millionen Messungen per Impulsradar
Im Februar 2008 wird das Vanco Arctic Survey-Team mit Pen
Hadow, der Polarforscherin Ann Daniels und dem Arktis-Fotografen Martin Hartley
zu einer voraussichtlich 120 Tage langen sowie 2.000 Kilometer weiten Reise
aufbrechen, um bei Temperaturen von bis zu minus 50º Celsius zu Fuß die
Polkappe zu überqueren. Auch offene Wasserflächen werden auf der Tour
überquert. Das Forscherteam wird von Point Barrow in Alaska aus starten und den
geographischen Nordpol voraussichtlich im Juni 2008 erreichen. Sein Equipment
wird das Team in speziell entwickelten Bootsschlitten mit sich führen.
Für die Messung der Eisdicke wird Arktisexperte Hadow ein
spezielles Impulsradargerät einsetzen, das in den vergangenen zwei Jahren
eigens für die Expedition entwickelt wurde. Das Gewicht wurde von ursprünglich
100 Kilogramm auf nur 4 Kilogramm reduziert. Im Rahmen der Tour sollen damit
mehr als 10 Millionen Messungen durchgeführt und dabei erstmals die Dicke des
Eises sowie der darüber liegenden Schneeschicht separat bestimmt werden, so
auch in der bisher wenig erforschten Zentralarktis.
NASA und ESA mit an Bord
Hadow arbeitet mit einigen der weltweit führenden
Ozeanographen und Klimatologen der Universität Cambridge und der US Naval
Postgraduate School zusammen. Zudem wirken Spezialisten der amerikanischen NASA
(National Aeronautics and Space Administration), des Wetterdienstes UK Met
Office und der Europäischen Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) an
dem Projekt mit.
Pen Hadow zu den bisherigen Messmethoden der Eisdicke:
„Allein mit Fernerkundungsinstrumenten an Bord von U-Booten, Flugzeugen und
Satelliten ist es nicht möglich, die Dicke von Eis- und Schneeschichten exakt
zu messen. Die erschwerte Verarbeitung der Daten führt zu beträchtlichen
Messabweichungen durch wenig bekannte Parameter wie Dichte von Eis und Schnee
im Polarmeer. Darum sind diese Daten eher Schätzwerte als Messdaten.“
„Für ein ‚Wissen statt Schätzen’ gibt es deshalb keine
Alternative zu Messungen direkt an der Oberfläche der Polkappen. Solche
Untersuchungen können aber nur die wenigen Personen durchführen, die mit den
Härten und Gefahren der Packeis-Überquerung vertraut sind“, so Pen Hadow.
„Sollten wir herausfinden, dass der Rückgang des Eises in der Zentralarktis
tatsächlich so schnell voranschreitet, wie von einigen Experten befürchtet,
wird unsere Untersuchung für Politiker überall in der Welt ein Alarmsignal
sein. Unsere Ergebnisse werden ihnen keine andere Wahl lassen als die dringend
nötigen Schritte einzuleiten, um die Menschheit auf die globalen Folgen des
Abschmelzens der Polkappen vorzubereiten.“
Dickenverteilung der arktischen Eiskappen nicht völlig
erforscht
„Bisher basieren die meisten Schätzungen zum vollständigen
Abschmelzen der Eiskappen auf der derzeitigen Geschwindigkeit des Eisrückgangs
in Kombination mit komplexen Klimamodellen. Solche Prognosen sind aber nicht
völlig zuverlässig, weil die tatsächliche Dickenverteilung der arktischen
Eiskappen nicht genau bekannt ist“, erläutert Dr. Joao Rodrigues, leitender
Wissenschafter der Expedition und Mitglied der Polar Oceans Physics Group der
Universität von Cambridge. „Durch die Tiefenmessung der Eisschicht entlang der
2.000 Kilometer langen Querungsroute hoffen wir, den Klimatologen die
benötigten Daten für eine Hochrechnung zur Verfügung stellen zu können, bis
wann die Arktis in den Sommermonaten gänzlich eisfrei sein wird.“
„Darüber hinaus ist die Höhenerfassung des lockeren Schnees
auf dem Eis eine wichtige Voraussetzung für die flächendeckende Bestimmung der
Dicke des im Meer treibenden Eises per Satellit. Denn ist die Dicke der
Schneeschichten exakt bekannt, lässt sich die Satellitenmessung hinsichtlich
der Eisdicke besser interpretieren“, kommentiert Dr. Rodrigues.
Gravierende Auswirkungen – ökologisch und politisch
Bei der Expedition wird das Team hochmoderne
Kommunikationssysteme für die Übertragung einer bisher einmaligen Vielfalt von
Film- und Fotomaterial sowie wissenschaftlichen – umweltbiologischen und
physiologischen – Daten einsetzen. Dadurch wird es der Welt möglich sein,
an der Realität der Eiswelt direkt teilzuhaben und die Landschaft aus den Augen
der Expeditionsteilnehmer zu sehen. Mit Hilfe einer Spezialentwicklung,
bestehend aus einem Multi-Iridium-Modem-System, wird das Team täglich bis zu
fünf Minuten Filmmaterial in Webcam-Qualität liefern können.
„Im Meer versinkende Küsten, Verwüstungen durch Stürme und
Erosion in Küstengebieten in noch nie da gewesenem Ausmaß sind die
unausweichlichen Folgen steigender Meeresspiegel. Bereits jetzt erleben wir die
weit reichenden Folgen der globalen Erwärmung an verschiedenen Orten der Erde,
auch in Europa“, so Pen Hadow.
„Aber auch auf die Politik hat der Klimawandel Auswirkungen: Die Öffnung
des Zugangs zu einem der größten unberührten Erdöl- und Erdgasvorkommen der
Welt hat bereits zu geopolitischen Spannungen geführt, weil Russland und die
anderen Anrainerstaaten der Arktis Gebietsansprüche auf den Meeresboden und
seine Bodenschätze erheben. Leider ergeben sich durch die Öffnung neuer
Seewege, den damit verbundenen Aufbau von Infrastrukturen und den Zugang zu
neuen Fischgründen, die noch keiner Regulierung unterliegen, aber auch neue
Risiken für das zerbrechliche Gleichgewicht der Natur in der Arktis. Sicher
ist: All diese Szenarien werden Wirklichkeit und für ein sinnvolles Handeln ist
es ist wichtig zu wissen, wann.“
Das global agierende Telekommunikationsunternehmen Vanco ist
Hauptsponsor des Projekts, repräsentiert damit jedoch die gesamte
Telekommunikationsindustrie. Vanco ist überzeugt, dass der
Telekommunikationsbranche eine besondere und entscheidende Rolle bei der
Entwicklung von Nachhaltigkeitsszenarien zukommt, in denen ökonomisches
Wachstum mit Klimaschutz vereinbar ist. So wies der Industrieverband ETNO
(European Telecommunications Network Operators Association) in seiner
Nachhaltigkeitsstudie „2006 Sustainability Report“ darauf hin, dass jedes
großes Europäisches Land seinen CO2-Ausstoß um mehr als 5 Millionen
Tonnen reduzieren könnte, wenn persönliche Meetings durch Alternativen wie zum
Beispiel Videokonferenzen ersetzt würden. Multipliziert man diese Zahlen mit
Zehntausenden international operierenden Unternehmen weltweit, ließe sich mit
virtuellen statt konventionellen Meetings eine bedeutende Reduzierung des
Schadstoffausstoßes erreichen.
Wichtige Hintergrundinformationen
Satelliten: Gegenwärtig werden die beiden nördlichsten Breitengrade
der Erdoberfläche von keinem Satelliten erfasst. In Satellitenfotos des
geographischen Nordpols wird die Polkappe grundsätzlich in einer angenommenen
Ausdehnung dargestellt und weiß koloriert. Trotz Ausgaben in Millionenhöhe für
Satellitenbilder sind diese gegenwärtig noch fehlerhaft.
Erstmals Live-Bilder aus der Arktis: Eine weitere Innovation
der Expedition von Pen Hadow und seinem Team sind die ersten Live-Bilder aus
der zentralen Arktis, die weltweit ausgestrahlt werden sollen. Mit Hilfe einer Spezialentwicklung,
bestehend aus einem Multi-Iridium-Modem-System mit feststehender Antenne, wird
Hadow täglich bis zu fünf Minuten Filmmaterial in Webcam-Qualität liefern
können. Dabei werden solarbetriebene Batterien für die Komprimierung und
Übertragung von Bilddaten mit einer Geschwindigkeit von 5 Kilobit pro Minute,
der derzeit höchst möglichen Datenrate über den einzigen, in diesem Gebiet zur
Verfügung stehenden Satelliten des InMarSat-Systems genutzt: „Wir werden die
bislang höchsten Datenmengen übertragen und erstmals ein internationales
Publikum direkt an wissenschaftlichen Untersuchungen und Polarforschung im
‚Ewigen Eis’ teilhaben lassen“, erläutert Hadow.
Geschichte: Der „Vanco Arctic Survey“ wird den Spuren von Sir
Wally Herbert folgen, dem es mit seinem Team als Erstem gelang, den
geographischen Nordpol zu Fuß zu erreichen und danach das gesamte Nordpolarmeer
zu überqueren. Diese Expedition dauerte achtzehn Monate und wurde im Jahr 1969
durchgeführt.
Fritz Körniker, einer der Mitstreiter von Sir Wally, führte
im Verlauf des Fußmarsches täglich Eiskernmessungen durch. Hadow vertritt die
These, dass diese bis heute die einzigen zutreffenden Messungen sind. Beinahe
vierzig Jahre später will er auf den Ergebnissen von Sir Wally aufbauen.
Geographie: Die Untersuchung wird zu einem kritischen
Zeitpunkt Belege für ein beschleunigtes Abschmelzen der Eisflächen sammeln. Die
Nordwestpassage war in diesem Jahr während der Sommermonate bereits eisfrei und
die Dauer der eisfreien Zeit nimmt stetig zu. Einige Gebiete der Arktis sind
inzwischen ganzjährig eisfrei.
„Es ist überaus wichtig, dass die Menschen verstehen: Was in
der Arktis geschieht, wird große Auswirkungen in der ganzen Welt haben –
sogar in einigen der heißesten Zonen der Erde“, sagt Hadow.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts sind die Meeresspiegel
zwischen 10 und 20 Zentimeter angestiegen und allen Anzeichen nach verändert
sich die Situation mit alarmierender Geschwindigkeit zum Schlechteren. Die
UN-Organisation IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), der so
genannte Weltklimarat, hat ein Ansteigen der Meeresspiegel bis zum Ende des 21.
Jahrhunderts um Werte von 9 bis 88 Zentimeter vorausgesagt. Dies hätte
verheerende Folgen für die Lebensgrundlage von Millionen Menschen in aller
Welt.
Dem Stern-Report (Stern Review on the Economics of Climate
Change) des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern zufolge würde ein
Ansteigen der Meeresspiegel von 20 bis 80 Zentimeter regelmäßige jährliche
Überflutungen des Lebensraums von bis zu 300 Millionen Küstenbewohnern
auslösen.
Pen Hadow und Team: Pen Hadow (www.polartravel.co.uk) ist ein
Polarforscher, der über mehr als 15 Jahre Erfahrung mit den extremen
Verhältnissen des Polarkreises verfügt. Im Jahr 2003 hat er als erster Mensch
den Nordpol ohne Begleitung und ohne Aufstockung seiner Vorräte zu Fuß
erreicht. Ann Daniels (ww.anndaniels.com) war Mitglied des ersten
Frauen-Expeditionsteams, das auf Skiern sowohl zum Nord- als auch zum Südpol
gewandert ist. Mit Martin Hartley (www.martinhartley.com)
begleitet ein mehrfach ausgezeichneter Arktis-Fotograf Pen Hadows Team.
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Anja Ziegler
Vanco GmbH
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