Grundschulinitiative TÜV Kids
Technik wird für Kinder zum Erlebnis
Seit dem 30. März 2007 gestalten TÜV Kids-Trainer
handlungsorientierten Sachunterricht in hessischen Grundschulen. Die vom TÜV
Hessen vorab qualifizierten Hochschüler leiten Mädchen und Jungen der vierten
Klasse an – zum Beispiel beim eigenhändigen Bau eines einfachen
Stromprüfgeräts oder einer Hebebühne. Dabei erwerben die Schülerinnen und
Schüler spielerisch ein Gefühl für physikalische Eigenschaften von Gegenständen
und Materialien aus ihrer vertrauten Alltagsumgebung. Mit seinem jüngsten
Bildungsengagement will der TÜV Hessen die Schlüsselkompetenz Technik
frühzeitig im Kindesalter fördern. Das fachdidaktisch fundierte
Unterrichtsangebot richtet sich an alle 1.172 Grundschulen des Landes. Dabei kümmert
sich der TÜV Hessen nicht nur um die Rekrutierung und Ausbildung der TÜV
Kids-Trainer, sondern stellt gemeinsam mit Partnern auch sämtliche Materialien
für potenziell 60.000 hessische Viertklässler unentgeltlich zur Verfügung. Im
Internet unter www.tuev-kids.de können
Lehrer online eine TÜV-Kids-Stunde für ihre vierte Klasse buchen. Überdies
bietet die Webseite weitere interessante Technikinhalte. Nachhaltigkeit gewinnt
die Initiative, weil sie einen Know-how-Transfer in Gang setzt und somit
unmittelbar zur Lehrerweiterbildung beiträgt. Zudem ist die Aktion als Auftakt
für Folgekampagnen geplant – mit denen der TÜV Hessen seine
gesellschaftliche Verantwortung für die Zukunft des Landes langfristig untermauert.
Der Name ist Programm: TÜV Kids sind Mädchen und Jungen im
Grundschulalter, die technische Phänomene verstehen. Sie wollen Technik wie
Heimelektronik oder Computer nicht einfach nur benutzen. Sie wollen auch
wissen, was dahinter steckt und wie es funktioniert. Diese Neugier will der TÜV
Hessen mit seiner gleichnamigen Initiative wecken und den Wissensdurst der
Schüler stillen – und zwar durch konkrete Unterrichtsangebote für alle
1.172 Grundschulen im Land.
Schlüsselkompetenz frühzeitig fördern
Seit dem aktuellen Schuljahr ist Staatsminister Jürgen Banzer
Schirmherr der Initiative. „Technik altersgerecht selbst erforschen, entdecken
und erleben, so lässt sich die Initiative des TÜV Hessen zusammenfassen. Die
Schirmherrschaft für diese Initiative übernehme ich sehr gerne, da ich mir
wünsche, dass noch viel mehr Schülerinnen und Schüler in Hessen von ihr
profitieren können“, sagt Staatsminister Jürgen Banzer.
„Technikverständnis ist unbestreitbar die entscheidende
Schlüsselkompetenz in der Informationsgesellschaft. Das gilt für die Gegenwart
und noch mehr für die Zukunft“, sagt Falk K. Börsch, Geschäftsführer des TÜV
Hessen. Umso wichtiger sei es, Kinder so früh wie möglich für
technisch-naturwissenschaftliche Themen zu sensibilisieren. „Mit TÜV Kids
wollen wir unseren Beitrag dazu leisten“, fährt Börsch fort, „dass
Heranwachsende im späteren Leben souverän und eigenverantwortlich in einer
komplexer werdenden Welt agieren können.“
An der Lebenswelt der Kinder orientiert
Auch der hessische Rahmenplan Grundschule begründet die
Notwendigkeit und didaktische Ausrichtung des Lernfeldes Technik im
Sachunterricht. Die Schulpraxis zeigt jedoch oftmals ein Ungleichgewicht
zugunsten anderer Themenbereiche. Ursache dafür ist die verbreitete Annahme,
handlungsorientierter Technikunterricht sei nur mit einer aufwändigen
Ausstattung möglich. „Das Projekt TÜV Kids zeigt, dass dem nicht so ist und
dass bereits mit einfachen Ausgangsmaterialien pädagogisch anspruchsvolle
Experimente durchzuführen sind“, sagt Manfred Weller, Rektor der Grundschule
Steinbach, Landkreis Gießen. „Im Sachunterricht streben wir eine ausgewogene
Mischung aller wichtigen Lernfelder an. Wichtig ist dabei vor allem die soziale
und naturwissenschaftliche Erfahrungswelt unserer Kinder“, führt Weller aus.
Für TÜV Kids übernahm der erfahrene Pädagoge die fachdidaktische Beratung. Auch
die Idee für das Stromprüfgerät, mit dem TÜV Kids in Wiesbaden an den Start
ging, stammt von ihm. „Gezielt habe ich dafür Bauteile aus der unmittelbaren
Erfahrungswelt der Kinder gewählt. Das erleichtert den Aufbau des Geräts und
verstärkt den Lerneffekt“, so Weller weiter. Als logische Konsequenz bietet er
nun auch Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer auf
technisch-naturwissenschaftlichem Gebiet an.
TÜV-Kids-Beispiel Stromprüfgerät
Als Ausgangsmaterialen für das Stromprüfgerät dienen ein
Grundbrett, vier Reißnägel, eine Gummischlaufe und zwei Büroklammern. Hinzu
kommen noch eine Fünf-Millimeter-Leuchtdiode, ein kleiner Keramikwiderstand
sowie eine Neun-Volt-Blockbatterie mit Batterieclip. An Werkzeugen werden
lediglich Hammer, Spitzzange und Schraubenzieher benötigt. Den Aufbau und seine
Abfolge hat Manfred Weller in etlichen Teststunden erprobt und in Gesprächen
mit dem Projektleiter beim TÜV Hessen – Steffen Seehars – und den
TÜV Kids-Trainern mehrfach optimiert. Beispielsweise wurde das ursprünglich
geplante Glühbirnchen durch eine Leuchtdiode ersetzt – nicht nur, um
statt teurer Flachbatterien kostengünstigere Neun-Volt-Blocks einsetzen zu
können, sondern auch aus pädagogischen Motiven: „Der Leuchtdiode gehört die
Zukunft. Sie wird voraussichtlich schon bald die heutige Sparbirne ablösen.
Unsere angehenden TÜV Kids kommen dadurch nebenbei mit einer energiepolitisch
überaus bedeutsamen Beleuchtungsvariante in Kontakt“, erklärt Steffen Seehars.
Ziel der Unterrichtseinheit ist es, dass jeder Schüler mit einem
funktionstüchtigen Prüfgerät experimentieren kann. Daher gliedert sich der
Aufbau in sechs Phasen – und erst wenn alle Kinder den jeweiligen
„Bauabschnitt“ fertig gestellt haben, geht’s mit dem nächsten weiter. Am Anfang
steht das Markieren der Positionen für die Reißnägel mit Hilfe einer Schablone.
Dann werden Schritt für Schritt die Drähte von Leuchtdiode, Widerstand und
Batterie mit den Reißnägeln auf dem Grundbrett fixiert. Die Büroklammer wird
aufgebogen und spielt die Rolle eines Schalters – fertig. Probeweise
können die TÜV Kids die beiden Schalter-Reißnägel auch mit anderen Gegenständen
überbrücken. Zum Beispiel mit einem Kugelschreiber aus Metall. Dann leuchtet
die Diode. Bei einem Plastikkuli hingegen bleibt sie dunkel. „Auf diese Weise
lernen die Schüler spielerisch neue Eigenschaften bereits bekannter Dinge. Sie
entwickeln ein Gespür für das unterschiedliche Leitungsverhalten der
verschiedenen Materialien“, erläutert Steffen Seehars. Und natürlich können sie
ihr selbstgebautes Prüfgerät anschließend mit nach Hause nehmen, um es ihren
Eltern vorzuführen und ihre Experimente nach der Schule fortzusetzen. Sämtliche
Materialien, wozu auch eine kleine Kiste zum sicheren Transport gehört, stellt
der TÜV Hessen allen Schulen unentgeltlich zur Verfügung.
TÜV Kids im Web
Das Stromprüfgerät ist nur ein Beispiel von vielen, wie mit
einem methodisch durchdachten Konzept hocheffektiver handlungsorientierter
Unterricht auch mit einfachen Materialen erreicht werden kann. Manfred Weller
hat mittlerweile weitere Bau- und Versuchsanordnungen entwickelt. Sie stehen
für Kinder und interessierte Eltern im Internet unter www.tuev-kids.de zum Download bereit. Dort
finden sich auch jede Menge pädagogisch aufbereiteter Informationen zum TÜV
Hessen und zum Thema Technik. Lehrer können über einen Extrazugang online einen
TÜV Kids-Trainer in ihre vierte Klasse einladen und eine CD mit Experimenten
und Anregungen zur Unterrichtsgestaltung bestellen. Grundsätzlich soll die
Webseite Lehrer, Schüler und Eltern zum Experimentieren anregen, um Technik
spielerisch kennen zu lernen. Außerdem gibt die Website einen Überblick über
das aktuelle Fortbildungsangebot von Manfred Weller.
Aus seiner Sicht findet Weiterbildung auch bereits während
des Unterrichts durch die TÜV Kids-Trainer statt. Denn dabei hospitieren die Klassenlehrer,
und das setzt einen Know-how-Transfer in Gang. Schon nach den ersten Testunterrichtsstunden
bekundeten mehrere Lehrer, dass sie das Prüfgerät im nächsten Schuljahr selbst
behandeln wollen.
Gesamtgesellschaftliche Verantwortung
Der TÜV Hessen ist wie kein zweites Unternehmen durch seine
Geschäftstätigkeit prädestiniert, technisches Know-how in Schulen zu fördern.
Der TÜV Hessen ist eine Beteiligungsgesellschaft von TÜV SÜD und Land Hessen.
Er begleitet den technischen Fortschritt seit mehr als hundert Jahren. Seine
Geschichte begann im 19. Jahrhundert mit regelmäßigen Sichersicherheitsprüfungen
an Dampfkesseln. Der moderne TÜV Hessen von heute ist demgegenüber ein sehr
breit aufgestelltes Dienstleistungsunternehmen. Mehr als 1.000 hoch
qualifizierte Mitarbeiter unterstützen die hessischen Unternehmen aus allen
Branchen. Mehrere hunderttausend Privatkunden nutzen die Dienstleistungen an
landesweit über 60 Service-Standorten.
Der TÜV Hessen ist Garant für Sicherheit, Umweltschutz,
Qualität und Marktfähigkeit von Anlagen, Produkten und Dienstleistungen.
Wachsende Anforderungen an Produktivität und Effizienz kennzeichnen seine
Märkte. Wissen und Erfahrung des TÜV Hessen steigern die Wirtschaftskraft von
Unternehmen. Er schützt und fördert Menschen, mehrt Werte und Wohlstand.
Mit dem Projekt TÜV Kids dokumentiert der TÜV Hessen erneut
seine hohe gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Überdies gibt die Aktion ein
Beispiel, wie sich ein mittelständisches Unternehmen erfolgreich für die
Zukunft des Landes engagiert.
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