Solarenergie
– Wachstumsmotor für Deutschland
Der Solarmarkt wächst
dynamisch – trotz Wirtschaftskrise. Nach Angaben des Bundesverbandes
Solarwirtschaft (BSW) betrug die in Deutschland im Jahr 2008 neu installierte
Leistung rund 1.500 MWp1). Überall in Deutschland entstehen neue Produktions-
und Forschungsstandorte für Solartechnologie. Im vergangenen Jahr stiegen die
Investitionen der Zulieferer und Industrie in Forschung und Entwicklung auf
rund 190 Mio. Euro2). Dabei investieren die Unternehmen besonders
intensiv in die strukturschwachen Regionen in den neuen Bundesländern.
Wie lässt sich diese
Entwicklung erklären? Prinzipiell sind zwei Wachstumstreiber für die anhaltende
Konjunktur verantwortlich. Zunächst sind Erneuerbaren Energien vor dem
Hintergrund der aktuellen Klimadiskussion eine attraktive Alternative zu
konventionellen Energiequellen. Der Umwelt- und Klimaschutz ist ein schlagkräftiges
Argument der Deutschen für den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Innerhalb der
breiten Palette dieser Energiequellen ist die Solarenergie nach Angaben der
Meinungsforschungsinstitute Emnid und Allensbach bei der Mehrheit der deutschen
Bundesbürger sehr beliebt und eine gute Option zu den immer teuerer werdenden
Rohstoffen wie Öl, Gas oder Kohle. Laut Umfragen von Allensbach befürworten
über 90 Prozent ihre intensivere Nutzung3). Als zweiter Treiber hat
das so genannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der positiven Entwicklung der
regenerativen Energien den Boden geebnet. Es verpflichtet die Betreiber von
Stromnetzen, Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien
anzuschließen und den umweltfreundlichen Strom für einen bestimmten Zeitraum
nach gesetzlich festgelegten Preisen zu vergüten. Für Strom aus
Photovoltaikanlagen beträgt dieser Zeitraum 20 Jahre zuzüglich des Jahres der
Inbetriebnahme der Anlage. Wer Solarstrom produziert, hat also einen festen
Abnehmer und eine entsprechend langfristige Planungssicherheit.
Schlüsselrolle Deutschlands am Weltmarkt
Am Weltmarkt sind
Solartechnologien aus Deutschland sehr gefragt. Der Marktanteil deutscher
Unternehmen liegt im Durchschnitt der Wertschöpfungsstufen bei rund 20 Prozent.
Die deutschen Photovoltaikhersteller profitieren zunehmend von ihren getätigten
Investitionen in die Forschung und Entwicklung und nutzen ihre gute
Innovations- und Technologieposition, um sich im internationalen Marktumfeld
Vorteile zu verschaffen. Die Exportquote und der Exportumsatz sind nach Angaben
des BSW zwischen 2002 und 2008 deutlich angestiegen. Die Experten erwarten bis
2010 eine weitere Steigerung von Exportquote und Exporterlösen und gehen davon
aus, dass die deutschen Solarunternehmen einen Weltmarktanteil von etwa einem
Fünftel auch in den kommenden Jahren gegen wachsende Konkurrenz aus Fernost
werden behaupten können4). Besonders die deutschen
Solarzellenhersteller profitieren von der zunehmenden Marktdynamik. Sie sind
nach Angaben des Branchenverbandes BSW in den vergangenen zwei Jahren doppelt
so schnell gewachsen wie ihre internationale Konkurrenz und haben ihren Weltmarktanteil
von rund sieben Prozent im Jahr 2000 auf rund 25 Prozent der insgesamt
installierten Leistung im Jahr 2005 ausgebaut.
Neben den USA und Japan
verfolgen zunehmend auch südeuropäische Nationen wie Spanien, Italien,
Frankreich und Griechenland den Ausbau der Nutzung der Solarenergie und
verzeichnen schon heute überdurchschnittliche Wachstumsraten.
Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze
Nach Angaben des Bundesverband
Erneuerbare Energie (BEE) ist die Zahl der Stellenangebote im Bereich der Erneuerbaren
Energien im ersten Quartal 2009 gegenüber den Vorjahren weiter gestiegen5).
Im Vergleich mit 2008 gab es rund ein Viertel mehr an offenen Stellen. Angesichts
der weltwirtschaftlichen Lage und dem Stellenabbau in Deutschland seit
Jahresbeginn 2009 ist es bemerkenswert, dass die Solarunternehmen weiterhin
Personal aufbauen können. Führend in der Schaffung neuer Arbeitsplätze ist
danach der Bereich der Solarenergie. Im Zeitraum von nur zwei Jahren hat sich
die Arbeitnehmerzahl innerhalb der Solarbranche nach Angaben des BMU verdoppelt6).
Der Bundesverband Solarwirtschaft zählte 2006 bereits rund 50.000 Beschäftigte.
Bislang kamen jährlich etwa 5.000 bis 10.000 Arbeitsplätze hinzu. Bei anhaltend
hoher Nachfrage und den starken Exportquoten könnten nach Informationen des
Umweltministeriums bis 2020 mehr als 200.000 weitere Arbeitsplätze geschaffen
werden. Den Löwenanteil macht auch hier die Photovoltaik aus: Das BMU erwartet,
dass sich bis 2020 die Beschäftigtenzahl von rund 30.000 (2006) auf über 100.000
Arbeitnehmer verdreifachen wird7).
Industrie und Verbraucher fordern Planungssicherheit
Obwohl sie bisher auf
staatliche Förderungsmaßnahmen angewiesen ist, wird die Solarbranche nach
Expertenmeinung in absehbarer Zeit voraussichtlich auch ohne Marktunterstützung
wachstumsfähig sein. Angesichts steigender Ölpreise und sinkender Kosten für
regenerative Energien soll dies nach Angaben der Europäischen Solarindustrie
Vereinigung (EPIA) und Greenpeace International in den nächsten 10 bis 15 Jahren
möglich sein8). Bis dahin können nur zuverlässige gesetzliche Rahmenbedingungen
wie das EEG die deutsche Solarindustrie auch im Hinblick auf das verschärfte internationale
Wettbewerbsumfeld weiterhin stärken.
Quellen: 1), 2) BSW,
Statistische Zahlen, 03/2009; 3) Allensbach-Studie zu Energieversorgung und
Energie-Politik 11/2003; 4) BSW, Statistische Zahlen, 01/2008; 5) BEE, Arbeitmarktmonitoring
Erneuerbare Energien 2009; 6) 7) Bundesministerium für Umwelt und
Reaktorsicherheit (BMU), Erfahrungsbericht zum EEG, 07/2007
BSW, Export, 2007; 8)
Greenpeace/EPIA, Solar Generation III, 12/2006.