zurück Meldungen Artikel Bilder Viten Mappen Termine Kontakte Service Suche Start


Sie sehen den Artikel: Konzentrierte Sonnenkraft kann ganze Städte versorgen. Veröffentlicht am: 17.06.2009
 
Web-Vorlage

Projektbeschreibung fuer den Deutschen Zukunftspreis

 

 

Herzstueck fuer Solarkraftwerke: Receiver von SCHOTT Solar

 

Konzentrierte Sonnenkraft kann ganze Staedte versorgen

 

In einer Stunde schickt die Sonne genug Energie auf die Erde, um den Bedarf der Weltbevoelkerung fuer ein Jahr zu decken, haben Forscher der Fraunhofer Gesellschaft errechnet. Seit vielen Jahren versucht man, sich dieses Potenzial in grossem Stile nutzbar zu machen – unter anderem mit der Concentrated Solar Power-Technologie (CSP). Dabei wird die Solarstrahlung mit grossen Reflektorflaechen – zum Beispiel Parabolspiegeln – aufgefangen, gebuendelt und in nutzbare Energie umgewandelt. Solarkraftwerke mit CSP-Parabolrinnentechnologie sind in den USA bereits seit den 80er Jahren erfolgreich im Einsatz und haben bis heute ueber zwoelf Terrawattstunden Solarstrom erzeugt1. Weltweit ist der Druchbruch dieser Technologie, die uns weitgehend unabhaengig von fossilen Brennstoffen machen koennte, moeglich – sofern es gelingt, den Strom in Solarkraftwerken mittelfristig genauso wirtschaftlich zu produzieren wie in konventionellen Kraftwerken. SCHOTT Solar hat eine neue Generation von hocheffizienten Receivern entwickelt, die die Effizienz von Solarkraftwerken deutlich steigern und dadurch einen wichtigen Beitrag fuer eine klimafreundliche Energieerzeugung leisten.

 

Wie ein Solarkraftwerk funktioniert

Solarkraftwerke mit Parabolrinnentechnologie sind im Grunde Dampfkraftwerke, die aus Waerme Strom erzeugen. Der grosse Unterschied zu konventionellen Kraftwerken besteht darin, dass nicht fossile Brennstoffe wie Kohle, Gas oder Oel die benoetigte Energie liefern, sondern die Sonne. Auf einem Feld mit riesigen gewoelbten Spiegeln wird die Sonnenstrahlung auf Absorberrohre (Receiver) gebuendelt. Durch die konzentrierte Strahlung wird in den Receivern der Waermetraeger – ein Thermooel, das durch die Receiver fliesst – auf 350 bis 400 Grad Celsius erhitzt. Das heisse Thermooel wird dann zum zentralen Kraftwerksblock gepumpt. Mit dieser Hitze wird Dampf erzeugt, der wiederum die Turbine des Kraftwerks antreibt.

 

Die Kernkomponente eines Solarkraftwerks: der Receiver

Der Receiver ist der zentrale Bestandteil, wenn es um die Effizienz eines Parabolrinnenkraftwerkes geht. Je hochwertiger der Receiver, desto groesser der Wirkungsgrad des Kraftwerkes. Gleichzeitig ist er auch eines der sensibelsten Bauteile, denn er ist aussergewoehnlichen thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt: Die Sonnenstrahlung wird bis zu 80-fach konzentriert und auf das innere Absorberrohr des Receivers gebuendelt. Zwischen diesem und dem umgebenden Huellrohr entsteht auf wenigen Millimetern ein Temperaturgefaelle von bis zu 400 Grad. Gleichzeitig muessen die Receiver die solare Strahlung hoechst effizient umwandeln, so dass moeglichst wenig Waerme verloren geht. Eine ganz besondere Herausforderung ist die Langzeitstabilitaet, die den Receivern abverlangt wird: Mehr als 20 Jahre intensivste Sonneneinstrahlung duerfen ihnen nichts anhaben. Insbesondere die Beschichtung des Receivers, die nur wenige hundert Nanometer dick ist, muss ueber diesen langen Zeitraum Temperaturen von bis zu 500 Grad Celsius Stand halten. Diesen Anforderungen wurden Receiver in der Vergangenheit nur unzureichend gerecht.

 

Was macht die Receiver von SCHOTT Solar so besonders?

SCHOTT Solar hat neue Wege in der Konstruktion und in der Werkstofftechnik beschritten und einen Receiver entwickelt, der in seinen mechanischen und optischen Eigenschaften ideal auf die extremen Betriebsbedingungen in Parabolrinnenkraftwerken zugeschnitten ist.

 

 

- Werkstofftechnik

Die Receiver bestehen aus einem Absorberrohr aus Metall, das von einem glaesernen Huellrohr vakuumdicht umschlossen ist. Um das Vakuum zwischen Huellrohr und Absorberrohr stabil zu halten und somit Waermeverluste zu minimieren, ist die dauerhafte Verbindung aus Glas und Metall entscheidend. Da sich Glas und Metall unterschiedlich ausdehnen, hat SCHOTT einen speziellen Glastyp entwickelt, der die gleichen Ausdehnungseigenschaften hat wie das Metall. Die Verbindung der beiden Werkstoffe Glas und Metall ist patentiert und macht die Receiver dauerhaft belastbar.

 

- Konstruktion

Ein Faltenbalg kompensiert die unterschiedliche Laengenausdehnung von Glashuelle und Absorberrohr. Dadurch sind die beiden Werkstoffe spannungsfrei verbunden, so dass die thermomechanische Belastung auch bei grossen Temperaturunterschieden nicht kritisch wird. Jedoch sind gerade die Verbindungselemente zwischen kaltem Huellrohr und heissem Absorberrohr besonders gefaehrdete Bauteile. Bei frueheren Receivern hat man sie zum Schutz abgedeckt. Dadurch fiel jedoch ein Schatten auf die Oberflaeche des Sammelrohres, was den Wirkungsgrad der Receiver verringerte. SCHOTT Solar hat neuartige UEbergangselemente entwickelt, die eine einzigartige Stabilitaet aufweisen und so angeordnet sind, dass rund 96 Prozent der Receiverlaenge tatsaechlich genutzt werden.

 

- Duennschichttechnik

Fuer das Huellrohr des Receivers hat SCHOTT Solar eine neuartige Antireflexbeschichtung entwickelt. Sie ist gegen Abrieb bestaendig und laesst gleichzeitig bis zu 96 Prozent der Sonnenstrahlung durch. Die Beschichtung beruht auf Nano-Technologie. SCHOTT Solar hat die Antireflexbeschichtung gemeinsam mit der TU Clausthal-Zellerfeld entwickelt und in ein serientaugliches Herstellverfahren ueberfuehrt.

 

- Absorber

Die Qualitaet des Absorberrohres ist ebenfalls ausschlaggebend dafuer, wie wirkungsvoll das Solarkraftwerk arbeitet. Das Absorberrohr muss moeglichst viel Sonnenstrahlung absorbieren und darf fast keine Waerme abstrahlen. In mehrjaehriger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut fuer solare Energiesysteme (Fraunhofer-ISE) hat SCHOTT Solar eine hochselektive temperaturbestaendige Absorberbeschichtung entwickelt, die die Leistungswerte der Receiver gegenueber bisher bekannten Systemen noch einmal deutlich gesteigert hat. Die Waermeabstrahlung eines 380 Grad Celsius heissen Receivers konnte auf unter 10 Prozent reduziert werden. Das aeussere Huellrohr wird bei dieser geringen Abstrahlung gerade noch handwarm.

 

Neue Massstaebe fuer Solarkraftwerke

SCHOTT Solar hat in einer vierjaehrigen F&E-Phase ein neues Produkt mit bisher nicht erreichten Eigenschaften in punkto Strahlungsoptik, Effizienz und Langzeitstabilitaet bis zur Marktreife entwickelt. Alle technischen Herausforderungen hat das Unternehmen dabei gemeinsam mit renommierten Forschungseinrichtungen durch  innovative Ansaetze geloest.

 

Heute setzt der Receiver von SCHOTT Solar neue Massstaebe. Das innovative Produktdesign bildet eine wichtige Grundlage, um die Leistung von Parabolrinnenkraftwerken in Zukunft weiter zu steigern und letztlich Strom auf eine nachhaltige und wirtschaftliche Art und Weise zu produzieren. Durch die hohe Temperaturbestaendigkeit und die exzellenten Leistungswerte lassen sich Solarkraftwerks-Technologien mit hoeherem Wirkungsgrad umsetzen. Zukuenftige Solarfelder sollen entweder direkt Dampf erzeugen oder Salzschmelzen statt Thermooel als Waermetraeger verwenden, um den Dampfprozess bei mindestens 500 Grad Celsius und dadurch mit hoeheren Wirkungsgraden betreiben zu koennen. Auf diese Weise laesst sich Solarstrom noch guenstiger herstellen.

 

 

Mit Solarenergie in die Zukunft

Die erreichten Leistungsparameter des Receivers von SCHOTT Solar haben grossen Anteil daran, dass sich Energie aus der Sonne immer wirtschaftlicher gewinnen laesst. Durch die Weiterentwicklung der Solarkraftwerke entsteht eine echte Alternative zu konventionellen Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Etwa 60 Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von mehr als drei Gigawatt befinden sich derzeit in Planung oder bereits im Bau2. Sie entstehen in den sonnenreichen Regionen dieser Erde – Spanien, USA, Nordafrika – und haben das Potenzial, ganze Staedte mit Strom zu versorgen. Gerade den wirtschaftlich schwaecheren Regionen rund um den Sonnenguertel der Erde bieten Solarkraftwerke gute Entwicklungschancen. Dort gibt es haeufig keine flaechendeckende und stabile Stromversorgung – dafuer aber eine starke Sonneneinstrahlung. Ideale Voraussetzungen, um die Elektrifizierung durch Solarkraftwerke voranzutreiben. Eine zuverlaessige Stromversorgung wiederum ist der Schluessel fuer eine nachhaltige Entwicklung. Mittel- bis langfristig koennten Solarkraftwerke von dort aus einen Teil der Stromproduktion fuer Industrielaender uebernehmen.

 

 

Quellen: 1) CONCENTRATED SOLAR THERMAL POWER – NOW ! (Greenpeace, ESTIA, Solar Pace, 9/2005; 2) IDAE, Solar Energy in Spain 2008 - Current state and prospects, 6/2008

 


 

Diesen Artikel als PDF-Datei downloaden  

 

 

 
17.06.2009
Solarkraftwerk AndaSol 1 in Spanien
Concentrated Solar Power (CSP)
13.06.2008
Solarkraftwerk in Boulder City
Solarkraftwerk in Boulder City - 3
13.06.2008
Solarkraftwerk in der kalifornischen Mojave-Wüste
Solarkraftwerk in der kalifornischen Mojave-Wüste - 2
13.06.2008
Concentrated Solar Power (CSP)
Concentrated Solar Power (CSP) - 7
13.06.2008
Concentrated Solar Power (CSP)
Concentrated Solar Power (CSP) - 2
 
Zu diesem Artikel ist derzeit keine Vita vorhanden