Projektbeschreibung
Solare Notstromversorgung für eine Krankenstation
Die Herausforderung:
Die senegalesische Wirtschaft wächst stärker als die ihrer
westafrikanischen Nachbarländer, und mit ihr der Energieverbrauch. Nur jeder
dritte der rund 12 Millionen Menschen im Senegal ist heute über das öffentliche
Stromnetz mit Elektrizität versorgt. Im ländlichen Raum haben sogar weniger als
20 % der Bevölkerung Zugang zu elektrischem Strom. Zahlreiche Projekte, die
unter anderem von der Weltbank unterstützt werden, widmen sich bereits diesem
Problem. Dennoch ist das westafrikanische Land auf das Engagement privater
Investoren angewiesen. Insbesondere in den ländlichen Regionen im Senegal gibt
es keine flächendeckende Energieversorgung – dafür aber eine starke
Sonneneinstrahlung. Ideale Voraussetzungen für den Einsatz von
Photovoltaik-Anlagen, die Zugang zu Strom ermöglichen oder die Stromversorgung
als Inselsysteme dezentral aufrecht erhalten.
Der Handlungsbedarf:
Die Gleichung ist einfach: Strom ist die Grundvoraussetzung,
um eine Wirtschaftsstruktur aufzubauen. Ohne Elektrizität entsteht nur
schwerlich eine lokale Wertschöpfung, durch die neue Unternehmen vor Ort
wachsen können. Eine solche nachhaltige Entwicklung benötigt eine
funktionierende Infrastruktur. Und nicht nur in der Wirtschaft, sondern in
nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens spielt die Energieversorgung eine
wichtige Rolle – ob in Privathaushalten, Schulen, Handwerksbetrieben oder
Krankenhäusern: Gerade für wichtige medizinische Anlaufstellen der
senegalesischen Bevölkerung ist eine stabile Energieversorgung essentiell.
Bislang ist dies allerdings nicht überall im Land gewährleistet. Das örtliche
Stromnetz verweigert mitunter mehrmals täglich den Dienst, wodurch die Kühlung der
Medikamente immer wieder unterbrochen ist. Das Licht und die medizinischen
Geräte fallen dann aus. Die Ärzte und Krankenschwestern können ihre Patienten
daher oft nicht so versorgen, wie es die Situation erfordert.
Mit diesen Problemen hatten auch die Verantwortlichen und
Patienten einer Kranken- und Geburtsstation in Baïla, gelegen in der
südsenegalesischen Provinz Casamance, zu kämpfen. Mit einer Ambulanz, einem
Kreißsaal, zehn Krankenbetten, einer Apotheke und einer Unterkunft für
Angehörige geben der Arzt und die Krankenschwestern Tag für Tag ihr Bestes, um
kleine und große Beschwerden zu lindern. Bis heute stellt die Krankenstation in
Baïla die medizinische Versorgung für die Menschen im Umkreis von vielen
Kilometern sicher. Bei einem Stromausfall haben sich die Verantwortlichen
bislang mit einfachsten Mitteln beholfen: Petroleumlampen und Kerzen spendeten
Licht, bis der Strom wieder da war. Sofern zusätzlich Diesel vorhanden war, hat
die Krankenstation den Stromausfall teilweise mit einem Stromgenerator
überbrückt.
Seit kurzem jedoch bereitet die Stromversorgung den
Verantwortlichen und Patienten in Baïla keine Sorgen mehr. Denn eine solare
Notstromanlage, geliefert und installiert von drei deutschen Unternehmen stellt eine konstante Energieversorgung
sicher.
Die Lösung:
Seit Mai 2008 garantiert eine Solarstromanlage mit Modulen
von SCHOTT Solar die unterbrechungsfreie Stromversorgung der Krankenstation in
Baïla. Gemeinsam mit den Projektpartnern KAÏTO Energie AG und SMA Solar
Technology AG wurde dieses Projekt als erste solare Notstromversorgung für ein
Krankenhaus im Senegal erfolgreich realisiert.
Die Funktionsweise der Solarstromanlage ist einfach und doch
wirkungsvoll: Auf dem Dach der Krankenstation sammeln Solarmodule die
Sonnenstrahlen ein und wandeln die Energie in Strom um. Der Strom aus den
Solarmodulen versorgt die Verbraucher am Tag, die überschüssige Energie wird in
Batterien gespeichert. Fünf Kilowatt (kW) Leistung kann die Photovoltaikanlage
vorweisen, womit sich pro Jahr ca. 8.000 Kilowattstunden elektrische Energie
erzeugen lassen. Ein so genanntes Sunny Backup-System von SMA ergänzt die
Anlage von SCHOTT Solar, indem es bei einem Stromnetzausfall innerhalb von 20
Millisekunden automatisch auf Inselversorgung umschaltet, und so die
Krankenstation unabhängig vom öffentlichen Netz mit Strom versorgt.
Da in der Casamance extreme klimatische Bedingungen
herrschen, kommen für die Anlage in Baïla spezielle Doppelglasmodule zum
Einsatz, die sich in der Praxis bei solchen Witterungsbedingungen schon oft
bewährt haben. Traditionell testet SCHOTT Solar seine Module unter extremen
Temperaturschwankungen, dauerhafter Feuchtigkeit und hohen Druck- und
Sogkräften – und nach Kenntnis des Unternehmens als einziger Hersteller
doppelt so streng, wie es die geltenden Prüfkriterien für Solarmodule
vorschreiben. Auch der Wechselrichter spielt für die Wirtschaftlichkeit und
Performance einer Solaranlage eine wichtige Rolle. Er wandelt den Gleichstrom
aus den Solarmodulen in den benötigten Wechselstrom um. Die Verantwortlichen
bei SCHOTT Solar haben sich bewusst für die Systemtechnik von SMA entschieden,
denn diese ist ebenfalls für die extremen Bedingungen im Senegal bestens
gerüstet.
Bei der Auswahl des Projektes ist SCHOTT Solar der Empfehlung
der KAÏTO Energie AG gefolgt. Die Mitarbeiter von KAÏTO setzen bereits seit
sechs Jahren wirtschaftlich orientierte Projekte in der Casamance um. Den
Schwerpunkt legt das Unternehmen dabei auf die dezentrale Stromversorgung auf
Basis Erneuerbarer Energien. Im Jahr 2004 hat KAÏTO außerdem eine Fischzucht
und 2006 eine Imkerei in der Casamance aufgebaut. Die Erfahrungen und direkten
Kontakte, die das Unternehmen dabei gewonnen hat, haben auch das Projekt
„Solare Notstromversorgung für eine Krankenstation“ zu einem Erfolg werden
lassen.
Die Menschen in Baila waren am Bau der Anlage direkt
beteiligt: Die Dorfgemeinschaft hat den Erweiterungsbau errichtet, auf dem
Mitarbeiter von SCHOTT Solar und KAÏTO die Anlage im Mai gemeinsam installiert
haben. Auszubildende aus der benachbarten Berufsschule haben die Fachleute aus
Deutschland dabei unterstützt und die Module auf dem Dach montiert. So haben
sie ihr Wissen aus dem Unterricht direkt in die Praxis umgesetzt und ihre
Kenntnisse an moderner Technik ausprobiert. SCHOTT Solar übernahm die
elektrische Installation, die technische Abnahme der Backup Anlage und schulte
den Elektriker vor Ort, der die Anlage nun selbständig wartet und von KAÏTO
regelmäßig vor Ort unterstützt wird.
Die umfassende Beteiligung der Dorfbevölkerung hat wesentlich
dazu beigetragen, dass die Menschen in Baïla die Anlage nicht als Geschenk von
außen wahrnehmen. Vielmehr begreifen sie es als ein Projekt, das sie mit
externer Unterstützung selbst auf die Beine gestellt haben. Die knapp 2.000
Menschen in Baïla und die Dörfer in der Umgebung können sich nun also auf die
Stromversorgung in der Krankenstation verlassen. Das Beispiel der „Solaren
Notstromversorgung für eine Krankenstation“ in Baïla wird sicherlich Schule
machen, hoffen die Projektleiter. Denn auch in anderen Dörfern im Senegal ist
Strom Mangelware. Viele sind im Gegensatz zu Baïla nicht einmal an das
öffentliche Stromnetz angeschlossen, da der Ausbau des Überlandnetzes nur
entlang der großen Straßen erfolgt: Gerade in ländlichen Regionen sind zum Teil
längere Distanzen zu überbrücken, um alle Dörfer „im Busch“ zu erreichen. Die
Anschlüsse werden folglich zu teuer und stehen rein wirtschaftlich für einen
Energieversorger in keinem Verhältnis zu dem Geld, das die ländlichen Haushalte
an ihn bezahlen würden. Das nahezu unerschöpfliche Potenzial der Sonne gibt es
im Senegal hingegen kostenlos – es muss nur nutzbar gemacht werden. Darin
liegt der Vorteil der Erneuerbaren
Energien: Sie bieten sich überall dort an, wo die herkömmliche Stromversorgung
per Überlandleitung nicht ankommt beziehungsweise die Stromversorgung nicht
ausreichend sichergestellt ist.
Blick in die Zukunft:
KAÏTO wird sich auch weiterhin für eine dezentrale
Stromversorgung im Senegal stark machen und positioniert sich als „Energieversorger
im ländlichen Afrika“. Im Juli wurde eine Tochtergesellschaft für die
Durchführung gegründet, das Elektrifizierungskonzept ist bereits ausgearbeitet
und erste Projekte sind in der Umsetzung. So wird unter anderem eine Kette von
dörflichen Energie-Kiosken aufgebaut, die von lokalen Kleinunternehmern im
Franchise System betrieben werden. Jeder Kiosk ist mit einer zentralen PV
Ladestation für akkubetriebene Anwendungen wie Lampen oder Handys ausgestattet.
Die Betreiber informieren über Energieeffizienz und ergänzende Lösungen,
verkaufen PV Konsumartikel, Ersatzteile, energiesparende Geräte und erbringen
einfache Installationsarbeiten.
Über die Projektpartner:
SCHOTT Solar, SMA und KAÏTO sind aktive Mitglieder im
„Arbeitskreis Ländliche Elektrifizierung“ des Bundesverbandes Solarwirtschaft.
Die Idee für eine Solaranlage im Senegal ist auf einer Unternehmerreise in den
Senegal entstanden. Diese fand im Mai 2007 statt und war Teil des Vorhabens
„Projekterschließung Senegal – Erneuerbare Energien und ländliche
Elektrifizierung“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).
Deutsche Unternehmen hatten dabei die Möglichkeit, Kontakte zu senegalesischen
Partnern und Institutionen zu knüpfen. Neben der Kontaktaufnahme stand vor
allem die Entwicklung erster Geschäftsideen im Zentrum. Mit der Solaranlage für
die Krankenstation in Baïla konnte dieses Ziel nach nur einem Jahr erreicht werden.