Solarenergie
– Wachstumsmotor für Deutschland
Die
Solarenergie boomt. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) vom
Januar 2008 speisen bereits mehr als 430.000 Photovoltaik-Anlagen mit einer
Gesamtleistung von rund 3,8 Gigawatt umweltfreundlichen Strom für etwa eine
Million deutsche Haushalte in das öffentliche Netz ein – Tendenz steigend1).
Überall in Deutschland entstehen neue Produktions- und Forschungsstandorte für
Solartechnologie. Dabei investieren die Unternehmen besonders intensiv in die
strukturschwachen Regionen in den neuen Bundesländern.
Wie
lässt sich der Boom erklären? Prinzipiell zeichnen zwei Wachstumstreiber für
die anhaltende Konjunktur verantwortlich. Zunächst haben die Erneuerbaren
Energien durch die aktuelle Klimadiskussion einen kräftigen Wachstumsschub
erhalten. Der Umwelt- und Klimaschutz ist ein schlagkräftiges Argument der
Deutschen für den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Innerhalb der breiten
Palette dieser Energiequellen ist die Solarenergie nach Angaben der Meinungsforschungsinstitute
Emnid und Allensbach bei der Mehrheit der deutschen Bundesbürger sehr beliebt
und eine gute Alternative zu den immer teuerer werdenden Rohstoffen wie Öl, Gas
oder Kohle. Laut Umfragen von Allensbach befürworten über 90 Prozent ihre intensivere
Nutzung2). Als zweiter Treiber hat das so genannte
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der positiven Entwicklung der regenerativen
Energien den Boden geebnet. Es verpflichtet die Betreiber von Stromnetzen,
Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien anzuschließen und den
umweltfreundlichen Strom für einen bestimmten Zeitraum nach gesetzlich
festgelegten Preisen zu vergüten. Für Strom aus Photovoltaikanlagen beträgt
dieser Zeitraum 20 Jahre zuzüglich des Jahres der Inbetriebnahme der Anlage.
Wer Solarstrom produziert, hat also einen festen Abnehmer und eine entsprechend
langfristige Planungssicherheit.
Der
Solarenergie-Trend lässt sich auch einfach in Zahlen ausdrücken: rund 1,3
Millionen Solaranlagen, die zur Stromerzeugung (Photovoltaik) oder
Wärmegewinnung (Solarthermie) genutzt werden, waren nach Angaben des
Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) bis zum Jahr 2006 in Deutschland
installiert: eine Steigerung von rund 220.000 Anlagen im Vergleich zum Vorjahr3).
Die Solarwirtschaft zählt bereits jetzt zu den wachstumsstärksten Branchen in
Deutschland. Rund 15.000 Solarunternehmen haben im vergangenen Jahr 2007 etwa
6,4 Milliarden Euro umgesetzt4).
Solarstrom
– Energie nonstop
Die
Photovoltaikindustrie spielt dabei eine Schlüsselrolle. Kein anderes Land
bringt nach Angaben des BSW so viel Solarleistung ans Netz wie Deutschland. Mit
rund 1.100 MW (Megawatt: Leistung bei Standardbedingungen) neu installierter
Photovoltaik-Leistung im Jahr 2007 ist die Bundesrepublik weltweit führend. Zum
Vergleich: Obwohl in den USA dreieinhalb Mal mehr Einwohner leben als in
Deutschland, kommen die USA 2007 lediglich auf ein Viertel (rund 260 MW) der
Neuinstallationen hierzulande5). Gemessen an der gesamten
Stromerzeugung in Deutschland kommt dem Solarstrom gegenwärtig noch ein
geringer Teil zu: Im Jahr 2006 stellte er lediglich rund 0,6 Prozent im
bundesweiten Energiemix. Laut einer Leitstudie des Bundesumweltministeriums
soll dieser Wert bis zum Jahr 2020 auf knapp zwei Prozent ansteigen6).
Schlüsselrolle
Deutschlands am Weltmarkt
Auch am
Weltmarkt sind Solartechnologien „Made in Germany“ sehr gefragt. Die deutschen
Photovoltaikhersteller profitieren zunehmend von ihren getätigten Investitionen
in die Forschung und Entwicklung und nutzen ihre gute Innovations- und
Technologieposition, um sich im internationalen Marktumfeld Vorteile zu
verschaffen. Die Exportquote und der Exportumsatz sind nach Angaben des BSW
zwischen 2002 und 2007 deutlich angestiegen. Die Experten erwarten bis 2010
eine weitere Steigerung von Exportquote und Exporterlösen7).
Besonders die deutschen Solarzellenhersteller profitieren von der zunehmenden
Marktdynamik. Sie sind nach Angaben des Branchenverbandes BSW in den
vergangenen zwei Jahren doppelt so schnell gewachsen wie ihre internationale
Konkurrenz und haben ihren Weltmarktanteil von rund sieben Prozent im Jahr 2000
auf rund 25 Prozent der insgesamt installierten Leistung im Jahr 2005
ausgebaut. Ähnliche Erfolge vermelden hierzulande auch die Maschinen- und
Anlagenbauer bezüglich der Produktion von Fertigungsanlagen für Solarzellen und
Solarmodule. Fast jede zweite Anlage weltweit stammte im Jahr 2007 nach Angaben
des BSW aus deutschen Produktionsstätten8).
Neben
den USA und Japan verfolgen zunehmend auch südeuropäische Nationen wie Spanien,
Italien, Frankreich und Griechenland den Ausbau der Nutzung der Solarenergie
und verzeichnen schon heute überdurchschnittliche Wachstumsraten.
Florierender
Arbeitsmarkt
Die
anhaltende Konjunktur macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: Im
Zeitraum von nur zwei Jahren hat sich die Arbeitnehmerzahl innerhalb der
Solarbranche nach Angaben des BMU verdoppelt9). Der Bundesverband
Solarwirtschaft zählte 2006 bereits rund 50.000 Beschäftigte. Bislang kamen
jährlich etwa 5.000 bis 10.000 Arbeitsplätze hinzu. Bei anhaltend hoher
Nachfrage und den starken Exportquoten könnten nach Informationen des
Umweltministeriums bis 2020 mehr als 200.000 weitere Arbeitsplätze geschaffen
werden. Den Löwenanteil macht auch hier die Photovoltaik aus: Das BMU erwartet,
dass sich bis 2020 die Beschäftigtenzahl von rund 30.000 (2006) auf über
100.000 Arbeitnehmer verdreifachen wird10).
Industrie
und Verbraucher fordern Planungssicherheit
Obwohl
sie bisher auf staatliche Förderungsmaßnahmen angewiesen ist, wird die Solarbranche
nach Expertenmeinung in absehbarer Zeit voraussichtlich auch ohne
Marktunterstützung wachstumsfähig sein. Angesichts steigender Ölpreise und
sinkender Kosten für regenerative Energien soll dies nach Angaben der
Europäischen Solarindustrie Vereinigung (EPIA) und Greenpeace International in
den nächsten 10 bis 15 Jahren möglich sein11). Bis dahin können nur
zuverlässige gesetzliche Rahmenbedingungen wie das EEG die deutsche
Solarindustrie auch im Hinblick auf das verschärfte internationale Wettbewerbsumfeld
weiterhin stärken.
Quellen:
1), 4), 7) BSW, Statistische Zahlen, 01/2008; 2) Allensbach-Studie zu
Energieversorgung und Energie-Politik 11/2003; 3) BSW, Statistische Zahlen,
06/2007; 5) BSW, Markt Potential und Produktion 12/2007; 6) 9) 10) Bundesministerium
für Umwelt und Reaktorsicherheit (BMU), Erfahrungsbericht zum EEG, 07/2007; 8)
BSW, Export, 2007; 11) Greenpeace/EPIA, Solar Generation III, 12/2006.