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Sie sehen den Artikel: Solarenergie – Wachstumsmotor für Deutschland. Veröffentlicht am: 11.06.2008
 
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Solarenergie – Wachstumsmotor für Deutschland

 

Die Solarenergie boomt. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) vom Januar 2008 speisen bereits mehr als 430.000 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 3,8 Gigawatt umweltfreundlichen Strom für etwa eine Million deutsche Haushalte in das öffentliche Netz ein – Tendenz steigend1). Überall in Deutschland entstehen neue Produktions- und Forschungsstandorte für Solartechnologie. Dabei investieren die Unternehmen besonders intensiv in die strukturschwachen Regionen in den neuen Bundesländern.

 

Wie lässt sich der Boom erklären? Prinzipiell zeichnen zwei Wachstumstreiber für die anhaltende Konjunktur verantwortlich. Zunächst haben die Erneuerbaren Energien durch die aktuelle Klimadiskussion einen kräftigen Wachstumsschub erhalten. Der Umwelt- und Klimaschutz ist ein schlagkräftiges Argument der Deutschen für den Umstieg auf Erneuerbare Energien. Innerhalb der breiten Palette dieser Energiequellen ist die Solarenergie nach Angaben der Meinungsforschungsinstitute Emnid und Allensbach bei der Mehrheit der deutschen Bundesbürger sehr beliebt und eine gute Alternative zu den immer teuerer werdenden Rohstoffen wie Öl, Gas oder Kohle. Laut Umfragen von Allensbach befürworten über 90 Prozent ihre intensivere Nutzung2). Als zweiter Treiber hat das so genannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der positiven Entwicklung der regenerativen Energien den Boden geebnet. Es verpflichtet die Betreiber von Stromnetzen, Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien anzuschließen und den umweltfreundlichen Strom für einen bestimmten Zeitraum nach gesetzlich festgelegten Preisen zu vergüten. Für Strom aus Photovoltaikanlagen beträgt dieser Zeitraum 20 Jahre zuzüglich des Jahres der Inbetriebnahme der Anlage. Wer Solarstrom produziert, hat also einen festen Abnehmer und eine entsprechend langfristige Planungssicherheit.

 

Der Solarenergie-Trend lässt sich auch einfach in Zahlen ausdrücken: rund 1,3 Millionen Solaranlagen, die zur Stromerzeugung (Photovoltaik) oder Wärmegewinnung (Solarthermie) genutzt werden, waren nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) bis zum Jahr 2006 in Deutschland installiert: eine Steigerung von rund 220.000 Anlagen im Vergleich zum Vorjahr3). Die Solarwirtschaft zählt bereits jetzt zu den wachstumsstärksten Branchen in Deutschland. Rund 15.000 Solarunternehmen haben im vergangenen Jahr 2007 etwa 6,4 Milliarden Euro umgesetzt4).

 

Solarstrom – Energie nonstop

Die Photovoltaikindustrie spielt dabei eine Schlüsselrolle. Kein anderes Land bringt nach Angaben des BSW so viel Solarleistung ans Netz wie Deutschland. Mit rund 1.100 MW (Megawatt: Leistung bei Standardbedingungen) neu installierter Photovoltaik-Leistung im Jahr 2007 ist die Bundesrepublik weltweit führend. Zum Vergleich: Obwohl in den USA dreieinhalb Mal mehr Einwohner leben als in Deutschland, kommen die USA 2007 lediglich auf ein Viertel (rund 260 MW) der Neuinstallationen hierzulande5). Gemessen an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland kommt dem Solarstrom gegenwärtig noch ein geringer Teil zu: Im Jahr 2006 stellte er lediglich rund 0,6 Prozent im bundesweiten Energiemix. Laut einer Leitstudie des Bundesumweltministeriums soll dieser Wert bis zum Jahr 2020 auf knapp zwei Prozent ansteigen6).

 

Schlüsselrolle Deutschlands am Weltmarkt

Auch am Weltmarkt sind Solartechnologien „Made in Germany“ sehr gefragt. Die deutschen Photovoltaikhersteller profitieren zunehmend von ihren getätigten Investitionen in die Forschung und Entwicklung und nutzen ihre gute Innovations- und Technologieposition, um sich im internationalen Marktumfeld Vorteile zu verschaffen. Die Exportquote und der Exportumsatz sind nach Angaben des BSW zwischen 2002 und 2007 deutlich angestiegen. Die Experten erwarten bis 2010 eine weitere Steigerung von Exportquote und Exporterlösen7). Besonders die deutschen Solarzellenhersteller profitieren von der zunehmenden Marktdynamik. Sie sind nach Angaben des Branchenverbandes BSW in den vergangenen zwei Jahren doppelt so schnell gewachsen wie ihre internationale Konkurrenz und haben ihren Weltmarktanteil von rund sieben Prozent im Jahr 2000 auf rund 25 Prozent der insgesamt installierten Leistung im Jahr 2005 ausgebaut. Ähnliche Erfolge vermelden hierzulande auch die Maschinen- und Anlagenbauer bezüglich der Produktion von Fertigungsanlagen für Solarzellen und Solarmodule. Fast jede zweite Anlage weltweit stammte im Jahr 2007 nach Angaben des BSW aus deutschen Produktionsstätten8).

 

Neben den USA und Japan verfolgen zunehmend auch südeuropäische Nationen wie Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland den Ausbau der Nutzung der Solarenergie und verzeichnen schon heute überdurchschnittliche Wachstumsraten.

 

Florierender Arbeitsmarkt

Die anhaltende Konjunktur macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: Im Zeitraum von nur zwei Jahren hat sich die Arbeitnehmerzahl innerhalb der Solarbranche nach Angaben des BMU verdoppelt9). Der Bundesverband Solarwirtschaft zählte 2006 bereits rund 50.000 Beschäftigte. Bislang kamen jährlich etwa 5.000 bis 10.000 Arbeitsplätze hinzu. Bei anhaltend hoher Nachfrage und den starken Exportquoten könnten nach Informationen des Umweltministeriums bis 2020 mehr als 200.000 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Den Löwenanteil macht auch hier die Photovoltaik aus: Das BMU erwartet, dass sich bis 2020 die Beschäftigtenzahl von rund 30.000 (2006) auf über 100.000 Arbeitnehmer verdreifachen wird10).

 

Industrie und Verbraucher fordern Planungssicherheit

Obwohl sie bisher auf staatliche Förderungsmaßnahmen angewiesen ist, wird die Solarbranche nach Expertenmeinung in absehbarer Zeit voraussichtlich auch ohne Marktunterstützung wachstumsfähig sein. Angesichts steigender Ölpreise und sinkender Kosten für regenerative Energien soll dies nach Angaben der Europäischen Solarindustrie Vereinigung (EPIA) und Greenpeace International in den nächsten 10 bis 15 Jahren möglich sein11). Bis dahin können nur zuverlässige gesetzliche Rahmenbedingungen wie das EEG die deutsche Solarindustrie auch im Hinblick auf das verschärfte internationale Wettbewerbsumfeld weiterhin stärken.

 

Quellen: 1), 4), 7) BSW, Statistische Zahlen, 01/2008; 2) Allensbach-Studie zu Energieversorgung und Energie-Politik 11/2003; 3) BSW, Statistische Zahlen, 06/2007; 5) BSW, Markt Potential und Produktion 12/2007; 6) 9) 10) Bundesministerium für Umwelt und Reaktorsicherheit (BMU), Erfahrungsbericht zum EEG, 07/2007; 8) BSW, Export, 2007; 11) Greenpeace/EPIA, Solar Generation III, 12/2006.

 

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