Anwenderbericht
Gut gefilmt ist schon gewonnen
Sicherheit am Geldautomaten durch Netzwerkvideo
Selbstbedienungsgeräte wie Kontoauszugsdrucker und
Geldautomaten sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Für
Geldinstitute sind sie ein ideales Instrument, um Mitarbeiter von
Routineaufgaben in den Schalterhallen zu entlasten. Für Kunden bieten
Geldautomaten den Vorteil, dass Bargeld rund um die Uhr verfügbar ist. Damit
sichere Transaktionen an die richtige Person gewährleistet sind, müssen sich die
Bankkartenbesitzer per PIN identifizieren. Um Missbrauch vorzubeugen, zeichnet
die Bank die Geld abhebenden Kunden zusätzlich mit einer Kamera auf. Probleme
können bei diesen Aufzeichnungen dann auftreten, wenn die Bilder der
Porträtkamera wegen direkter Sonneneinstrahlung nicht brauchbar sind. Eine
norddeutsche Sparkasse wandte sich mit dieser Thematik an die Firma Conect
Kommunikationssysteme. Diese entwickelte eine Lösung auf Basis der
Netzwerkkameras des Kaiserslauterer Herstellers Mobotix AG.
Den ersten deutschen Geldautomaten installierte im Mai 1968
die Kreissparkasse Tübingen. Um ihn zu bedienen, benötigte der Kunde einen
Doppelbartschlüssel für den Tresor, eine Plastikkarte zur Identifikation sowie
einen Beleg in Form einer Standardlochkarte für jeden angeforderten
100-Mark-Schein. Hatten die Banken anfangs noch die Befürchtung, dass
Selbstbedienungsautomaten sich negativ auf die Kundenbeziehung auswirken
würden, erkannte man schon bald die Vorteile der Automatisierung. Der
eigentliche Durchbruch kam allerdings erst, als die Geldautomaten in den Foyers
und Außenbereichen der Banken installiert wurden und damit für die Kunden
permanent erreichbar waren. Heute sind Geldautomaten in Deutschland
flächendeckend verbreitet: Rund 60.000 Geräte stehen nach Schätzungen des
Internet-Finanzdienstleisters Forium an zirka 40.000 Standorten bereit. Die
Kunden danken es: Bei einer Umfrage kürten im Jahr 2002 die Deutschen den
Geldautomaten mit 72 Prozent der Stimmen zur nützlichsten technischen Neuerung
der letzten Jahrzehnte.
Wenn das Gegenlicht zum
Problem wird
Mit der zunehmenden Nutzung der Geldautomaten gewann auch die
Sicherheit an Bedeutung. Tresordicke und Vandalismus-Schutz sind heute genauso
wichtige Überlegungen wie die sichere Übertragung sensibler Kundendaten oder
biometrische Verfahren zur eindeutigen Identifikation, beispielsweise die
Kamera-Aufzeichnung des Bankkunden bei der Geldentnahme. Unbrauchbar können
solche Videoaufnahmen allerdings werden, wenn der Standort des Geldautomaten an
einer Südwand mit direkter Sonneneinstrahlung liegt: Eine Sparkasse in
Norddeutschland, die einen Automaten südlich von einem Verbrauchermarkt
installiert hatte, stellte fest, dass die Aufzeichnungen der Porträtkamera
nicht zu gebrauchen waren – zuviel Gegenlicht lautete die Diagnose.
Mit diesem Problem wandte sich das Geldinstitut an die Firma
Conect Kommunikationssysteme, die Dienstleistungen in der klassischen
Netzwerktechnik und kreative Konzepte für individuelle Videosysteme anbietet.
"Wir sollten nicht nur das Gegenlicht-Problem lösen“, erklärt
Conect-Geschäftsführer Karl Heinrich Spiering. „Die Sparkasse wollte auch die
Sicherheit erhöhen und künftig das Ereignis 'Hand-zum-Geld', also die direkte
Geldentnahme, dokumentieren. Dabei durften jedoch weder die Konstruktion des
Geldautomaten verändert noch das Eingabefeld der PIN-Nummer gezeigt
werden."
Die bank-internen Anforderungen beziehungsweise die
gesetzlichen Vorgaben waren strikt, die Aufgabe entsprechend alles andere als
einfach. "Uns war klar, dass eine gängige Kamera dieses Problem nicht
lösen kann", erzählt Fernseh- und Nachrichtentechniker Hendrik Braasch,
der bei Conect für das Projektmanagement verantwortlich war. "Allerdings
bin ich vor etwa eineinhalb Jahren durch einen Zeitschriftenartikel auf das
Netzwerk-Kamerasystem der Firma Mobotix aufmerksam geworden." Der
Netzwerk-Spezialist war von den vielfältigen Möglichkeiten der Kameras auf
Anhieb begeistert: "Mit den Geräten können die unterschiedlichsten
Projekte realisiert werden.“ Zudem überzeugte Braasch der Support des
Kaiserslauterer Kameraherstellers. „Wann immer ich eine Frage hatte, wurde mir
sofort geholfen", erinnert er sich.
Der Kunde im Porträt und
mit der Hand am Geld
So fand man auch in diesem Fall gemeinsam eine Lösung. Diese
besteht aus einem sehr flexiblen so genannten Integration Set mit einer
Hauptplatine und abgesetzten Kamera-Objektiven auf separaten Platinen. Aufgrund
der präzisen Gegenlichtkorrektur der Mobotix-Kamera stellt die direkte
Sonneneinstrahlung für das Gerät kein Problem dar: Die Bildzonen, auf die sich
die Belichtungsautomatik einstellen soll, sind frei wählbar. Die beiden
getrennten Objektive können zudem ein Dualbild erzeugen, das sowohl das Porträt
des Bankkunden als auch das vom Kreditinstitut geforderte Ereignis
'Hand-zum-Geld' widergibt.
Damit die Bilder im Fall des Falles gerichtlich verwertbar
sind, war auch die Einblendung der Transaktionsdaten in das Kamerabild eine
Vorgabe der Sparkasse für die neue Lösung. Hierfür entwickelte Conect eine
eigene Hard- und Software. Diese integrierte das Unternehmen dann so in den
Geldautomaten, dass die an der Schnittstelle zur Verfügung gestellten
Bank-Daten ausgelesen und im gewandelten Dateiformat in jede Aufnahme der
Kamera eingeblendet werden können.
Ausgelöst wird die Aufzeichnung der einzelnen
Geldentnahme-Vorgänge über die Ereignissteuerung beziehungsweise die Sensoren
der Mobotix-Kamera. Tritt eine Bewegung in einem vorher definierten
Bildausschnitt des Geräts ein, so wird es aktiv. Die Kamera startet beispielsweise
automatisch eine Aufnahme, wenn eine Kundenkarte eingeschoben wird oder sich
eine Person dem Automaten unmittelbar nähert. Anschließend werden die
Bildsequenzen mittels der Mobotix-Serverfunktion auf dem Laufwerk eines PCs
abgelegt. Über die bestehenden LAN/WAN-Verbindungen kann sie der autorisierte
Administrator dort direkt abrufen.
Mehr als erwartet
Mit der Übertragung der drei Informationen Kunden-Portät,
Bild „Hand-zum-Geld“ und Transaktionsdaten sowie der automatischen
Gegenlichtkorrektur der Kamera wäre die Aufgabenstellung eigentlich schon
gelöst gewesen. Dass die neue Lösung darüber hinaus auch die Betriebskosten
senkt und die Sicherheit erhöht, erfreut den Kunden umso mehr: Die zuständigen
Bankmitarbeiter müssen die Videobänder nicht mehr persönlich an den externen
Geldautomaten abholen, sondern können die Kameradaten direkt von der Zentrale
aus abrufen. Teure Spezialdrucker für Videosysteme sind ebenfalls nicht mehr
erforderlich – die Bilder können auf ganz normalen Arbeitsplatz-Druckern
ausgedruckt werden. Der Datenzugang zur Kamera läuft über die bereits
bestehende IT-Infrastruktur, und durch den ausschließlichen Einsatz von
Standard-Browsern und dem Betriebssystem Linux in der Kamera entfallen jegliche
Lizenzgebühren.
Der Erfolg des Prototyps für das norddeutsche Kreditinstitut
hat Conect dazu motiviert, gemeinsam mit weiteren Partnern von Mobotix
serienfähige Anwendungen für unterschiedliche Geldautomaten-Systeme zu
entwickeln. Und auch in der Praxis hat sich die Lösung bereits bewährt: Eine
nächtliche Vandalismus-Attacke konnte dank der guten Qualität der
aufgezeichneten Kamerabilder und der schnellen Verfügbarkeit der Daten umgehend
aufgeklärt werden.
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<< Infobox:
Verwendete Hardware >>
Kamera:
Mobotix M1D-Secure-Integration-Set
Server:
Standard-PC des Geldinstituts mit 120 Gigabyte
Festplattenkapazität
Switch:
Ethernet-Switch zur Verbindung von Router, Geldautomat,
Kamera und Fileserver
Router:
Cisco 2600er Familie mit Ethernet- und WAN-Interface
Verbindung:
X.25 Standleitung des Geldinstituts
Stromversorgung:
Mobotix Netzteil sowie ein Poweradapter zur Stromversorgung
über das Ethernet-Kabel
<< Infobox: Mobotix
AG >>
Hauptsitz:
MOBOTIX AG
Luxemburger Straße 6
D-67657 Kaiserslautern
Tel.: +49-631-3033-111
Fax: +49-631-3033-190
Internet: www.mobotix.com
Niederlassungen:
Columbia, South Carolina (USA)
Vorstand und Gründer:
Dr. Ralf Hinkel, Diplom-Informatiker
Mitarbeiter:
zirka 60 in Deutschland und 4 in USA
Umsatzentwicklung:
Im Geschäftsjahr 2003/2004 erzielte Mobotix ein Wachstum von
41 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der letzte Quartals-Umsatz (II/2004) betrug
2,75 Millionen Euro. Die Exportquote lag bei rund 40 Prozent. Die Gewinnzone
erreichte Mobotix bereits im letzten Quartal 2002.
Installationen:
Rund 30.000 installierte Netzwerkkamera-Systeme bis Ende 2003
Vertrieb:
Indirekter Vertrieb über zertifizierte Secure-Partner und den
Fachhandel