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Sie sehen den Artikel: SOA als Basis effizienter Bankverfahren. Veröffentlicht am: 25.06.2009
 
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Fachbeitrag „SOA in Banken“

Für: Informationweek (Spezial Banken + Versicherungen, ET: 23.4.)

Redakteur: Dr. Werner Fritsch

Von: GAD eG

 

 

SOA als Basis effizienter Bankverfahren

Mehrmandantenfähigkeit optimiert Prozesse und Kundenservice maßgeblich

 

Maik Bauschulte, Fachspezialist im Bereich IT-Strategie der GAD eG

 

Die Bankenbranche ist zu einem Höchstmaß auf IT-basierte Prozessabwicklungen angewiesen. Alle Produkte, Dienstleistungen und Kundenkontakte basieren auf komplexen Bankverfahren. Der allgemeine Kostendruck hat zudem dazu geführt, dass bestimmte Standard-Prozesse ausgelagert werden müssen. Gerade Banken, die mit einer großen Fertigungstiefe zu kämpfen haben, sehen im Outsourcing hohe Optimierungspotenziale – sowohl auf der Kostenseite als auch bei der Konzentration auf das Beratungsgeschäft und neue Produktangebote. Basis hierfür ist ein mehrmandantenfähiges Kernbankensystem. Es ermöglicht unterschiedlichen Prozessbeteiligten, auf Kundendaten zuzugreifen und diese effizient zu bearbeiten. Nur so kann die Kundenbetreuung – sei es der reguläre Zahlungsverkehr, Darlehensabwicklungen oder Investment-Beratungen – schnell, effektiv und qualitativ hochwertig umgesetzt werden. Diese Verknüpfung der unterschiedlichen Prozessbeteiligten wiederum basiert auf dem Zusammenspiel unterschiedlicher IT-Services, die sowohl auf der Geschäftsprozess- als auch auf der IT-Infrastruktur- bzw. Softwareebene abgebildet werden müssen. Um eine größtmögliche Flexibilität und Effizienz zu erreichen, setzen immer mehr Unternehmen auf Service-orientierte Architekturen (SOA). Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Management und Beratung (WGMB) schätzt für das Jahr 2008 das Marktvolumen von SOA-Beratung in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro. Weil SOA auf offenen Standards basiert, ermöglicht sie eine schnelle und einfache Integration externer Partner. Zudem können IT-Dienste schneller verändert und neuen Bedingungen angepasst werden. Auch dadurch steigt die Flexibilität der Unternehmen. Der IT-Dienstleister für Banken GAD eG realisiert daher die Mehrmandantenfähigkeit für seine Kunden über die Anwendungssoftware „bank21“ auf SOA-Basis.

 

Mehrmandantenfähigkeit als Basis für Outsourcing-Konzepte

 

bank21 lässt sich in mehrere logische Subsysteme unterteilen, was die Basis des Mehrmandanten-Konzepts bildet. Dadurch können Aufgabengebiete, Funktionen, komplexe Wertschöpfungsketten und -prozesse externen Dienstleistern übertragen werden. Die Mitarbeiter des Auftragnehmers werden so zu „virtuellen“ Mitarbeitern der Bank. Grundsätzlich können die Befugnisse von Mandant zu Mandant unterschiedlich sein. Um die vereinbarte Leistung und eine gleich bleibende Qualität zu gewährleisten, vereinbaren Auftragnehmer und Auftraggeber Service-Level-Agreements (SLA). Sowohl die SLA als auch die Vereinbarung der Kompetenzen und Befugnisse sind im „Mandantenvertrag“ festegelegt. Über das Single-Sign-on-Prinzip meldet sich der Auftragnehmer mit User-ID und Passwort in bank21 an und erhält auf einen Blick alle für ihn vergebenen Mandate. Über eine Funktion im bank21-Menü kann der Mitarbeiter je nach Aufgabe zwischen den ihm zugeteilten Mandanten jederzeit wechseln. Eine erneute Anmeldung ist nicht mehr nötig.

 

„VR BankenService“ als Outsourcing-Beispiel

 

Als erfolgreiches Kooperationsprojekt gilt die „VR BankenService“. Das von der GAD eG, WGZ BANK sowie der heutigen Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG gegründete Kompetenzzentrum bündelt unter anderem administrative Aufgaben in den Bereichen Zahlungsverkehr, Marktfolge Passiv, Revision und Recht. Die Übergabe der Prozesse läuft über die elektronische Auftragskurzerfassung – in der Kurzform „Ticket“ genannt. Über das Ticketsystem können die Bearbeitungsaufträge von der Marktfolge entsprechend gesteuert und verwaltet werden. Über 30 Volks- und Raiffeisenbanken lagern bereits mehrheitlich Aufgaben an die VR BankenService aus.

 

SOA als Basis der Mehrmandantenfähigkeit

 

Die Basis der Mehrmandantenfähigkeit ist SOA. Nur so können unterschiedliche Akteure einfach und effizient zusammenarbeiten. Kernmerkmal der Services innerhalb der SOA ist, dass sie auf Standards basieren. Das ermöglicht einen schnellen und einfachen Datenaustausch mit allen Prozessbeteiligten. Über Standards wie XML oder Webservices (WSDL) können unterschiedliche Systeme gekoppelt werden. Beim Outsourcing beispielsweise von Zahlungsverkehr müssen externe Partner auf bestimmte Daten innerhalb der Bank zugreifen können.

 

Für den Nutzer der Software ist der Einsatz einer SOA idealerweise nicht direkt sichtbar. Er arbeitet wie gewohnt über bekannte Benutzerschnittstellen, beispielsweise dem PC, mobilen Endgeräten oder Beratungsterminals. Denn SOA spielt sich in der Software-Architektur ab. Hier werden die Services bereitgestellt. Unter Services versteht man in diesem Zusammenhang einzelne Methoden, bei Bankverfahren sind das z.B. „Prüfe PIN“, „Hole Kundenstammdaten“, „Überweise Betrag X“. Die unterschiedlichen Geschäftsobjekte (Bsp. Kredit, Depot, Stammdaten, Wertpapier) werden über diese Methoden bei der Bearbeitung des Geschäftsprozesses bereitgestellt. Alle Daten liegen in der Service-Schicht der SOA und werden den Methoden entsprechend abgerufen. Für die unterschiedlichen Prozesse können sie beliebig kombiniert und z.B. mit unterschiedlichen Zugriffsparametern (Rollenverteilung der Mandanten) versehen werden. Ein weiterer Vorteil: Einmal entwickelte Service-basierte Anwendungen können ohne komplettes Redesign auch für andere oder neue Prozesse genutzt werden. Dadurch können Banken flexibel auf neue Anforderungen reagieren, der Aufwand sinkt, weil nicht für jeden Prozess komplett neue Services programmiert werden müssen. Das senkt mittelfristig die Kosten.

 

Weitere Voraussetzungen für SOA

 

SOA beginnt auf der Geschäftsprozessebene. Alle Anwendungen und die darunter liegenden Software-Lösungen und damit auch die Services der SOA müssen sich daran orientieren, was die einzelnen Bankverfahren leisten sollen. Daher müssen immer zunächst klare Prozesse auf der Geschäftsebene definiert werden. Dabei ist eine Voraussetzung, dass Banken sich vom „Silo-Denken“ lösen müssen – also dem Blick auf einzelne Verfahren –, weil etwa Outsourcing oder Multi-Channel-Strategien die Integration unterschiedlicher Partner bedingen. Nur dann können effiziente und produktive Prozesse etabliert werden.

 

Kernherausforderungen bei der Umsetzung von SOA

 

Die Komplexität von Bankverfahren spiegelt sich in der SOA. So ist es nicht überraschend, dass sich bei der Umsetzung zahlreiche Herausforderungen ergeben. Datensicherheit ist eine der maßgeblichen. Denn: Im Bankenumfeld geht es per se um extrem sensible Daten. Durch das Einbinden von externen Partnern muss Datensicherheit eine hohe Relevanz erhalten. Je mehr Mandanten auf die Datenbasis zugreifen können, desto stärker ist der Bedarf der Absicherung. Hier spielt auch die Qualität der Services im Rahmen der SOA eine wesentliche Rolle. Der Datenzugriff wird über die Zugriffsparameter für die einzelnen Mandanten geregelt, daher müssen die Services (Methoden) zuverlässig programmiert und bereitgestellt sein.

 

Darüber hinaus zieht SOA zunächst Investitionen in die bestehende und neue Infrastruktur mit sich. Weil sich aber Effizienz, Flexibilität und Produktivität durch SOA erhöhen, kann von einem schnellen Return on Investment ausgegangen werden. Laut des IT-Branchenverbandes BITKOM kann die Zeit von der Anpassung des Geschäftsprozesses bis zur Umstellung der IT-Anwendung auf die neuen Vorgaben deutlich verkürzt werden.

 

Last but not least spielt die Governance – sowohl auf der Geschäfts- als auch auf der IT-Ebene – eine maßgebliche Rolle. Ohne sie ist eine nachhaltige Umsetzung von SOA nicht möglich. Denn nur durch klare Richtlinien, die auch eingehalten werden, können Prozesse klar definiert und umgesetzt werden.

 

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