Fachbeitrag SOA in Banken
Für: Informationweek (Spezial Banken + Versicherungen, ET:
23.4.)
Redakteur: Dr. Werner Fritsch
Von: GAD eG
SOA als Basis effizienter Bankverfahren
Mehrmandantenfähigkeit optimiert Prozesse und
Kundenservice maßgeblich
Maik Bauschulte, Fachspezialist im Bereich IT-Strategie der
GAD eG
Die Bankenbranche ist zu einem Höchstmaß auf IT-basierte
Prozessabwicklungen angewiesen. Alle Produkte, Dienstleistungen und
Kundenkontakte basieren auf komplexen Bankverfahren. Der allgemeine Kostendruck
hat zudem dazu geführt, dass bestimmte Standard-Prozesse ausgelagert werden
müssen. Gerade Banken, die mit einer großen Fertigungstiefe zu kämpfen haben,
sehen im Outsourcing hohe Optimierungspotenziale – sowohl auf der
Kostenseite als auch bei der Konzentration auf das Beratungsgeschäft und neue
Produktangebote. Basis hierfür ist ein mehrmandantenfähiges Kernbankensystem. Es
ermöglicht unterschiedlichen Prozessbeteiligten, auf Kundendaten zuzugreifen
und diese effizient zu bearbeiten. Nur so kann die Kundenbetreuung – sei
es der reguläre Zahlungsverkehr, Darlehensabwicklungen oder
Investment-Beratungen – schnell, effektiv und qualitativ hochwertig
umgesetzt werden. Diese Verknüpfung der unterschiedlichen Prozessbeteiligten
wiederum basiert auf dem Zusammenspiel unterschiedlicher IT-Services, die
sowohl auf der Geschäftsprozess- als auch auf der IT-Infrastruktur- bzw.
Softwareebene abgebildet werden müssen. Um eine größtmögliche Flexibilität und
Effizienz zu erreichen, setzen immer mehr Unternehmen auf Service-orientierte
Architekturen (SOA). Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Management und
Beratung (WGMB) schätzt für das Jahr 2008 das Marktvolumen von SOA-Beratung in
Deutschland auf rund eine Milliarde Euro. Weil SOA auf offenen Standards basiert,
ermöglicht sie eine schnelle und einfache Integration externer Partner. Zudem
können IT-Dienste schneller verändert und neuen Bedingungen angepasst werden.
Auch dadurch steigt die Flexibilität der Unternehmen. Der IT-Dienstleister für
Banken GAD eG realisiert daher die Mehrmandantenfähigkeit für seine Kunden über
die Anwendungssoftware bank21 auf SOA-Basis.
Mehrmandantenfähigkeit als Basis für Outsourcing-Konzepte
bank21 lässt sich in mehrere logische Subsysteme unterteilen,
was die Basis des Mehrmandanten-Konzepts bildet. Dadurch können
Aufgabengebiete, Funktionen, komplexe Wertschöpfungsketten und -prozesse
externen Dienstleistern übertragen werden. Die Mitarbeiter des Auftragnehmers
werden so zu virtuellen Mitarbeitern der Bank. Grundsätzlich können die
Befugnisse von Mandant zu Mandant unterschiedlich sein. Um die vereinbarte
Leistung und eine gleich bleibende Qualität zu gewährleisten, vereinbaren
Auftragnehmer und Auftraggeber Service-Level-Agreements (SLA). Sowohl die SLA
als auch die Vereinbarung der Kompetenzen und Befugnisse sind im
Mandantenvertrag festegelegt. Über das Single-Sign-on-Prinzip meldet sich der
Auftragnehmer mit User-ID und Passwort in bank21 an und erhält auf einen Blick
alle für ihn vergebenen Mandate. Über eine Funktion im bank21-Menü kann der
Mitarbeiter je nach Aufgabe zwischen den ihm zugeteilten Mandanten jederzeit
wechseln. Eine erneute Anmeldung ist nicht mehr nötig.
VR BankenService als Outsourcing-Beispiel
Als erfolgreiches Kooperationsprojekt gilt die VR BankenService.
Das von der GAD eG, WGZ BANK sowie der heutigen Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold
eG gegründete Kompetenzzentrum bündelt unter anderem administrative Aufgaben in
den Bereichen Zahlungsverkehr, Marktfolge Passiv, Revision und Recht. Die Übergabe
der Prozesse läuft über die elektronische Auftragskurzerfassung – in der
Kurzform Ticket genannt. Über das Ticketsystem können die
Bearbeitungsaufträge von der Marktfolge entsprechend gesteuert und verwaltet
werden. Über 30 Volks- und Raiffeisenbanken lagern bereits mehrheitlich
Aufgaben an die VR BankenService aus.
SOA als Basis der Mehrmandantenfähigkeit
Die Basis der Mehrmandantenfähigkeit ist SOA. Nur so können
unterschiedliche Akteure einfach und effizient zusammenarbeiten. Kernmerkmal
der Services innerhalb der SOA ist, dass sie auf Standards basieren. Das
ermöglicht einen schnellen und einfachen Datenaustausch mit allen
Prozessbeteiligten. Über Standards wie XML oder Webservices (WSDL) können
unterschiedliche Systeme gekoppelt werden. Beim Outsourcing beispielsweise von
Zahlungsverkehr müssen externe Partner auf bestimmte Daten innerhalb der Bank
zugreifen können.
Für den Nutzer der Software ist der Einsatz einer SOA
idealerweise nicht direkt sichtbar. Er arbeitet wie gewohnt über bekannte Benutzerschnittstellen,
beispielsweise dem PC, mobilen Endgeräten oder Beratungsterminals. Denn SOA
spielt sich in der Software-Architektur ab. Hier werden die Services
bereitgestellt. Unter Services versteht man in diesem Zusammenhang einzelne Methoden,
bei Bankverfahren sind das z.B. Prüfe PIN, Hole Kundenstammdaten,
Überweise Betrag X. Die unterschiedlichen Geschäftsobjekte (Bsp. Kredit,
Depot, Stammdaten, Wertpapier) werden über diese Methoden bei der Bearbeitung
des Geschäftsprozesses bereitgestellt. Alle Daten liegen in der Service-Schicht
der SOA und werden den Methoden entsprechend abgerufen. Für die
unterschiedlichen Prozesse können sie beliebig kombiniert und z.B. mit
unterschiedlichen Zugriffsparametern (Rollenverteilung der Mandanten) versehen
werden. Ein weiterer Vorteil: Einmal entwickelte Service-basierte Anwendungen
können ohne komplettes Redesign auch für andere oder neue Prozesse genutzt
werden. Dadurch können Banken flexibel auf neue Anforderungen reagieren, der
Aufwand sinkt, weil nicht für jeden Prozess komplett neue Services programmiert
werden müssen. Das senkt mittelfristig die Kosten.
Weitere Voraussetzungen für SOA
SOA beginnt auf der Geschäftsprozessebene. Alle Anwendungen
und die darunter liegenden Software-Lösungen und damit auch die Services der
SOA müssen sich daran orientieren, was die einzelnen Bankverfahren leisten
sollen. Daher müssen immer zunächst klare Prozesse auf der Geschäftsebene
definiert werden. Dabei ist eine Voraussetzung, dass Banken sich vom
Silo-Denken lösen müssen – also dem Blick auf einzelne Verfahren
–, weil etwa Outsourcing oder Multi-Channel-Strategien die Integration
unterschiedlicher Partner bedingen. Nur dann können effiziente und produktive
Prozesse etabliert werden.
Kernherausforderungen bei der Umsetzung von SOA
Die Komplexität von Bankverfahren spiegelt sich in der SOA.
So ist es nicht überraschend, dass sich bei der Umsetzung zahlreiche
Herausforderungen ergeben. Datensicherheit ist eine der maßgeblichen. Denn: Im
Bankenumfeld geht es per se um extrem sensible Daten. Durch das Einbinden von
externen Partnern muss Datensicherheit eine hohe Relevanz erhalten. Je mehr
Mandanten auf die Datenbasis zugreifen können, desto stärker ist der Bedarf der
Absicherung. Hier spielt auch die Qualität der Services im Rahmen der SOA eine
wesentliche Rolle. Der Datenzugriff wird über die Zugriffsparameter für die
einzelnen Mandanten geregelt, daher müssen die Services (Methoden) zuverlässig
programmiert und bereitgestellt sein.
Darüber hinaus zieht SOA zunächst Investitionen in die
bestehende und neue Infrastruktur mit sich. Weil sich aber Effizienz,
Flexibilität und Produktivität durch SOA erhöhen, kann von einem schnellen
Return on Investment ausgegangen werden. Laut des IT-Branchenverbandes BITKOM
kann die Zeit von der Anpassung des Geschäftsprozesses bis zur Umstellung der
IT-Anwendung auf die neuen Vorgaben deutlich verkürzt werden.
Last but not least spielt die Governance – sowohl auf
der Geschäfts- als auch auf der IT-Ebene – eine maßgebliche Rolle. Ohne
sie ist eine nachhaltige Umsetzung von SOA nicht möglich. Denn nur durch klare
Richtlinien, die auch eingehalten werden, können Prozesse klar definiert und
umgesetzt werden.
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