Fachbeitrag Zwei Schritt TAN-Verfahren
Online-Banking wird noch sicherer
IT-Dienstleister der Banken arbeiten kontinuierlich an
innovativen Verfahren – GAD eG entwickelt Sm@rtTAN plus und mobileTAN
Der Trend zum Online-Banking hält unvermindert an. Bereits
2004 ermittelte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) 30 Millionen Online-Konten.
2015 wird über die Hälfte der Bundesbürger regelmäßig Online-Banking nutzen,
denn es liegt weit vorne auf der Hitliste der populärsten Internet-Anwendungen.
(„Internet-Agenda 2015“, eco Verband der deutschen Internetwirtschaft). Als
Autorisierungsverfahren sind PIN und TAN am weitesten verbreitet. Laut einer
Untersuchung der PASS Consulting Group (Online-Banking 2006 vom Mai 2006)
fühlen sich die Online-Banker zwar damit sicher, das Interesse an neuen
Sicherheits- bzw. Autorisierungsverfahren nimmt aber stark zu. Im
Verantwortungsgefüge Kunde – Bank – Rechenzentrum sind alle
Beteiligten gefordert. Die neuste Entwicklung, um das Online-Banking sicherer
zu machen, sind zwei so genannte Zwei-Schritt-TAN-Verfahren: SmartTAN plus und
mobileTAN. Sie wurden von dem IT-Kompetenzcenter GAD eG in Zusammenarbeit mit
dem Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) entwickelt
und können seit November 2006 erstmals von Kunden der Volksbanken und
Raiffeisenbanken im Norden und Westen Deutschlands genutzt werden.
Kunstwörter wie Phishing und Pharming gehören mittlerweile
zum festen Sicherheits-Vokabular von Medien und Verbrauchern. Mit so genannten
Phishing-Mails versuchen die Täter, Kunden auf gefälschte Webseiten zu locken
und sie dazu zu verleiten, ihre PIN und TAN preiszugeben. Zwar geht die Anzahl
der Phishing-Mails langsam zurück – von 7,9 auf 7,1 Millionen pro Tag
– die Varianz steigt aber signifikant. Im ersten Halbjahr 2006
existierten 157.000 Varianten von Phishing-Mails (Symantec
Internetsicherheitsbericht September 2006). Pharming ist eine Fortentwicklung
des klassischen Phishings.
Beim Pharming installiert sich ein schädliches Programm unbemerkt auf einem
ungeschützten Rechner und manipuliert die Internet-Adresse im Browser. Der
Kunde gibt zwar die richtige Webadresse im Browser ein, wird aber auf eine
falsche Webseite geleitet. Wer sich nun auf der Seite mit seinen Zugangsdaten
anmeldet, spielt den Betrügern direkt in die Hände.
In zwei Schritten zum sicheren Online-Banking
Mit Hochdruck arbeitet der IT-Dienstleister der Banken an der
Entwicklung innovativer Sicherheitsverfahren. Grundsätzlich unterscheidet man
heute zwischen Ein-Schritt-Verfahren und Zwei-Schritt-Verfahren. (Grafik 1). Zu
den Ein-Schritt-Verfahren zählt der TAN-Bogen, aber auch die Gewinnung der TAN
mit dem TAN-Generator in Kombination mit der VR-Bankcard.
Beim Zwei-Schritt-TAN-Verfahren werden die Transaktion (z.B.
die Überweisung) und die TAN-Übermittlung in zwei Schritte zerlegt und
voneinander getrennt durchgeführt. Gleichzeitig wird jedoch eine logische
Verbindung zwischen dem im Online-Banking eingegebenen Auftrag und der erzeugten
TAN hergestellt. Dadurch kann die erzeugte TAN nur für den entsprechenden
Überweisungsauftrag genutzt werden. Ein Betrüger kann etwaige via Phishing
„abgefangene“ TANs nicht missbräuchlich für einen willkürlich geänderten oder
anderweitigen Überweisungsauftrag verwenden.
Sm@rtTAN plus als nächste Entwicklungsstufe
Die Volksbanken und Raiffeisenbanken können ihren Kunden
jetzt die Zwei-Schritt-Verfahren SmartTAN plus und mobileTAN anbieten. Zu den
Sicherheitsfaktoren zählen hier zum einen der Verfahrensablauf – Auftrag
und TAN-Ermittlung laufen getrennt voneinander – und die Möglichkeit der
Datenkontrolle durch den Nutzer. Für SmartTAN plus ist ein spezieller
Kartenleser (Foto) mit Tastatur notwendig. Nachdem der Anwender z.B. seine
Überweisung an das Banksystem übertragen hat, erhält er im Internet-Banking
einen Bankcode und die Transaktionsdaten angezeigt. Bankcode und
Transaktionsdaten beinhalten auftragsbezogene Informationen und dienen
zusätzlich der Kontrolle durch den Anwender. Der Bank- und Transaktionscode werden
in den Kartenleser eingegeben. In die Errechnung der TAN fließen Informationen
ein, die der Anwender zuvor in den Leser eingegeben hat und die er alleine auf
Richtigkeit überprüfen kann. Im Anschluss gibt der Kartenleser die an diese
Transaktion geknüpfte TAN aus, mit der im Online-Banking die Überweisung
abgeschlossen wird.
Ebenfalls zu den sicheren Zwei-Schritt-Verfahren zählt die mobileTAN.
Handy-Besitzer ermitteln ihre TAN per PC und Handy. Hierfür hinterlegt der
Online-Banker seine Handy-Nummer bei der Bank. Vor Abschluss der
Online-Banking-Transaktion erhält der Anwender seine TAN per SMS über sein
Handy. Die Tranksaktionsdaten wurden vor Eingabe der TAN durch den Kunden
bereits an das Bankensystem übermittelt.
Aufgrund der neuen Zwei-Schritt-Verfahren sind
Man-in-the-middle-Attacken – das sind solche Betrugsverfahren, bei denen sich
der Angreifer zwischen den Anwender und das Rechenzentrum hängt – praktisch
nicht mehr möglich.
Aufklärungsarbeit der Banken bleibt wichtig
Mit den sich stets verbessernden Sicherheitsverfahren im
Online-Banking greifen auch die Betrüger zu neuen Methoden, die nicht die
Systeme, sondern verstärkt den Menschen überlisten. Neue Formen des Phishing
und auch das Pharming setzen daher weiter an der Gutgläubigkeit der Verbraucher
an. Banken und auch ihre Webseiten besitzen seit jeher ein hohes
Vertrauenspotenzial. Einer der wichtigsten Ansatzpunkte ist daher die
kontinuierliche Aufklärung der Kunden über die sich schnell ändernden
Betrugsverfahren und die möglichen Sicherheitsverfahren.–
Fazit
Die IT-Dienstleister der Banken arbeiten mit Hochdruck an
neuen Sicherheitsverfahren. Die neuen Zwei-Schritt-Verfahren machen es
Betrügern noch schwerer, das System zu knacken und den Anwender mit E-Mails zu
überlisten. Denn die erzeugte TAN ist ausschließlich für einen speziellen
Überweisungsauftrag und keinen anderen gültig. Ein Krimineller könnte somit
eine abgefangene TAN nicht für einen anderen Auftrag verwenden.
Den Banken kommt weiterhin die umfassende Aufklärung über
generelle und neue Sicherheitsverfahren zu. Der Anwender selbst muss aber auch
in Zukunft sorgfältig darauf achten, nicht auf kritische E-Mails zu reagieren
und seinen PC vor fremden Zugriffen zu schützen.
Ausblick: Elektronische Signatur
Die Einführung eines weiteren innovativen
Sicherheitsverfahren beim Online-Banking steht für die Kunden der Volksbanken
und Raiffeisenbanken kurz bevor: voraussichtlich im Oktober 2007 wird die so
genannte elektronische Signatur auf der VR-BankCard im Geschäftgebiet der GAD
eingeführt. Diese können heute bereits mit PC-Programme wie VR-NetWorld
Software (Privatkunden) und Profi cash (Firmenkunden) eingesetzt werden. Diese
Zahlungsverkehrsprogramme unterstützen den neuen Sicherheitsstandard HBCI/FinTS
Version 3.0 und sind bei allen Volksbanken und Raiffeisenbanken erhältlich. Der
Kunde benötigt zusätzlich zu seiner ec-Karte und seinem
Zahlungsverkehrsprogramm lediglich einen Chipkartenleser.
Langfristiges Ziel der Entwicklungen ist es, dass mit der
elektronischen Signatur Geschäfte genauso rechtsverbindlich wie heute mit der
handschriftlichen Unterschrift abgeschlossen werden können. Im Internet könnten
zukünftig beispielsweise Verträge oder Anträge bei Banken, Behörden und
Kommunen digital und rechtsverbindlich signiert werden.
So funktioniert SmartTAN plus
Der Kunde erfasst im Online-Banking z.B. eine Überweisung und
führt diese aus.
Die Überweisung wird an das System im Rechenzentrum der Bank
übertragen.
Dem Kunden werden der Bankcode (technischer Code für den
Geschäftsvorfall) und die Transaktionsdaten (Teile der im Auftrag erfassten
Daten) im Online-Banking angezeigt.
Der Kunde gibt den Bankcode in den Leser ein.
Nachdem der Kunde den Transaktionscode mit den ersten sechs
Stellen der Empfängerkontonummer verglichen und keine Abweichungen festgestellt
hat, gibt er diesen in den Leser ein.
Die TAN wird auf dem Display des Kartenlesers ausgegeben und
der Kunde gibt wie gewohnt die angezeigte TAN in die Anwendung ein.
Selbstschutz vor Betrug
Gegen Phishing und Pharming kann sich jeder Online-Banker
schützen. Wer nicht auf betrügerische E-Mails reagiert und die
Echtheitsmerkmale der Bankseiten kontrolliert, kann sicher sein, dass er seine
Daten nicht in fremde Hände gibt. Ein Virenscanner, eine Firewall sowie eine
kontinuierliche Aktualisierung des Betriebssystems sorgen dafür, dass sich
keine Schadprogramme unbemerkt auf dem Kundenrechner installieren können.
Lieferbares Fotomaterial:
Ein-Schritt-/Zwei-Schritt-Verfahren
Kartenleser mit Tastatur