Neues Konzept für das Kreditkartengeschäft
Die Finanzinstitute erwarten für die nächsten Jahre ein
dynamisches Wachstum bei der Anzahl der Non-cash-Transaktionen. Der Markt für
das Kreditkartengeschäft ist also noch lange nicht gesättigt. Die Wettbewerbssituation
ist angespannt, zunehmend drängen andere Unternehmen beispielsweise über
Kreditkartenfunktionen für Kundenkarten in den Finanzmarkt. Darüber hinaus
schreitet die Internationalisierung voran und der Spielraum für nationale
Eigenlösungen wird stetig kleiner. Aus diesen Gründen hat der
genossenschaftliche Finanzverbund ein neues Unternehmen gegründet, in dem er
seine Kartendienstleistungen zusammenfasst und das mit einem neuen Konzept an
den Markt geht.
In der CardProcess GmbH ist das Karten-Know-how der GAD, des
ehemaligen Betriebswirtschaftlichen Instituts der Deutschen
Kreditgenossenschaften (BIK), der Fiducia Cash sowie der Fachabteilungen der
Fiducia vereinigt. Darüber hinaus sind DZ BANK, WGZ-Bank und DG-Verlag an dem
neuen Unternehmen beteiligt, dessen Gründung Teil der Strategie „Bündelung der
Kräfte“ ist, die der genossenschaftliche Finanzverbund seit einiger Zeit
verfolgt. In diesem Zusammenhang hat auch die GAD Rechenzentrumsaufgaben übernommen,
die bislang beim Betriebswirtschaftlichen Institut der Deutschen
Kreditgenossenschaften (BIK) lagen, das in der neu gegründeten CardProcess GmbH
aufgegangen ist. Der
IT-Dienstleister übernimmt den verbundübergreifenden POS-Netzbetrieb (Point of
Sale) von rund 100.000 Kartenterminals im Handel und 17.000
Geldausgabeautomaten bei Volks- und Raiffeisenbanken im gesamten Bundesgebiet
sowie die Autorisierungs- und Sperrenverarbeitung im Kredit- und
Debitkartengeschäft. Damit liegen die zentralen IT-Aufgaben im
genossenschaftlichen Kredit- und Debitkartengeschäft bei der GAD.
Die Rechenzentralen kooperierten bereits im Kartengeschäft,
durch die Gründung der CardProcess GmbH werden nun doppelte Entwicklungen und
das Vorhalten paralleler Infrastrukturen vermieden. Darüber hinaus werden
Einkaufsvorteile im Terminalgeschäft gebündelt. Die einheitliche Entwicklung
sorgt dafür, dass die technische Umsetzung neuer Leistungen zeitgleich für alle
Genossenschaftsbanken zur Verfügung gestellt wird. Die CardProcess GmbH stellt
rund um das Bezahlen am realen und virtuellen Point of Sale Dienstleistungen
und Technologien zur Verfügung. Sie nutzt dafür sowohl die E-Business-Lösungen
der genossenschaftlichen Rechenzentralen als auch die Logistik des DG-Verlages.
Die CardProcess GmbH ist in vier Geschäftsfelder aufgeteilt: Das
Kreditkartenprocessing ist für den Ausgabe- und Empfangsprozess, den
Karteninhaberservice und die Reklamationsbearbeitung zuständig. POS-Acquiring
gewinnt über gemeinsam mit den Zentral- und Ortsbanken entwickelte
Vertriebsmodelle neue Akzeptanzstellen für das Kreditkartengeschäft,
POS-Netzbetrieb stellt den technischen und kaufmännischen Betrieb der
Kreditkartenakzeptanzsysteme im Handel sicher und das Debitkartenprocessing ist
die Kopfstelle für das Routing von nationalen und internationalen Debit-Transaktionen,
fungiert als GeldKarte-Evidenzzentrale, nimmt Kartensperren an und bearbeitet
sie.
Zwei Systeme wachsen zusammen
Der genossenschaftliche Finanzverbund sieht im Kartengeschäft
einen Trend der zunehmenden Konvergenz von Debit- und Kreditkartensystemen. Mit
dem Konzept „Karte am Konto“ führen die genossenschaftlichen Rechenzentralen im
Auftrag der CardProcess GmbH eine flächendeckende Systeminfrastruktur ein, die
die Vorteile der Massenverarbeitung bei Debitkarten mit den besonderen
Anforderungen des Kreditkartenprocessings verknüpft. Das bedeutet, das
Kreditkarten-Konto wird nicht bei einem Prozessor geführt, sondern im
Banksystem der Primärbank. Sowohl die Primärbank als auch der Prozessor können
für die Kreditkartenverwaltung auf das Kartenverwaltungssystem zugreifen und
teilen sich die anfallenden Aufgaben. In diesem so genannten Teilprocessing ist
die Primärbank der Hauptansprechpartner des Kunden. Sie bearbeitet
beispielsweise die Kartenanträge. Der Prozessor übernimmt die Back-Office-Tätigkeiten:
Er verarbeitet die Umsätze, sperrt Karten und erfüllt administrative Aufgaben.
Es ist aber auch ein Vollprocessing möglich, wie es derzeit von Prozessoren wie
GZS oder ATOS angeboten wird.
Vorteile für alle Beteiligten
Von dem Konzept „Karte am Konto“ profitieren alle
Beteiligten. Die Kunden haben nur noch einen Ansprechpartner für Fragen und
Beratungen in Bezug auf den Debit- und den Kreditkartenbereich – ihre
Bank. Daraus entstehen eine Reihe von Service-Vorteilen: Die VR-Kreditkarte ist
innerhalb von wenigen Tagen nach der Bestellung verfügbar. Der Kunde kann
gemeinsam mit seiner Bank festlegen, ob die Kreditkartenabrechnung seinem
Girokonto tagesaktuell oder nach Ablauf von einigen Tagen oder Wochen belastet
wird. Kurfristig soll darüber hinaus „Karte am Konto“ auch für das
Online-Banking angeboten werden. Dann kann der Kunde seine
Kreditkartentransaktionen über das Internet, PC-Progamme, das Handy oder den
Palm abrufen.
Die Volks- und Raiffeisenbanken vor Ort sparen Kosten und
erhöhen ihre Effizienz, da das Kreditkarten-Konto in das bestehende Banksystem
und vorhandene Bankprozesse einbezogen wird. So steht künftig das Gesamtobligo
eines Kunden jederzeit auf einen Blick zur Verfügung. Die Bank verringert
dadurch ihr Risiko, weil sie die aus dem Kontokorrent-Bereich bekannten
Funktionalitäten wie Dispoliste und Überziehungsliste auf das Kreditkartenkonto
überträgt. Darüber hinaus kann die Karte mit Zusatzfunktionen ausgestattet
werden, sodass neue Möglichkeiten bei der Gestaltung innovativer Produkte und
Produktkombinationen für die Kunden entstehen. Höhere Transparenz, kürzere
Prozesse und neue Angebote sind ein wichtiges Mittel für die Kundenbindung aber
auch gute Argumente für die Neukundenakquise.
Fazit
Mit der CardProcess GmbH überträgt der Finanzverbund seine
technologische und inhaltliche Kompetenz aus dem Debitkarten-Bereich auch auf
das Kreditkartengeschäft und nutzt die zunehmende Konvergenz beider Systeme.
Mit „Karte am Konto“ verfügt das neue Unternehmen über ein in der Finanzwelt
bislang einmaliges Konzept, dass wichtige Wettbewerbsvorteile im umkämpften
Markt für Non-cash-Transaktionen bietet. Der genossenschaftliche Finanzverbund
ist damit national und international ausgezeichnet positioniert.
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Autor: Andreas Hünnebeck, Projektleiter bei der GAD eG,
Münster
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