Duales System für das Bankwesen
Die Informationstechnologie bringt für den
Selbstbedienungsbereich (SB) der Banken viele Veränderungen. Eines der Themen,
mit denen sich jede Bank in diesem Zusammenhang beschäftigen muss ist die
SB-Einzahlung. Eine Sonderform der SB-Einzahlung wiederum, die in letzter Zeit
viel Aufmerksamkeit erhalten hat, ist das so genannte Cash-Recycling. Der
Einsatz dieser Technologie bedeutet mehr, als ein entsprechendes Gerät
aufzustellen. Viele Faktoren müssen beachtet werden, damit Kosten bei der
Geldein- und Auszahlung gespart werden können und sich Cash-Recycling rechnet.
Der Hauptvorteil des Cash-Recycling für die Banken liegt in
den damit verbundenen Kosteneinsparungen. Die Kosten sinken, da weniger Zeit
für die Bearbeitung von Ein- und Auszahlungen an Kasse und Nachttresor
aufgewendet werden muss. Außerdem verlängert sich bei den
Cash-Recycling-Maschinen im Vergleich zu Geldautomaten bei passenden
Rahmenbedingungen in der Regel der Befüllungszyklus. Wenn die Geräte gut
austariert sind, müssen sie nur noch alle zwei bis drei Wochen angefasst
werden. Zu beachten ist allerdings, dass die Arbeit an der Maschine flexibler
gestaltet werden muss.
Die Volksbank Wolfsburg, Mitgliedsbank der GAD,
beispielsweise, fasst ihre Recycler (ein gemeinsamer Geldkreislauf) nur einmal
in zwei Wochen an. Im Gegensatz dazu müssen kombinierte Ein- und
Ausgabeautomaten (zwei getrennte Kreisläufe für Ein- und Auszahlungen) zwei bis
drei Mal pro Woche angefasst werden. Die Volksbank Wolfsburg spart durch den
Einsatz von Cash-Recycling rund 600 Euro im Monat pro Maschine. Weitere
Einsparungen bringen der geringere Bedarf an Geld von den Landeszentralbanken
und den damit verbundenen Geldtransporten. Außerdem sinken aufgrund geringerer
Bargeldbestände und dem Wegfall von Transportzeiten die Zinsaufwendungen.
Kunden schätzen den Recycling-Service
Ein weiterer Vorteil ist das Mehr an Service, den die Banken
ihren Kunden bieten können. Diese sind bei der Einzahlung nicht mehr von
Öffnungszeiten abhängig. Sie bekommen die Beträge direkt gut geschrieben und
nicht erst am nächsten Tag wie beim Nachttresor. Da die Recycler weniger oft
entleert oder befüllt werden müssen, stehen sie darüber hinaus länger zur
Verfügung. Einige Volksbanken haben durch das Angebot dieses Services auch
schon neue Kunden gewonnen. Was die Anschaffungskosten angeht, so ist ein
kombiniertes Gerät nicht teurer als ein reiner Einzahler und ein reiner
Geldautomat, die Folgekosten sind aber bei einer Maschine geringer.
Die Vorteile des Cash-Recycling können nur dann zum Tragen
kommen, wenn die Verteilung der Summen von Ein- und Auszahlungen an einem
Automaten in etwa gleich ist. Darüber hinaus muss die Stückelung der Ein- und
Auszahlungen zum größten Teil überlappend sein. Eine genaue Analyse der
Standorte ist deshalb vor der Aufstellung eines Cash-Recycling-Automaten
unbedingt notwendig, um die Verteilung der Ein- und Auszahlungen zu bewerten
und die Konfiguration der einzusetzen Maschine passend vorzunehmen. Außerdem muss eine Bank, die ihre Organisation
auf SB-Einzahlung einstellt, über ein Konzept für Ausfälle der Maschinen
verfügen, die zum Beispiel auftreten können, wenn Fremdkörper wie Büroklammern
in das Gerät gelangen. Die Volksbank Wolfsburg hat mit einer intensiven
Heranführung der Kunden an die Maschinen durch speziell dafür abgestellte
Mitarbeiter positive Erfahrungen gemacht.
Analyse in vier Schritten
Die GAD, spezialisierter Full-Service-IT-Dienstleister für
rund 500 Volks- und Raiffeisenbanken in Nord- und Westdeutschland, bietet ihren Kunden ein
Analysewerkzeug, mit dem eine erste grobe Bewertung des SB-Einsatzes von
Filialen erstellt werden kann.
Im ersten Schritt werden fachliche Daten auf Monatsbasis
aufgenommen. Dazu gehören die Transaktionsdaten sowie die Wertvolumen von Ein-
und Auszahlungen. Um das Gesamtvolumen am Standort berücksichtigen zu können,
werden auch die Ein- und Auszahlungen in die Betrachtung einbezogen, die
bereits über SB-Komponenten abgewickelt werden.
Im zweiten Schritt werden die grundsätzlichen Berechnungsparameter
eingestellt. Das sind:
·
Einsparpotenziale
Die Einsparpotenziale ergeben sich
durch die Verlagerung von mitarbeiterbedienten Transaktionen auf kundenbediente
SB-Transaktionen. Auf Basis dieser Werte wird eine rein betriebswirtschaftliche
Betrachtung vollzogen. Organisatorische Maßnahmen im Rahmen der Umstellung
werden nicht berücksichtigt.
·
Maximale Transaktionen
Die genannten Transaktionszahlen
geben die technischen Obergrenzen der jeweils genannten Maschinen wieder
(Geldautomat, reiner Geldeinzahlautomat, kombinierte Ein- und
Auszahlungsmaschine mit getrennten Geldkreisläufen, SB-Recycler).
·
Einmalige Investitionen
Dies sind die einmaligen
Investitionskosten für die SB-Komponenten. Unter Betriebskosten werden die
jährlichen Hard- und Softwarekosten für den Betrieb einer SB-Komponente mit
Einzahlfunktion aufgeführt. Weitere Kosten wie für die Befüllung und Entsorgung
der Maschinen werden nicht berücksichtigt.
·
Recycling Parameter
Recycling ist nur dann sinnvoll
darstellbar, wenn die Summe der Ein- und Auszahlungen in etwa gleich hoch ist
und die Stückelung der Ein- und Auszahlungen zum größten Teil überlappend sind.
Die Prüfung im Modell der GAD konzentriert sich ausschließlich auf den ersten
Punkt.
Im dritten Schritt wird die Zahl der SB-fähigen Transaktionen
am Standort errechnet. Durch Multiplikation mit dem Erlöspotenzial werden diese
SB-fähigen Transaktionen bewertet. Das Ergebnis zeigt das maximal erreichbare
Gesamtpotenzial, wenn es gelingt, alle SB-fähigen Transaktionen auf die
SB-Komponenten zu verlagern.
Eins, zwei oder drei
Im vierten Schritt wird in drei Stufen geprüft, ob eine reine
SB-Einzahlung, eine kombinierte Ein- und Auszahlungslösung oder SB-Recycling
wirtschaftlich darstellbar ist. In Stufe 1 wird anhand der realistischen Anzahl
von SB-Einzahlungen zunächst die Gesamtzahl der Transaktionen über ein Jahr
bestimmt und die Anzahl der benötigten Maschinen berechnet. Im zweiten Teil der
Berechnung werden die SB-Einzahltransaktionen inklusive der bereits vorhandenen
SB-Einzahlungen mit dem Einsparpotenzial bewertet und auf die angegebene
Abschreibungsdauer hochgerechnet. Dem wird der errechnete Gesamtaufwand
gegenüber gestellt. Hieraus ergibt sich das Gesamtergebnis im
Abschreibungszeitraum. Ist es positiv, rechnet sich eine reine Einzahllösung an
dem Standort. Ist sie negativ, rechnet sich eine solche Lösung nicht. Mit der
selben Berechnungsmethode wird in der Stufe 2 festgestellt, ob eine kombinierte
Ein- und Auszahlungslösung wirtschaftlich darstellbar ist. Das kann
insbesondere dann interessant sein, wenn eine reine SB-Einzahllösung sich nicht
rechnet.
Stufe 3 ist nur dann relevant, wenn in der ersten oder
zweiten Stufe ein positives Ergebnis erzielt werden konnte. Ist das Ergebnis in
den beiden ersten Schritten negativ, kann SB-Recycling nicht wirtschaftlich
dargestellt werden, selbst dann nicht, wenn die Rahmenbedingungen passen
würden. Als Berechnungsgrundlage der dritten Stufe dient das Wertvolumen der
Ein- und Auszahlungen. Durch eine Korrektur muss das Wertvolumen der Auszahlungen
des Bereiches Kasse/AKT um den nicht SB-fähigen Anteil bereinigt werden. Durch
diese Korrektur ergibt sich das realistische Wertvolumen SB-fähiger
Auszahltransaktionen. Zu diesen wird das vorhandene Wertvolumen der
SB-Auszahlungen addiert. Das gleiche Berechnungsschema wird für den Bereich der
Einzahlungen durchgeführt. Abschließend wird das Verhältnis der Ein- und
Auszahlungen bestimmt und ausgewiesen. Durch einen Vergleich mit den in den
Basisparametern gesetzten Grenzen kann nun bestimmt werden, ob SB-Recycling an
dem betrachteten Standort sinnvoll darstellbar ist. Zusätzlich wird
ausgewiesen, ob der Standort auszahl- oder einzahllastig ist. Diese Information
ist für die spätere Konfiguration der Maschine wichtig.
Den Schluss der Grobanalyse bildet die Bestimmung der
Maschinenausstattung für den Standort. Dabei wird unterschieden, ob der
Standort neu gestaltet wird und eine völlig neue Maschinenausstattung erhält
oder vorhandene SB-Komponenten berücksichtigt werden müssen.
Genau hingucken
Rüdiger Fuchs, IT-Leiter der Volksbank Wolfsburg kann das
Cash-Recycling aufgrund seiner eigenen Erfahrung nur empfehlen. Er rät aber
dringend zu einer umsichtigen Planung. Ein Analysewerkzeug wie das der GAD
verschafft den nötigen ersten Eindruck, der bei positivem Ergebnis für das
Cash-Recycling aber unbedingt durch detaillierte Untersuchungen am
individuellen Standort ergänzt werden muss, damit der Einsatz der Technologie
ein Erfolg wird.
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Autor: Hermann Kruse, Geschäftsfeldmanager bei der GAD eG
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