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Sie sehen den Artikel: Medienkompetenz fordern und fördern. Veröffentlicht am: 06.04.2009
 
Web-Vorlage

Medienkompetenz fordern und fördern

 

Von Anna Dönges, Business Development, Fink & Fuchs Public Relations AG

 

Die Möglichkeiten des partizipativen Webs (2.0) begeistern immer mehr Menschen – insbesondere junge. Doch sind den Usern die Konsequenzen der Nutzung bekannt? Studien belegen, dass Aufklärungsbedarf besteht.

 

Noch bis vor einigen Jahren haben sich Jugendliche nach der Schule verabredet, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Nicht zuletzt aufgrund der extremen Weiterentwicklung des Internets und der damit verbundenen Möglichkeiten, hin zum Mitmach-Web, verbringen viele Kinder und Jugendliche heute Ihre Freizeit vor dem eigenen PC. Die JIM-Studie 2008 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS) ergab, dass mittlerweile fast alle Jugendlichen zwischen 12-19 Jahren vernetzt sind (97 Prozent). Über 41 Prozent sind täglich auf einer der zahlreichen Plattformen wie StudiVZ, MySpace oder Wer-kennt-wen unterwegs. Es ist selbstverständlich geworden, das eigene Leben in der Online-Öffentlichkeit zu führen. Einer Umfrage des Institutes Forsa zufolge veröffentlichen bereits zwei Drittel der 14-29-Jährigen Bilder und Texte über sich im Internet. Offenbar frei von jeglichen moralischen Schranken. Wahrscheinlich, weil die User sich sicher fühlen, im anonymisierten, virtuellen Raum des Webs. Eines bedenken die Digital Natives jedoch nur selten: Wie durchsichtig sie werden, indem sie Fotos veröffentlichen und Aussagen über ihre Vorlieben jeglicher Art kommunizieren.

 

Amerikanische Wissenschaftler haben untersucht, wie Teenager auf MySpace mit ihren Informationen umgehen. Die daraus resultierende Studie "Display of Health Risk Behaviors on MySpace by Adolescents" ergab, dass auf 54 Prozent aller untersuchten Profile über „riskantes Verhalten“ berichtet wird. Häufige Themen sind der Missbrauch von Drogen oder Alkohol (41 Prozent), sexuelle Erfahrungen (24 Prozent) oder Gewalt (14 Prozent). Dass die Jugendlichen dabei Spuren hinterlassen, das Web ein sogenanntes „Elefantengedächtnis“ hat und sich die privaten Daten auch noch Monate und manchmal sogar Jahre nach der Abmeldung aus einem Netzwerk abrufen lassen, ist den meisten nicht bewusst. Doch spätestens vor Abschluss der Schule, wenn die Suche nach einer Lehrstelle oder einem Praktikumsplatz beginnt, eröffnen sich mögliche unangenehme Konsequenzen. Einige werden sich vielleicht wundern, warum sie trotz guter Noten und einer ansprechenden Bewerbung nie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Die Antwort liegt nicht selten in ihrem unüberlegten Handeln auf den zahlreichen Plattformen. Denn auch Personalverantwortliche haben mittlerweile das Web 2.0 für sich entdeckt. Sie recherchieren vorab im Internet ihre potenziellen neuen Kollegen. Einer Studie des Jobportals Careerbuilder zu Folge gaben 21 Prozent der 3100 befragten Personalmanager an, dass sie sich in den Social Networks über Bewerber informieren. Weitere neun Prozent planen, dies zukünftig zu tun.

 

Initiativen helfen Medienkompetenz zu steigern

 

Gerade für junge Menschen ist die Qualifizierung im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken unabdingbar. Um unüberlegtem Verhalten vorzubeugen, ist es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und neben den Jugendlichen selbst, auch frühzeitig Eltern und Schulen mit einzubinden. Da Jugendinformation auf Bundesebene kein eigenständiges Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe ist, und es keine bundesrahmengesetzliche Gesetzgebung zu diesem Arbeitsfeld gibt, ist es erforderlich, dass über Initiativen informiert und aufgeklärt wird. In dieser Richtung hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Nicht selten engagieren sich Politik, Wirtschaft, Medien und Prominenz für Projekte, die auf die Verbesserung der Medienkompetenz von Jugendlichen und ihren Eltern abzielen. Als Beispiel sei hier die Initiative ‚SCHAU HIN!’ "SCHAU HIN! Was deine Kinder machen" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Partnerschaft mit dem Telekommunikationsunternehmen Arcor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV Spielfilm genannt. Auch Microsoft hat, gemeinsam mit Partnern, die Initiative IT-Fitness ins Leben gerufen. Erklärtes Ziel für Deutschland: Bis 2010 vier Millionen Menschen fitter im Umgang mit Computer und Internet zu machen und ihnen mit gezielten Qualifizierungsmaßnahmen bessere Berufschancen zu ermöglichen.

 

Auch wenn die Betreiber der großen Netzwerke, wie StudiVZ und Facebook suggerieren, dass alle personenbezogenen Daten nach Abmeldung dauerhaft gelöscht werden, so ist es trotzdem notwendig die Nutzer besser zu informieren. So fordern beispielsweise die Grünen, dass ein Qualitätssiegel für soziale Netzwerke eingeführt werden solle. Die FDP weist darauf hin, dass man bedenken muss, dass im Ausland ansässige Anbieter nicht nach den deutschen Datenschutzbestimmungen agieren müssten. Erweiterte Informationspflicht und ein ausdrücklicher Hinweis, wie die Unternehmen mit den Daten der Kunden umgehen, ist in jedem Fall unumgänglich. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist bereits getan: Die Betreiber der reichweitenstärksten deutschen Social Communities, VZ-Gruppe, Lokalisten und wer-kennt-wen.de, haben unter dem Dach der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter eine Selbstverpflichtungserklärung in Form eines 17-seitigen Verhaltenskodex unterzeichnet. Ziel ist der bessere Schutz der Nutzer und insbesondere der Minderjährigen. ((5.461 Zeichen))

 


 

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