Medienkompetenz fordern und fördern
Von Anna Dönges, Business Development,
Fink & Fuchs Public Relations AG
Die Möglichkeiten des partizipativen
Webs (2.0) begeistern immer mehr Menschen – insbesondere junge. Doch sind
den Usern die Konsequenzen der Nutzung bekannt? Studien belegen, dass
Aufklärungsbedarf besteht.
Noch bis vor einigen Jahren haben sich Jugendliche nach der
Schule verabredet, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Nicht zuletzt aufgrund
der extremen Weiterentwicklung des Internets und der damit verbundenen
Möglichkeiten, hin zum Mitmach-Web, verbringen viele Kinder und Jugendliche
heute Ihre Freizeit vor dem eigenen PC. Die JIM-Studie 2008 des Medienpädagogischen
Forschungsverbundes Südwest (MPFS) ergab, dass mittlerweile fast alle
Jugendlichen zwischen 12-19 Jahren vernetzt sind (97 Prozent). Über 41 Prozent
sind täglich auf einer der zahlreichen Plattformen wie StudiVZ, MySpace oder
Wer-kennt-wen unterwegs. Es ist selbstverständlich geworden, das eigene Leben
in der Online-Öffentlichkeit zu führen. Einer Umfrage des Institutes Forsa
zufolge veröffentlichen bereits zwei Drittel der 14-29-Jährigen Bilder und
Texte über sich im Internet. Offenbar frei von jeglichen moralischen Schranken.
Wahrscheinlich, weil die User sich sicher fühlen, im anonymisierten, virtuellen
Raum des Webs. Eines bedenken die Digital Natives jedoch nur selten: Wie
durchsichtig sie werden, indem sie Fotos veröffentlichen und Aussagen über ihre
Vorlieben jeglicher Art kommunizieren.
Amerikanische Wissenschaftler haben untersucht, wie Teenager
auf MySpace mit ihren Informationen umgehen. Die daraus resultierende Studie "Display of
Health Risk Behaviors on MySpace by Adolescents" ergab, dass
auf 54 Prozent aller untersuchten Profile über „riskantes Verhalten“ berichtet
wird. Häufige Themen sind der Missbrauch von Drogen oder Alkohol (41 Prozent),
sexuelle Erfahrungen (24 Prozent) oder Gewalt (14 Prozent). Dass die
Jugendlichen dabei Spuren hinterlassen, das Web ein sogenanntes
„Elefantengedächtnis“ hat und sich die privaten Daten auch noch Monate und
manchmal sogar Jahre nach der Abmeldung aus einem Netzwerk abrufen lassen, ist
den meisten nicht bewusst. Doch spätestens vor Abschluss der Schule, wenn die
Suche nach einer Lehrstelle oder einem Praktikumsplatz beginnt, eröffnen sich
mögliche unangenehme Konsequenzen. Einige werden sich vielleicht wundern, warum
sie trotz guter Noten und einer ansprechenden Bewerbung nie zu einem
Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Die Antwort liegt nicht selten in ihrem
unüberlegten Handeln auf den zahlreichen Plattformen. Denn auch
Personalverantwortliche haben mittlerweile das Web 2.0 für sich entdeckt. Sie
recherchieren vorab im Internet ihre potenziellen neuen Kollegen. Einer Studie des
Jobportals Careerbuilder zu Folge gaben 21 Prozent der 3100
befragten Personalmanager an, dass sie sich in den Social Networks über
Bewerber informieren. Weitere neun Prozent planen, dies zukünftig zu tun.
Initiativen helfen Medienkompetenz zu steigern
Gerade für junge Menschen ist die Qualifizierung im Umgang
mit Informations- und Kommunikationstechniken unabdingbar. Um unüberlegtem
Verhalten vorzubeugen, ist es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und neben
den Jugendlichen selbst, auch frühzeitig Eltern und Schulen mit einzubinden. Da
Jugendinformation auf Bundesebene kein eigenständiges Arbeitsfeld der Kinder-
und Jugendhilfe ist, und es keine bundesrahmengesetzliche Gesetzgebung zu
diesem Arbeitsfeld gibt, ist es erforderlich, dass über Initiativen informiert
und aufgeklärt wird. In dieser Richtung hat sich in den letzten Jahren einiges
getan. Nicht selten engagieren sich Politik, Wirtschaft, Medien und Prominenz
für Projekte, die auf die Verbesserung der Medienkompetenz von Jugendlichen und
ihren Eltern abzielen. Als Beispiel sei hier die Initiative ‚SCHAU HIN!’ "SCHAU HIN! Was deine Kinder
machen" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend in Partnerschaft mit dem Telekommunikationsunternehmen Arcor, den
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF sowie der
Programmzeitschrift TV Spielfilm genannt. Auch Microsoft hat, gemeinsam mit
Partnern, die Initiative IT-Fitness ins
Leben gerufen. Erklärtes Ziel für Deutschland: Bis 2010 vier Millionen Menschen
fitter im Umgang mit Computer und Internet zu machen und ihnen mit gezielten
Qualifizierungsmaßnahmen bessere Berufschancen zu ermöglichen.
Auch wenn die Betreiber der großen Netzwerke, wie StudiVZ und
Facebook suggerieren, dass alle personenbezogenen Daten nach Abmeldung
dauerhaft gelöscht werden, so ist es trotzdem notwendig die Nutzer besser zu
informieren. So fordern beispielsweise die Grünen, dass ein Qualitätssiegel für
soziale Netzwerke eingeführt werden solle. Die FDP weist darauf hin, dass man
bedenken muss, dass im Ausland ansässige Anbieter nicht nach den deutschen
Datenschutzbestimmungen agieren müssten. Erweiterte Informationspflicht und ein
ausdrücklicher Hinweis, wie die Unternehmen mit den Daten der Kunden umgehen, ist
in jedem Fall unumgänglich. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist
bereits getan: Die Betreiber der reichweitenstärksten deutschen Social
Communities, VZ-Gruppe, Lokalisten und wer-kennt-wen.de, haben unter dem Dach
der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter eine Selbstverpflichtungserklärung
in Form eines 17-seitigen Verhaltenskodex unterzeichnet. Ziel ist der bessere
Schutz der Nutzer und insbesondere der Minderjährigen. ((5.461 Zeichen))