Corporate Social Responsibility: Mit gutem Gewissen
Gewinne machen?
Von Michael
Zell, Partner bei Fink & Fuchs Public Relations, Oktober 2007
Unternehmerisches Mäzenatentum ist nicht neu: Spenden oder
die Unterstützung örtlicher Sportvereine haben eine lange Tradition. Neu
hingegen sind die vielfältigen Ansätze einer zunehmenden Professionalisierung
des gesellschaftlichen Engagements und dessen Einbindung in die langfristige
Unternehmensstrategie. Zwar engagieren sich 96 Prozent der deutschen
Unternehmen gesellschaftlich, jedoch fehlt oft ein integrierendes Konzept, das
gesellschaftliche Verantwortung als wichtigen Teil der Unternehmenskultur beziehungsweise
-strategie versteht.
Das ist auch eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie, für
die das Forsa-Institut im Auftrag des „Centrums für Corporate Citizenship
Deutschland“ rund 500 Unternehmen in Deutschland und den USA befragt hat.
Interessant auch: Nur knapp 40 Prozent der deutschen Firmen suchen aktiv nach
Handlungsfeldern. Die große Mehrheit betreibt so genannte Corporate Social
Responsibility (CSR) weitgehend reaktiv. Zudem ist bemerkenswert, dass
ebenfalls nur 40 Prozent der von Forsa befragten deutschen Unternehmen
kommerzielle Erwartungen mit dem Wahrnehmen gesellschaftlicher Verantwortung
verbinden. Ob Aktionäre und Investoren genau so denken, ist fraglich. Anders in
den USA: Hier sagen je nach Unternehmensgröße 63 bis 84 Prozent der Befragten,
dass sich ihr gesellschaftliches Engagement auch betriebswirtschaftlich lohnen
soll.
Dies unterstreicht auch eine im Juni 2007 von der
internationalen Steuer- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton
durchgeführte Untersuchung in den USA. 77 Prozent von 500 befragten US-Managern
glauben, dass CSR-Programme einen positiven Einfluss auf ihr Geschäft haben und
dazu beitragen, den Gewinn zu steigern. Als die drei wichtigsten Vorteile eines
CSR-Engagements wurden folgende Punkte genannt: die Verbesserung der
öffentlichen Meinung, die Verbesserung der Kundenbeziehungen und eine höhere
Attraktivität für das eigene Personal und Jobsuchende.
Langfristiger Unternehmenserfolg wichtig
Wenn die Strategie stimmt und regelmäßig auf ihre Wirksamkeit
überprüft wird, sind gutes Gewissen und gute Gewinne kein Widerspruch. Dann
zahlt sich die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung für alle
Beziehungsgruppen aus. Und nicht nur das: „Aus ökonomischer Perspektive ist die
Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung sogar als Bedingung für den
langfristigen Unternehmenserfolg zu interpretieren“, so Marketing-Papst
Heribert Meffert. Unternehmen tragen Verantwortung gegenüber Mitarbeitern,
Kunden, Investoren und last not least der Gesellschaft insgesamt. Gesellschaft
und Politik erwarten mehr denn je, dass Unternehmen für die Gemeinschaft aktiv
sind und reagieren äußerst sensibel auf Verstöße gegen Menschen-, Arbeits- oder
Umweltschutzrechte. Verantwortliche Unternehmensführung entsteht dann, wenn die
Interessen und Belange aller Beziehungsgruppen berücksichtigt werden. Niemand
schwebt im freien Raum, sondern muss alle Gruppen im Auge haben.
Fokus auf das Kerngeschäft
Unternehmen sind daher gut beraten, sich stärker mit Themen
wie Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und ihren eigenen CSR-Projekten zu
beschäftigen. Wer sich als verantwortliches Unternehmen dauerhaft profilieren
will, muss sein gesellschaftliches Engagement zudem in Einklang mit seiner
Unternehmensstrategie – sprich seinem Kerngeschäft – bringen.
Letztlich ist CSR umso besser, je enger sie sich am eigentlichen
Unternehmenszweck orientiert. Beispielsweise verstehen immer mehr
Technologieanbieter die so genannte „Grüne IT“ über die rechtlichen
Verpflichtungen hinaus als Teil ihrer sozialen Verantwortung. 68 Prozent der
von Grant Thornton befragten US-Manager glauben, dass das umweltbewusste
Handeln in den nächsten drei bis fünf Jahren für ein Unternehmen verpflichtend
sein wird.
Doch die Frage bleibt: Wann wird ein Unternehmen seiner
gesellschaftlichen Verantwortung gerecht? Zahlreich sind die Versuche und
Organisationen, die versuchen, Kriterien für Corporate Social Responsibility
festzuklopfen. Bisher ohne großen Erfolg. CSR ist oft eine Gratwanderung und
immer ein Prozess des Abwägens verschiedener Interessen. Wichtig ist jedoch,
dass eine klare Strategie dahinter steht.
Freiwillig und frühzeitig
Das Bedeutende an der Übernahme gesellschaftlicher
Verantwortung ist zum einen der freiwillige Ansatz und zum anderen der
frühzeitige Ansatz. Unternehmen müssen lernen zu agieren, anstatt auf Krisen zu
reagieren. Fundierte und gewachsene gesellschaftliche Verantwortung ist damit
nicht Goodwill, sondern dient auch dem Risikomanagement. Darüber hinaus
verschafft verantwortungsvolles Handeln einen Vertrauensvorschuss bei den
Beziehungsgruppen, erhöht die Akzeptanz von Unternehmen in der Gesellschaft und
gesteht Firmen auch mehr Zeit ein, begangene Fehler wieder gut zu machen.
Risikopotenziale werden damit kleiner. Der US-Investor Warren Buffet meint denn
auch: Es dauert zehn Jahre, ein positives Image aufzubauen und nur zehn
Sekunden, es wieder zu zerstören.
Integraler Bestandteil der Unternehmenskultur
Wer aus der ökonomischen Betrachtung heraus strukturiert
vorgeht und analysiert, weiß es: Vertrauen in ein Unternehmen, seine Produkte
und Akteure sind extrem wichtig und senken zudem die Kosten der Zusammenarbeit.
Lang andauernde Beziehungen bauen Vertrauen auf, verringern soziale sowie
strukturelle Reibungen und sparen Kosten. Verantwortliches Handeln beginnt
damit ganz einfach – in der eigenen Wertschöpfungskette. Faire
Beziehungen zu Kunden, Partnern und Zulieferern sowie die Einhaltung von
Umwelt- und Sozialstandards bilden die unabdingbare Basis für ein positives
Image. Letztlich ist CSR nur glaubwürdig, wenn es ein integraler Bestandteil
der Unternehmenskultur und der -kommunikation ist und wenn alle
Wertschöpfungsbereiche von Zulieferauswahl bis hin zum Altproduktrecycling
verantwortlich betrieben werden.
Otto find´ ich gut
Es muss einfach passen: Brauereien, die den Regenwald retten
oder Fußballplätze bauen, sind weniger überzeugend als Mineralbrunnen, die sich
für die Wasserversorgung in der Dritten Welt einsetzen. Der Schutz des
Regenwaldes für einen Bierbrauer ist zwar eine gute Sache, aber kein passendes
CSR-Thema. Denn es gehört nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens. Besseres
Beispiel der Otto-Versand: Weil der Textilhändler wegen schlechter
Arbeitsbedingungen bei Lieferanten und Pestizideinsatz bei der Stoffeinfärbung
in den 90er Jahren im Kreuzfeuer der Kritik stand, hat Otto seinen Zulieferern
in Asien nicht gekündigt, sondern bildete sie aus, obwohl sie sich dagegen
sträubten. Gezahlt wird zudem ein Existenz sicherndes Gehalt. Mittlerweile gilt
Otto als ein Musterbeispiel in Sachen CSR und berät sogar andere Unternehmen
bei der Entwicklung und Umsetzung gesellschaftlich verantwortlicher Management-
und Produktionssysteme.
Ebenfalls gute Beispiele im Bereich Bildung sind Initiativen
vom TÜV Hessen oder von Microsoft. Mit seinem Bildungsengagement „TÜV-Kids“
will der TÜV Hessen die Schlüsselkompetenz Technik schon im Kindesalter
fördern. Das Unterrichtangebot richtet sich an alle 60.000 Schüler in
hessischen Grundschulen. Der TÜV Hessen kümmert sich dabei um die Rekrutierung
und die Ausbildung der TÜV-Kids-Trainer und stellt sämtliche Materialien für
die Viertklässler unentgeltlich zu Verfügung.
Ähnlich der TÜV-Aktion zielt die IT-Fitness-Initiative von
Microsoft und Partnern von der Bundesagentur für Arbeit bis hin zum
Zentralverband des Deutschen Handwerks auf Berufstätige und Berufseinsteiger
quer durch alle Berufsgruppen und Alterstufen. Diese sollen fit für den Umgang
mit IT im Berufsalltag gemacht werden. Dabei werden unter anderen kostenfreie
Schulungskurse angeboten, um Teilnehmern grundlegende Computerkonzepte und
-kenntnisse zu vermitteln und ihnen damit neue soziale und berufliche Chancen
eröffnen.
Noch sind es wenige Unternehmen, die bei der Auswahl eines
Technologie-Anbieters auf dessen definierte soziale Werte achten, aber diese
Zahl nimmt sehr schnell zu. Der Druck, das Thema CSR für das eigene Unternehmen
aufzugreifen -– so die Untersuchung von Grant Thornton – wird
hauptsächlich von den Konsumenten (45 Prozent) und den Investoren (21 Prozent)
kommen. Strategisch geplante Investitionen in dokumentierbare CSR-Engagements
werden zunehmend zu einer unternehmerischen Pflichtaufgabe, die positiv in den
Wert und die nachhaltige Profitabilität eines Unternehmens einzahlen.
Literatur-Tipps
Corporate Citizenship. Gesellschaftliches Engagement von
Unternehmen in Deutschland (gebundene Ausgabe), Autoren: Andre Habisch und Rene
Schmidpeter, Verlag Springer, Berlin, 4. Auflage, August 2007, EUR 69,95. ISBN:
3540443355
„Business Ethics. A European Perspective“ von Andrew Crane
und Dirk Matten,
Verlag Oxford University Press, 2. Auflage
2007.
Corporate Citizenship. Gesellschaftliches Engagement -
unternehmerischer Nutzen (Broschiert) von Josef Wieland und Walter Conradi, 225
Seiten, Verlag Metropolis, EUR 24,80. ISBN: 3895183970.
Unternehmensführung in der Reflexiven Modernisierung. Global
Corporate Citizenship, Gesellschaftsstrategie und Unternehmenskommunikation
(Taschenbuch) von Ralf Weiss, 328 Seiten, Verlag Metropolis, EUR 36,80. ISBN:
3895183997.
„Erfolgsfaktor Verantwortung. Corporate Social Responsibility
professionell managen“ (gebundene Ausgabe) von Kaevan Gazdar, Andre Habisch,
Klaus R. Kirchhoff, 170 Seiten, Springer-Verlag, EUR 34,95. ISBN:
3540262792.
„Corporate Social Responsibility in kleinen und mittleren
Unternehmen. Grundlagen-Instrumente-Perspektiven“ (broschiert) von Astrid
Holzborn, 109 Seiten, VDM Verlag Dr. Müller, EUR 49, ISBN: 3865504523.