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Sie sehen den Artikel: Wie erreichen Neuheiten ihre Zielgruppen? - Innovationskommunikation als Erfolgsfaktor. Veröffentlicht am: 22.08.2007
 
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Wie erreichen Neuheiten ihre Zielgruppen? – Innovationskommunikation als Erfolgsfaktor

 

Von Stephan Fink, Vorstand Fink & Fuchs Public Relations AG, August 2007

 

Innovationen gelten mehr denn je als Erfolgstreiber und sind laut der Studie „Senior Executive Innovation Survey 2006“ der Boston Consulting Group das Top-Thema auf CEO-Ebene. Allerdings ist von den Befragten nur jeder zweite mit dem „Return On Investment“ zufrieden. Dies mag auch daran liegen, dass laut „European Communication Monitor 2007“ in den Kommunikationsabteilungen derzeit nur jeder fünfte PR-Manager das Thema „Innovation“ als strategischen Ansatz für sein Handeln erkennt. Dass Public Relations im Zeitalter von „Open Innovation“ und „Mass Collaboration“ eine nachhaltige Einbindung des Kommunikationsmanagements in Innovationsprozesse erfordert, scheint bislang ebenfalls nur bei einer kleineren Zahl an Unternehmen angekommen zu sein. Damit fehlt jedoch eine zentrale Voraussetzung, um über die noch weit verbreitete „Bekanntmachungs-PR“ hinaus die strategischen Potenziale erfolgreicher Innovationskommunikation ausschöpfen zu können“, so die Diskutanten Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, Universität Leipzig und Markus Garn, F.A.Z.-Institut beim jüngsten Fink & Fuchs PR-Pulse zum Thema „Innovationskommunikation“.

 

Doch was verstehen wir eigentlich unter Innovationen? Warum stoßen diese oft auf Widerstand, und welche Aspekte muss erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit bei ihrer Vermittlung berücksichtigen?

 

Bereits die Trendumfrage "Innovate 2004" von Prof. Claudia Mast (Universität Hohenheim) und Prof. Dr. Ansgar Zerfaß fand heraus, dass bei der professionellen Vermittlung von Innovationen noch reichlich Luft nach oben ist, da 2004 nur ein Prozent aller Artikel über Unternehmen Neuheiten thematisierte (Buchtipp: "Neue Ideen erfolgreich durchsetzen", Mast/Zerfaß, F.A.Z. Institut - www.innovationskommunikation.de). Die Neuauflage 2006 dieser Studie bestätigte im Wesentlichen diese Erkenntnisse.

 

Was macht Innovationen aus?

Was aber lässt sich überhaupt unter dem Begriff "Innovation" subsumieren? Ist es die Satelliten-gestützte Lkw-Maut, ein Chip, der im Supermarkt im Vorbeigehen die Preise unserer Einkäufe addieren lässt oder die Entwicklung des 3D-Web? Was macht diese Entwicklungen letztlich aus?

 

Auffällig bei der Berichterstattung neuer - meist technischer - Entwicklungen ist das Übergewicht der Darstellung von Funktionen und Features. Der wirkliche Nutzen eines neuen Produkts erschließt sich oft nicht wirklich auf den ersten Blick. "Es gibt sicher auch Produktlösungen für Probleme, die es ohne die entsprechenden Produkte nicht gegeben hätte", formulierte es Peter Gerdemann, Kommunikationschef von IBM Deutschland, einmal auf dem Kommunikationskongress. Unscharf bleibt oftmals auch die gesellschaftliche und soziale Dimension, die sich mit den Auswirkungen bzw. den langfristigen Perspektiven einer Neuerung auseinandersetzt.

 

Deutlich wird dies am Beispiel von RFID-Chips. Funktional betrachtet lässt sich auf minimaler Fläche ein Maximum an Informationen speichern, die jederzeit an einen Empfänger gesendet werden können. Der Nutzen liegt unter anderem im Beschaffungswesen, da durch die permanente Erfassung und Verarbeitung der Informationen Bestellvorgänge voll automatisiert werden können. Gesellschaftlich betrachtet kann die Möglichkeit, mit diesem Chip Kaufgewohnheiten zu verfolgen, den Verlust von Privatsphäre bedeuten. Diese ist jedoch ein hohes Gut und unter dem Begriff der „informationellen Selbstbestimmung“ sogar durch unser Grundgesetz geschützt. Nur wer Innovationen in dieser Vielschichtigkeit begreift, kann kommunikative Hürden bei deren Einführung in den Markt überhaupt verstehen und darauf gezielt Einfluss nehmen.

 

Alles soll so bleiben wie es ist

Laut einer Untersuchung des Instituts Allensbach steht heute nur noch ein Drittel der Menschen in Deutschland dem technischen Fortschritt positiv gegenüber. In den sechziger Jahren begeisterten sich immerhin noch 80 Prozent der Deutschen für den Fortschritt. Der Begriff "Innovation" wird heute gerade von vielen Journalisten oft als PR-Luftblase wahrgenommen, leider nicht ganz zu Unrecht. Welches sind die Ursachen für diese ablehnende Haltung? Gabriele Fischer, Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins brand eins, beschrieb in einem Vortrag drei elementare Gründe für eine tief wurzelnde Angst vor Innovationen. Menschen haben grundsätzlich Angst vor jedweder Veränderung. "Alles soll so bleiben wie es ist. Dabei krallen sich die Menschen an dem fest, was gerade noch gerettet werden konnte", meint Fischer. Ein deutlicher Beleg dafür sind die zögerlichen Reformen in Deutschland, die immer noch mehr von Besitzstandswahrung als von Aufbruchstimmung zeugen. Als zweite Ursache sei erkennbar, dass Fortschritt rückblickend meist kritisch beurteilt wird. "Was hat mir dieses oder jenes gebracht und was habe ich dadurch verloren?". Die Medien verstärken diese Effekte, indem sie bereits im Vorfeld einer Entwicklung häufig eher die Gefahren und weniger mögliche Chancen aufzeigen. Das dahinter stehende Prinzip ist einfach aber wirkungsvoll und schützt den Verkünder der Nachricht: Ist eine Innovation erfolgreich, wird die verantwortungsvolle Rolle der Medien dahingehend betont, dass man ja frühzeitig auf die Risiken hingewiesen und somit positiven Einfluss auf die Entwicklung genommen habe. Scheitert eine Innovation dagegen, ,,wurde dies ja frühzeitig prophezeit“, so Fischer.

 

Der dritte wesentliche Grund für die kritische Distanz gegenüber Innovationen liegt schlicht in der Überforderung des Individuums. „Die Menschen wollen einfach nicht mehr wissen", so der amerikanische Wissenschaftler Edward Teller.

 

Barrieren in der Kommunikation

Aber es sind nicht nur gesellschaftliche Blockaden, sondern auch die Qualität der Kommunikationsarbeit von PR-Verantwortlichen und Journalisten, die Akzeptanzbarrieren nicht gerade abbauen. Laut der eingangs erwähnten Umfrage "Innovate 2004 und 2006", die unter Journalisten und PR-Verantwortlichen durchgeführt wurde, wird das Thema Innovationen noch stiefmütterlich behandelt. Über die wachsende Bedeutung dieser Disziplin sind sich jedoch zwei Drittel der Befragten einig. Ursachen mangelhafter Berichterstattung werden zum einen in der nicht mediengerechten Aufbereitung durch die Öffentlichkeitsarbeiter gesehen. Diese wiederum konstatieren mangelndes Fachwissen ihrer Gegenüber in den Redaktionen. Kritisch wird darüber hinaus die inflationäre Verwendung des Begriffs "Innovation" gesehen.

 

Daneben scheint der interne Informationsfluss zwischen Marketing und PR einerseits und den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen andererseits in den Unternehmen noch verbesserungsbedürftig. Gerade in Zeiten neuer Ansätze des Innovationsmanagements wie „Open Innovation“ scheint hier vielfach noch großer organisatorischer Anpassungsbedarf zu bestehen. Darüber hinaus verstehen die "PR-Menschen" häufig ihre eigenen Produkte nicht und können deren Funktions- und Wirkungsweise nur ungenügend der breiten Öffentlichkeit vermitteln. Markus Garn, Leiter „Innovationsprojekte“ der F.A.Z.-Institut GmbH, unterstrich beim letzten Fink & Fuchs PR-Pulse die besondere Bedeutung „integralen Innovationsmanagements“. „Innovative Unternehmen bilden heute eine ganzheitliche Innovationskette von der Entwicklung über alle Geschäftsprozesse bis zu den Kunden. Dabei soll sich jeder Mitarbeiter als Innovator verantwortlich für das Ganze fühlen. Dies garantiert nachhaltigen Erfolg im Wettbewerb und bedeutet für die Kommunikation einen nahezu unerschöpflichen Pool an Innovationsthemen“, so Garn. Laut dem „European Communication Monitor 2007“, in dessen Rahmen mehr als 1.000 PR-Professionals aus 22 Ländern zu Trends im Kommunikationsmanagement befragt wurden, ist bisher lediglich ein Drittel der Kommunikationsverantwortlichen in die Innovationsprozesse im Unternehmen eingebunden. Der organisatorische Nachholbedarf scheint groß zu sein.

 

Akzeptanz schaffen

Wie lässt sich nun ein Klima erzeugen, in dem die Menschen den Innovationen nicht mit Ablehnung oder gar Feindseligkeit begegnen? "Innovationen werden dann als gut eingestuft, wenn sie das Leben der Menschen verbessern und beispielsweise Arbeit schaffen", meint Gabriele Fischer. Zum anderen wollen Menschen die Dinge verstehen, die man Ihnen verkaufen möchte. Nur so lassen sich Ängste und Unsicherheiten abbauen. Technische Details überfordern jedoch den Laien und schaffen zusätzliches Misstrauen. Darüber hinaus ist ein ehrlicher, offener Dialog gefordert, der auch den „Preis“ bestimmter Neuerungen, beispielsweise Gefahrenpotenziale, nicht verschweigt. Unternehmen müssen weg von der reinen Verlautbarungs-PR. Die Stakeholdergruppen, die letztlich von Neuerungen "betroffen" sind, müssen frühzeitig einbezogen werden. Zu oft wenden sich die Kommunikatoren an die Fachpresse und lassen dabei die wichtigste Frage unbeantwortet: Was bedeutet es für den Nutzer am Ende der Kette? "Innovation ist nicht die Entwicklung selbst, sondern das, was sie für mich verändert", warf eine Teilnehmerin bei unserem PR-Pulse zum Thema Innovationskommunikation ein. Innovationen sollten darüber hinaus auch immer im gesamtgesellschaftlichen Kontext dargestellt werden; also weg vom Produkt und wo sinnvoll hin zur gesellschaftlichen Dimension, die weiter führende Folgewirkungen und Zukunftsperspektiven aufzeigt.

 

Herausforderung „Innovationskommunikation“

In organisatorischer Hinsicht sollte die Kommunikationsabteilung möglichst frühzeitig in den Innovationsprozess einbezogen werden und diesen durchgängig begleiten. Im Sinne von „Open Innovation“ sind hierbei entsprechend externe Impulse mit einzubeziehen.

 

Ihrer eigentlichen Übersetzerfunktion werden PR-Profis dann gerecht, wenn sie Funktionsweise, Nutzen und Folgewirkungen ihrer Neuheiten kennen bzw. abschätzen können. Unternehmen haben letztlich größere Chancen, Neuheiten erfolgreich zu etablieren, wenn sie als Themenführer frühzeitig den Austausch mit allen betroffenen Zielgruppen suchen. Dabei sollten sie ihre Kommunikation nicht nur auf Erklärung von Funktion und Nutzen beschränken, sondern auch die öffentliche Diskussion zu übergreifenden Folgewirkungen ihrer Innovationen aktiv anstoßen und begleiten. Gerade an dieser Stelle besteht die Chance, mit aktiver und offener Kommunikation gesellschaftlich verantwortliches Handeln zu demonstrieren und die eigene Rolle als Themenführer zu untermauern. Open Innovation erfordert letztlich auch Open Communication!

 

 

 

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16.05.2006
Stephan Fink (1)
Dipl.-Kfm. Stephan Fink, Vorstand Fink & Fuchs Public Relations AG, Ressort Business Development und Beratung (Sprecher des Gesamtvorstands)
 
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