Kommunikation ohne Grenzen – die Herausforderungen
global agierender PR-Profis
Von: Bettina Deda, Business Development, Februar 2008
Deutschland ist keine Insel. EU-Erweiterung und
Globalisierung zwingen die deutschen Exportweltmeister in vielen
Industriezweigen zu harten Sanierungskursen. Dennoch ist „made in Germany“
immer noch ein Exportschlager, der auf der internationalen Bühne kommunikativ
begleitet werden muss. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, die am Anfang
ihrer Internationalisierung stehen oder nur mit begrenzten eigenen Ressourcen
im Ausland präsent sind, stehen hier oft vor einem Dilemma: Tolles Produkt,
aber knappe Mittel für die Vermarktung.
Internationale Öffentlichkeitsarbeit überschreitet nicht nur
Landes-, sondern auch kulturelle Grenzen und erfordert deshalb eine angemessene
Lokalisierung, die leicht die eigenen Kapazitäten sprengt. Insbesondere wenn
schnell und gleichzeitig in mehreren Märkten kommuniziert werden soll.
Entsprechend wachsen die Anforderungen an die Kommunikation auf dem
internationalen Parkett mit jedem neuen Markt, in den ein Unternehmen expandieren
möchte.
Das Ruder in der Hand behalten
Vielfach wird als Lösung für einen schnellen Marktzugang der
„Ressourcen schonende“ Markteintritt über lokale Vertriebspartner oder
Distributoren gesucht, denen meist auch die Vermarktung und die Kommunikation
überlassen wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass gerade hier eine entscheidende
Stellschraube für die erfolgreiche Positionierung in einem neuen Markt aus der
Hand gegeben wird. Mit dem Resultat, dass die kommunikative Markenpflege häufig
vernachlässigt oder an den Interessen des lokalen Partners ausgerichtet wird.
Um dies zu verhindern, sollte ein Hersteller immer versuchen, zumindest auf dem
Feld der PR-Kommunikation das Ruder in der Hand zu halten und die Aktivitäten
in anderen Ländern bis zu einem gewissen Grad selbst auszusteuern.
Hinzu kommt, dass das Internet in seiner jüngsten
Entwicklungsphase „mission critical“ für Unternehmen ist. Grenzüberschreitende
Kommunikation – meist in Englisch – ist der Alltag geworden.
Kommunikative Abschottung von Märkten ist in Zeiten von Social Software und
Blogs unmöglich. Ist man global aktiv, folgen auch früher oder später
Kommentare, Bewertungen und Meinungen zum Unternehmen, die irgendwo auf der
Welt abgesetzt werden und die eigene Identität im Internet beeinflussen.
Parallel entstehen zudem globale Communities, beispielsweise ganz neue
Zielgruppen, die sich im Internet ihre gemeinsamen Austauschplattformen bauen.
Dies erfordert zwangsläufig Beobachtung und auch Ressourcen, die gestaltend
eingreifen und steuern können.
International tätige Unternehmen müssen deshalb – wenn
sie einen einheitlichen den Unternehmenszielen entsprechenden Markenauftritt
wünschen – die Steuerung und Gestaltung ihrer internationalen
Kommunikation als zentrale Aufgabe betrachten. Und sie müssen lokale Expertise
sichern, die vor Ort die marktspezifische Umsetzung sicherstellen. Nur wer soll
das alles tun?
Make and buy!
Zunächst muss es im Unternehmen eine Person oder ein Team
geben, das verantwortlich das Thema Internationalisierung vorantreibt und
später aussteuert. Gerade für den Einstieg in neue Märkte wird es jedoch keinem
Vorstand vermittelbar sein, das man für jedes Land in der Zentrale oder in den
Länderniederlassungen sofort – sofern überhaupt verfügbar - einen
PR-Spezialisten einstellt. In den meisten Fällen suchen Unternehmen nach einer
passenden Agentur, die vom Heimatland aus ein Netzwerk von lokal tätigen
Auslandspartnern steuert. Alternativ bietet sich die Möglichkeit, direkt im
jeweiligen Land eine Partneragentur zu suchen. Internationale unabhängige
Agenturnetzwerke, wie beispielsweise Constella und andere, bieten hier
mittlerweile Beratung und frei skalierbare Services, die es Unternehmen leicht
machen, international schnell und kostengünstig Flagge zu zeigen.
Service-Angebote von Netzwerken:
Bedarfsanalyse, Agenturauswahl und Netzwerkorganisation
Internationales Account
Management (zentrale Konzeption von Maßnahmen, übergeordnete Planung und
Steuerung aller Aktivitäten, Steuerung und Support der Auslandsagenturen,
Qualitäts- und Erfolgskontrolle).
Länderübergreifendes Kommunikations-Know-how (Corporate
und Produkt-PR für Consumer und B2B-Themen, Issues Management, Agenda- und
Themensetting, Stakeholder Relations, Medienservices und Online-Relations, internationale
Veranstaltungen und Events sowie internationale Medienbeobachtung)
Ein solches Netzwerk kann nach Bedarf des Kunden wachsen, und
das Leistungsvolumen ist flexibel anpassbar. Man gewinnt lokale Expertise, kann
Steuerungslogistik outsourcen und vor allem Beratungs-Know-how zukaufen. Dass
dieser Weg sehr erfolgversprechend sein kann, belegt die lange Liste vieler
sehr prominenter US-Unternehmen aus der IT-Industrie, die genau nach diesem
Muster ihren Markteintritt in Europa oder Deutschland kommunikativ begleitet
haben. Warum also nicht auch aus Deutschland heraus?
Der oft gefürchtete „Kontrollverlust“ oder die „Abhängigkeit
von Agenturen“ ist zu vernachlässigen. Für das expandierende Unternehmen ist es
jederzeit möglich, die externen Ressourcen durch eigene lokale Ressourcen zu
ersetzen oder zu ergänzen. Es geht als nicht um „Make or Buy“ sondern um „Make
AND Buy“. Nur dann wird man in der bei Technologieprodukten benötigten
Geschwindigkeit alle mit der Internationalisierung verbundenen Fragen beantworten
können und schnell zu Arbeitsergebnissen kommen, die für jeden erfolgreichen
Markteintritt notwendig sind
Technologiekommunikation international
Als Spezialagentur für Technologiethemen betreut Fink &
Fuchs PR seit Jahren erfolgreich kleine und mittlere Unternehmen sowie große
global agierende Technologie-Unternehmen in Deutschland und anderen
europäischen Märkten. Aufgrund der zunehmenden Globalisierung steigt die
Nachfrage nach Beratung und Services in West- und Osteuropa, den USA und auf den
asiatischen Märkten an.
Da Fink & Fuchs PR selbst keine Niederlassungen in
anderen Ländern betreibt, wurden in den vergangenen Jahren Verbindungen zu
Agenturen rund um den Globus aufgebaut. Darüberhinaus ist die Agentur seit 2006
Partner des Constella Netzwerks, einem globalen Verbund unabhängiger auf
Technologiekommunikation spezialisierter Agenturen und bietet damit
interessierten Unternehmen lokales Spezialwissen und Themen-Expertise
kombiniert mit der Infrastruktur eines internationalen Netzwerks.
Diese Konstellation hat – im Gegensatz zu den großen
internationalen Agenturnetzwerken – gleich mehrere Vorteile: der Kunde
kann in den wichtigsten Märkten unter mehreren Partnern den zu ihm am besten
passenden auswählen oder sogar bestehende Agenturbeziehungen in das für ihn
aufgebaute Netzwerk einbeziehen. Fink & Fuchs ist gleichzeitig frei in der
Wahl des Auslandspartners und sucht den für die jeweilige Aufgabe Passenden
aus.
Der Aufbau einer internationalen PR-Infrastruktur ist mit
Sicherheit keine triviale Aufgabenstellung. Gute Vorabrecherche, umfassende
Planung, sorgsame Partnerauswahl, Installation einer effizienten Organisation
und eine auch über Grenzen hinweg tragfähige Konzeption sind die
Grundvoraussetzungen. Wie auch immer man sich entscheidet, wichtig ist, dass
Kommunikationsprozesse implementiert sind und sich die beteiligten Parteien
regelmäßig abstimmen.
Unser Tipp:
Sprechen sie mit Kollegen, suchen Sie nach Referenzen und
Austauschplattformen im Web oder dem wirklichen Leben, lesen sie sich ein oder
lasen sie sich beraten. Die nachfolgenden Quellen helfen dabei vielleicht ein
Stück weiter.
Einen guten Einblick in das Geschehen auf dem internationalen
PR-Parkett gibt der wöchentliche Newsletter „the holmes report“, herausgegeben
von der US-amerikanischen Holmes Group. Dieser kann über die Webseite:
www.holmesreport.com kostenpflichtig abonniert werden.
Wer sich einmal mit internationalen PR-Kollegen austauschen,
einen Einblick in internationale PR-Kampagnen bekommen und Kontakte zu PR
Professionals aus der ganzen Welt knüpfen möchte, kann dies auf dem
International Public Relations Association Summit 2007 am 14. und 15. November
2007 in London tun.
Zum Weiterlesen:
Public Relations ohne Grenzen? Eine explorative Analyse der
Beziehung zwischen Kultur und Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen. Autorin:
Simone Huck, VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GbmH,
Wiesbaden, 2004. 34,90 Euro. ISBN 3-531-14158-9
Dabei handelt es sich um eine wissenschaftliche Arbeit zur
kulturellen Dimension von Öffentlichkeitsarbeit und der Internationalisierung
von Public Relations. Die Autorin verknüpft PR-Wissen mit Erkenntnissen der
Kulturforschung.
Internationale Unternehmenskommunikation im
Globalisierungsprozess von Susanne Andres. VS Verlag für Sozialwissenschaften,
Dezember 2004, 392 Seiten. 36,90 Euro. ISBN-10: 3531141465.
Die Anforderungen an die internationale PR von
Wirtschaftsunternehmen haben sich durch die Globalisierung verändert. Ein
interdisziplinäres theoretisches Modell ist erforderlich, welches neben
relevanten Aspekten des Globalisierungsdiskurses aus der PR-Wissenschaft bzw.
Kommunikationswissenschaft, Aspekte des Globalisierungsdiskurses der
Soziologie, den Wirtschaftwissenschaften und der Kulturtheorie integriert.
Lokal oder Global? Strategien und Konzepte von
Kommunikations-Profis für
internationale Märkte. (Taschenbuch) von Klaus- Peter
Johanssen (Hrsg.), Ulrich Steger (Hrsg.) Frankfurt a. M. 2001, 392 Seiten. Ca.
25 Euro. ISBN-10: 3927282952.
Die Herausgeber und ihr Autorenteam prominenter
Kommunikationsexperten legen eine Analyse erster Erfahrungen auf dem Feld der
internationalen Unternehmenskommunikation vor. Sie gehen der strategischen
Bedeutung einer "internationalisierten" Unternehmenskommunikation
ebenso auf den Grund wie der tagespolitischen Taktik, die es unter den
veränderten Bedingungen eines "globalisierten" Marktes zu verfolgen
gilt.
The Global Public Relations Handbook: Theory, Research, and
Practice. Hrsg.: Krishnamurthy Sriramesh und Dejan Vercic. Lawrence Erlbaum
Associates Inc. Juni 2003. 564 Seiten. Ca. 149 Euro. ISBN-10: 0805839224. Zu
bestellen bei Amazon.
Nach einer theoretischen Einführung über Forschung und Praxis
globaler Public Relations wird in verschiedenen Beiträgen über die PR-Praxis in
unterschiedlichen Ländern berichtet. Dabei stehen der Einfluss der politischen
Rahmenbedingungen, der wirtschaftlichen Entwicklung, der Kultur und der
Medienlandschaft im Mittelpunkt. Fallbeispiele veranschaulichen die
PR-Praktiken in den jeweiligen Ländern. Im zweiten Teil des Buches beschäftigen
sich die Autoren mit globaler PR multinationaler Unternehmen, ausländischer Regierungen,
internationaler Organisationen, Non Governmental Organisations und der
Arbeitsweise international tätiger PR-Agenturen.
Weitere Texte zu internationaler PR sowie Case Studies zum
kostenlosen Download finden Sie auf folgender Seite: http://www.instituteforpr.org/index.php/ipr/research/international/