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Sie sehen den Artikel: Ein Hauch von Ewigkeit. Veröffentlicht am: 13.05.2008
 
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Weltkulturerbe digital

 

Ein Hauch von Ewigkeit

 

In Zeiten unablässigen Datenwachstums in nahezu allen Lebensbereichen kommt es vor, dass wir vergessen, wie kostbar und fragil viele dieser Informationen sind – insbesondere, wenn sie unser kulturelles Erbe betreffen. Doch hin und wieder werden wir brutal daran erinnert, was uns unwiderruflich verloren geht, wenn diese Daten nicht mehr auffindbar sind: Im Februar 2007 gaben NASA-Mitarbeiter zu, dass die original Tonaufzeichnungen der ersten Mondbegehung verschwunden seien. Im September 2004 zerstörte ein verheerender Brand in der Anna Amalia Bibliothek mehr als 50.000 Bände ihres wertvollen Bestandes aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Seit dem Jahr 2000 betreibt Südkorea eine groß angelegte Kampagne, um den verloren gegangene Band der zweibändigen Jikji-Kollektion wiederzufinden. Die kostbare Sammlung buddhistischer Lehren ist mittlerweile als erstes Dokument weltweit anerkannt, das mit beweglichen Metall-Lettern gedruckt wurde, bereits 70 Jahre vor der Gutenberg Bibel.

 

Weltweit haben diese Vorkommnisse große Beachtung gefunden – geht doch mit jedem Verlust ein Teil unserer Geschichte verloren – und dafür gesorgt, dass Organisationen und Unternehmen sich zunehmend für die Digitalisierung unseres kulturellen Erbes stark machen. Egal ob historische Dokumente, literarische Manuskripte, Fotografien, Ton-, Film- oder Audioaufzeichnungen, sie alle werden durch eine Digitalisierung nicht nur geschützt sondern können auch via Internet einer breiten Masse rund um den Globus zur Verfügung gestellt werden. Im Zuge dessen ist zwangsläufig auch die Diskussion darüber entbrannt, welche Standards und Vorgehensweisen sich am besten für die Archivierung und Bereitstellung des digitalen Kulturerbes eignen.

 

JFK Presidential Library demokratisiert Informationen

 

Eines der ambitionierten Projekte in diesem Zusammenhang hat die „John F. Kennedy Presidential Library and Museum“ in Boston gemeinsam mit der „National Archives and Records Administration“ ins Leben gerufen. Die von EMC und der John F. Kennedy Library Foundation gesponserte Initiative realisiert damit das erste digitale Archiv einer kompletten Amtsperiode eines Präsidenten. Während der nächsten zehn Jahre wird die gesamte präsidiale Sammlung der Bibliothek digitalisiert, indiziert, archiviert und via Internet (www.jfklibrary.org) zur Verfügung gestellt. Das Projekt dient als Modell für elf weitere präsidentiale Bibliotheken der National Archives.

 

„Hier geht es tatsächlich um die Demokratisierung von Informationen“, erklärt Ron Whealan, Chef-Bibliothekar der Kennedy Library und Mitglied des Projektteams. „Unsere Sammlung wird dann für jeden zugänglich sein. Nicht nur für Wissenschaftler und Historiker, die über die nötigen Mittel für eine Reise nach Boston verfügen.“ Die Menschen werden sich intensiv mit den Ereignissen der Kennedy-Ära beschäftigen können: mit dem Civil Rights Movement, dem Wettrennen um die erste bemannte Mondlandung, den Spannungen mit der Sowjetunion während des Kalten Krieges sowie der Kuba-Krise, die die Welt damals an den Rand eines Atomkrieges gebracht hat.

 

Eine Mammutaufgabe

 

Zunächst einmal wird das Team um Ron Whealan mit der Digitalisierung von Präsident Kennedys Dienstakten beginnen: insgesamt 190.000 Dokumente inklusive geheimer Aufzeichnungen von Meetings und Telefonaten aus dem Oval Office. „Neben den Akten der National Security ist dies die wahrscheinlich bedeutendste Sammlung der Bibliothek“, sagt Whealan. „Sie bietet außergewöhnliche Einblicke in die Arbeitsweise des Weißen Hauses. Wir nutzen sie als Testumgebung, um die bestmögliche Vorgehensweise für die Digitalisierung einer solchen Masse an Material zu finden.“ Die Herausforderungen dabei sind vielfältig und teilweise sehr komplex: Wie klassifizieren wir Millionen von Textseiten so, dass der historische Kontext, in dem sie entstanden sind, erhalten bleibt? Wie muss ein begehrtes Foto indiziert werden, um es in der riesigen Menge digitaler Informationen wiederzufinden? Wie stellen wir sicher, dass die Dateien lesbar bleiben, auch wenn sich im Laufe der Jahre technologische Standards, Hard- und Software verändern?

 

Um diese Fragestellungen zu beantworten, tauscht sich das Projektteam der JFK-Library regelmäßig mit anderen Institutionen aus. Oft stellen Whealan und seine Kollegen dabei fest, dass sie bereits um einiges weiter sind, als andere Organisationen. Nichtsdestotrotz bleibt es für sie eine unvorstellbar große Aufgabe und Herausforderung, die 12 Millionen Textseiten, 9000 Stunden Ton, zirka 2,3 Millionen Meter Film- und 1200 Stunden Videoaufzeichnungen sowie 150.000 Fotografien zu archivieren und damit den Menschen weltweit zur Verfügung zu stellen sowie der Nachwelt hoffentlich auf ewig zu erhalten.

 

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