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Sie sehen den Artikel: Auf dem Weg zur erinnerungslosen Gesellschaft?. Veröffentlicht am: 16.11.2006
 
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Auf dem Weg zur erinnerungslosen Gesellschaft?

 

Langzeitarchivierung war schon für die alten Ägypter ein Thema. Ihre Strategie war so gut, dass die Informationen auch nach zwei Jahrtausenden noch verstanden werden. Heute laufen wir Gefahr, gespeicherte Daten schon nach wenigen Jahren nicht mehr lesen geschweige denn nutzen zu können. In Zeiten, in denen durch die zunehmende Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitswelten immer mehr Informationen erfasst und gespeichert werden, ist eine vernünftige Archivierungsstrategie wichtiger denn je. Archivierung muss sein. Das sieht nicht nur der Gesetzgeber so, sondern auch alle Beteiligten in Unternehmen und Behörden. Gesetzliche Archivierungsvorschriften sind nicht der einzige Antrieb für Unternehmen, ihre geschäftskritischen Informationen in digitaler Form für die Zukunft zu sichern. Die Firmen haben auch ein erhebliches Eigeninteresse an erfolgreichen Archivierungsstrategien. Schließlich wollen sie sicherstellen, dass ihre Unterlagen auch in 10, 15 oder 50 Jahren noch verfügbar und lesbar sind.

 

Um es vorweg zu nehmen: die langfristige Aufbewahrung digitaler Inhalte ist ein äußerst dynamischer Prozess, der schon mit der richtigen Erfassung der Bits und Bytes beginnt und sich über deren Strukturierung, Speicherung, Verteilung bis hin zur Archivierung zieht. Ohne geeignete Dokumenten-Management-Systeme, sprich Enterprise Content Management (ECM)  geht es deshalb nicht. Heute gilt es den Medienmix im Unternehmen zu konsolidieren und mit zukunftsweisenden Technologien skalierbar zu halten. Offene Systeme und Standardformate sind eine Voraussetzung für die langfristige Lesbarkeit wichtiger Informationen. Doch wollen diese Daten in komplexen Umgebungen auch wiedergefunden werden. Zusätzlich müssen Generationen von Software-Versionen und Betriebssystemen verwaltet werden.

 

So wie Unternehmen und Behörden Geschäftskritisches speichern und archivieren, haben auch Bibliotheken und Museen damit begonnen, elektronische Abbildungen ihrer kulturellen Schätze dauerhaft zu speichern, um wenigstens diese vor Katastrophen wie dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB) zu schützen. In einem solchen Kontext wird Unternehmen wie auch wissenschaftlichen Einrichtungen und Behörden bewusst, wie flüchtig digitale Daten sind und wie groß die Gefahr ist, zu einer „erinnerungslosen Gesellschaft“ zu werden. Erstere haben dabei die Archivierungsfristen für die Bilanzbuchhaltung im Blick, während letztere schon aufgrund ihres Auftrags ein deutlich langfristigeres Interesse an dem Thema digitale Langzeitarchivierung haben. Bibliotheken wie die Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB) scannen ihre Kulturschätze ein und stellen Sie in verschiedenen Qualitätsstufen für interessierte Laien, Forschungszwecke und als Druckvorlage für Nachdrucke vorhalten. Ziel des Projektes ist, die wichtigsten Werke im Internet verfügbar zu machen und gleichzeitig die kostbaren Originale vor übermäßiger Benutzung zu schützen.

 

Das digitale Dilemma

 

Die dauerhafte Archivierung von digitalen Inhalten bringt erhebliche Herausforderungen mit sich. Elektronisch gespeicherte Informationen können ohne ein geeignetes Lesegerät nicht dargestellt werden. Im Gegensatz zu gedrucktem Material, dass lediglich dem zeitlich bedingten Materialverfall unterliegt, muss bei digitalen Inhalten immer auch der technologische Fortschritt berücksichtigt werden. Neue Anwendungen oder auch nur Software-Versionen sowie Innovationen bei Speichermedien erfordern kontinuierliche Aufmerksamkeit.  Es braucht eine Strategie zur Migration oder Emulation sowie offene Formate.  Hier sind die Hersteller von Anwendungen und Speicherinfrastrukturen aufgefordert, an der Entwicklung von einheitlichen technischen Mitteln, Schnittstellen, Lieferverfahren und Methoden mitzuarbeiten, die den Bedürfnissen der langfristigen Archivierung von digitalen Inhalten gerecht werden.

 

Fehlende Standards und Verfahren

 

Gerade die Hardware stellt Bibliotheken vor besondere Herausforderungen. Die begrenzte Haltbarkeit heute gängiger Medien zwingt die Verantwortlichen zu teils umständlichen Verfahren, deren Ergebnis sie selbst mit Skepsis betrachten. So beschreibt Dr. Michael Knoche, Direktor der HAAB, als Beispiel ein Verfahren, das in seiner Einrichtung zum Einsatz kommt: „Wir belichten die Digitalisate inklusive Metadaten auf dauerhaftem Mikrofilm aus, so dass in Zukunft unabhängig von der heutigen Hardware diese Daten wieder ausgelesen und nachgebaut werden können.“ Diese Mikrofilme werden im Rahmen des Zivilschutzgesetzes im zentralen Bergungsort der Bundesrepublik im Schwarzwald archiviert. Ein solches Verfahren funktioniert jedoch nur bei statischen Dokumenten wie Büchern. Bei interaktiven Anwendungen wie Webseiten mit angeschlossenen Datenbanken stößt es an seine Grenzen. Die Hersteller sind daher gefordert, Speicherplattformen zu entwickeln, die einerseits die Konsistenz der Daten dauerhaft sichern, gleichzeitig jedoch auch einen einfachen Migrationsprozess auf neue Speichertechnologien erlauben. Hier hat sich das Archivsystem EMC Centera bewährt, dass ebenfalls von der Herzogin Anna Amalia Bibliothek eingesetzt wird.

 

Mindestens ebenso gravierend ist jedoch die Frage des Datenformats, in dem digitale Inhalte archiviert werden sollen. Hier ist Herstellerunabhängigkeit ganz entscheidend. Nur so lässt sich vermeiden, dass Dokumente irgendwann nicht mehr gelesen werden können, weil der Hersteller die Unterstützung für ein Format aufgekündigt hat. Der eigentliche Prozess beginnt daher bei der Erstellung unstrukturierter Dokumente durch einen Autoren, oder der Erfassung durch Scannen, Bildbearbeitung oder Formularverarbeitung. Natürlich ist es sinnvoll, alle Dokumente in Standard-Formaten wie XML, TIFF Group 4, Adobe PDF oder JPEG zu speichern und zu archivieren. Gleichzeitig sollte auch der bereits abgelegte Informationsbestand auf seine Formatvielfalt hin überprüft werden. Sollen Dokumenten ohnehin der Archivierung zugeführt werden, ist eine frühe Konvertierung in den ISO-zertifizierten Archiverungsstandard PDF/A sinnvoll, der aus dem weithin bekannten PDF-Format von Adobe hervorgegangen ist.

 

Die Stecknadel im Heuhaufen

 

Egal ob im Unternehmen oder im Bibliotheksarchiv, alle Inhalte, die einmal in digitaler Form vorliegen, müssen intelligent geordnet werden, damit sie auch irgendwann einmal wieder gefunden werden können. Erfasste Dokumente sollten mit Hilfe von Metadaten klassifiziert und kategorisiert werden. Informationen wie Dokumententyp, Autor, Zugriffsrechte oder Verfallsdatum strukturieren die Informationsflut und machen sie über Anwendungen hinweg recherchierbar. Bei größeren Unternehmen mit hohem Datenaufkommen kann diese Phase schnell zur Mammutaufgabe werden. Eine große Hilfe sind hier Software-Module, die die Klassifizierung der Unternehmensdaten automatisieren. Die Ergebnisse der Klassifizierung dienen dann zur Kategorisierung oder als Suchbegriffe, die in die Metadaten der Inhalte einfließen. Viele Anwender tun sich schwer damit, die Metadaten bei der Erzeugung von Inhalten konsistent einzugeben. Das schränkt die Wiederauffindbarkeit und programmierte Verarbeitung von Inhalten erheblich ein. Ein entsprechendes Programm schlägt bei der Datenerstellung automatisch Metadaten vor, die der Anwender annehmen oder ablehnen kann. Die Erarbeitung von Kategorien von Grund auf kann zur gewaltigen Aufgabe werden, für die zahlreiche Funktionen in der Organisation zusammenwirken müssen. Um diesen Prozess zu erleichtern, gibt es Software mit vorbereiteten Taxonomien (Hierarchieren von Kategorien) für eine Reihe verschiedener Branchen und Aufgabenbereiche.

 

Archivsilos reduzieren oder zusammenführen

 

Die absolute Anzahl der Speichermedien sollte so klein wie möglich gehalten werden, um die Administration zu vereinfachen und die Systeme fit für die Anforderungen der Zukunft zu machen. Mit dem Preisverfall bei Festplattenspeichern geht der Trend ganz klar weg von Magneto-optischen Technologien, CD-ROM oder DVDs. Auch WORM-fähige Magnetbänder laufen den Archiv-Jukeboxen von einst den Rang ab. Trotzdem müssen ältere Technologien nicht gleich entsorgt werden. Je nach Anforderung im Unternehmen können diese nach wie vor ausreichend sein. Entsprechende Archivierungssoftware hilft zudem dabei, sämtliche Archivsilos in einem virtuellen Speicherpool zu verwalten. Um die Lesbarkeit der Daten zu gewährleisten, empfiehlt das Bundesarchiv in Köln, CDs und DVDs alle fünf Jahre umzukopieren. Wer sich von den glänzenden Scheiben trennen möchte, sollte ihren Datenbestand sorgsam prüfen und auf entsprechende Speichermedien migrieren. Auch Mikrofilme sind in den Unternehmen immer noch ein weit verbreitetes Archivmedium. Da es sich um eine analoge Technologie handelt, sollten Mikrofilme nur der nachgeordneten Archivierung bereits digitalisierter Dokumente dienen. Einzig auf Mikrofilm gebannte steuerlich relevante Belege haben dort seit Einführung der GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) im Jahr 2001 nichts mehr zu suchen, oder sollten schnellstens gescannt und einem digitalen Speicher zugeführt werden.

 

Magnetbänder sind als Archivdatenträger weiterhin äußerst populär. Der Wehrmutstropfen dabei: die Bänder sollten alle zwei Jahre ausgewechselt werden, da ihre Magnetisierung nicht von Dauer ist. Vor dem Zugriff lädt ein Lesegerät jedes Band, was zu Wartezeiten führt. Hier muss jede Organisation selbst entscheiden, wie schnell sie auf Archivdaten zugreifen muss und ob es lohnt, sich eher der schnelleren Plattenspeicherung zuzuwenden. Mit Einführung der CAS-Technologie (Content-Addressed-Storage) vor einigen Jahren drängen auch die Festplattenhersteller in den Archivierungsmarkt. CAS archiviert langlebige, gleich bleibende Informationen auf Plattenbasis revisionssicher. Direkt mit ECM- und DMS-Systemen gekoppelt, erlaubt ein solches Speichersystem den schnellen Online-Zugriff auf Archivdaten. Im Vergleich mit den Tape-Klassikern verbrauchen die CAS-Archive zwar mehr Strom und sind aufgrund ihrer Software-Intelligenz wartungsanfälliger. Vorteile wie der RAID-Schutz der Archivdaten, die automatische Migration auf neue Hardware-Generationen, die programmierbare Löschung von Informationen, integrierte Rechteverwaltung sowie die höhere Performance stechen Tape-Libraries allerdings rasch aus. Hinzu kommt, dass Anwender, die wenig Stellplatz zur Verfügung haben oder diesen mieten müssen, bei Plattenarchiven nur mit höchstens zwei 19-Zoll-Gehäusen im Rechenzentrum kalkulieren müssen.

 

Moderne Dokumentenablage und  Langzeitarchivierung

 

Wer sich zu lange ziert und seine Datenablagetechnologien nicht kontinuierlich modernisiert, riskiert die digitale Erinnerungslosigkeit: Informationen können nicht in angemessener Zeit oder aufgrund mangelnder Indizierung gar nicht wieder aufgefunden werden. Die eingangs erwähnte ägyptische Methode der Langzeitarchivierung ist für flüchtige, digitale Informationen leider nicht praktikabel. Viel Augenmerk sollten Unternehmen, die ein Enterprise Content Management einführen, daher auf die Skalierbarkeit von Formaten, Anwendungen und Systemen legen. Denn um die regelmäßige Nachrüstung und Modernisierung der vorhandenen Medien und Infrastruktur kommt nach heutigem Stand der Archivierungstechnik keine IT-Abteilung herum.

 

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Autor

Titel:                Herr

Vor- und Nachname:       Malte Rademacher

Funktion:     Regional Marketing Director Europe Central/East und Pressesprecher

Unternehmen/Organisation:                 EMC Deutschland GmbH

Straße:          Am Kronberger Hang 2a

PLZ und Ort:                        D-65824 Schwalbach/Taunus

Tel.                  06196/4728-0

Fax                   06196/4728-218

eMail               rademacher_malte@emc.com

 

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