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Sie sehen den Artikel: Herzogin Anna Amalia Bibliothek baut Online-Archiv für kostbaren historischen Buchbestand auf. Veröffentlicht am: 18.11.2005
 
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Weltkulturerbe startet in die digitale Zukunft

 

Herzogin Anna Amalia Bibliothek baut Online-Archiv für kostbaren historischen Buchbestand auf

 

1766 zog auf Weisung der Herzogin Anna Amalia die höfische Büchersammlung in das Grüne Schloss in Weimar um. Seitdem hat sich die Bibliothek der Aufgabe gewidmet, Kulturgut zu sammeln und zu bewahren. Heute umfasst ihr weltberühmter historischer Bestand unersetzliche Schätze wie die Faust-Sammlung mit 14.000 Bänden sowie Landkarten und Atlanten aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Damit gehört die Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB) zur Wiege der deutschen klassischen Kultur und ist Teil des Gesamtensembles Weimarer Klassik, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt wurde. Um die historischen Werke dauerhaft zu schützen, begann die Bibliothek schon vor drei Jahren im Rahmen der Maßnahmen der Bundesregierung zum Schutz von Kulturgut mit ihrer digitalen Sicherung. Welcher Verantwortung für den Schutz unseres Kulturguts die HAAB damit nachkommt, verdeutlicht der verheerende Brand des Bibliotheksgebäudes im September 2004 (siehe Kasten: Der Brand und die Folgen). Doch die HAAB geht über die Sicherungsverfilmung, wie sie das Bundesamt für Zivilschutz vorschreibt, hinaus: Die digitalen Abbildungen werden in einem Online-Archiv erfasst und stehen einem weltweiten Publikum im Internet zur Recherche und zur Einsicht zur Verfügung (siehe Kasten: Weltkultur digital).

 

Dichter und Denker digital

 

Ziel des Projektes ist, die wichtigsten Werke im Internet verfügbar zu machen und gleichzeitig die kostbaren Originale vor übermäßiger Benutzung zu schützen. Durch die Digitalisierung des historischen Bestands kann die Bibliothek darüber hinaus künftig einen besseren und schnelleren Service für Wissenschaftler und Verlage anbieten, die einzelne Seiten oder ganze Bücher für Recherchen oder Nachdrucke benötigen. Auf Basis der so genannten Digitalisate lassen sich erheblich bessere und günstigere Reprints erstellen, ohne die Originale jedes Mal neu zu belasten.

 

Ausgewählt werden die Objekte nach Kriterien wie Farbigkeit, Material, Alter, Sammlungsbezug, Seltenheit und Herkunft. So ist beispielsweise geplant, die gesamte Faust-Sammlung der Bibliothek zu erfassen. Sie stellt mit etwa 14.000 Werken die größte Sammlung zu diesem Thema dar und beinhaltet unter anderem die ersten literarischen Zeugnisse vom Leben des historischen Fausts über die Faust-Dichtungen Goethes und seiner Zeitgenossen bis hin zu deren Fortwirken in der Weltliteratur, in der Musik, in der darstellenden und bildenden Kunst.

 

Einzug ins Web

 

Die HAAB hat im Rahmen des Projekts mittlerweile gut 125 Bücher digitalisiert. Im ersten Schritt wird mit einem Hochleistungsscanner jede einzelne Seite abfotografiert. Dabei können Formate bis A0 sowie unterschiedlichste Vorlagen wie Buchseiten, Umschläge, Grafiken, Fotos, Gemälde mit Rahmen, Reliefs, Miniaturen usw. erfasst werden. Dieses Verfahren ist besonders flexibel und schonend für die Originale. Die digitalen Bilddaten werden sodann geprüft, gegebenenfalls nachbearbeitet und in einem Dokumenten-Management-System erfasst, beschrieben und indiziert. Im Anschluss erstellt die Bibliothek von jeder Seite JPEG-Dateien in unterschiedlicher Größe für die Eintragung in das Online-Archiv. Dafür hat EMC sein Speichersystem Centera mit einer Kapazität von 28 Terabyte zur Verfügung gestellt. Nach und nach werden so die historischen Werke für Interessierte aus aller Welt im Internet nutzbar gemacht, wie sie auch langfristig für die Nachwelt archiviert und gesichert werden.

 

Der Brand und die Folgen

 

Am 2. September 2004 verursachte ein defektes Kabel im Dachboden der Herzogin Anna Amalia Bibliothek den größten Bibliotheksbrand in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Drei Tage lang vernichteten die Flammen kostbare Werke und richteten großen Schaden im historischen Rokokosaal an. Mehr als neunhundert Helfer von der Feuerwehr über das Technische Hilfswerk, Rotes Kreuz und Mitarbeiter der Bibliothek und anderer Kultureinrichtungen bis hin zu Weimarer Bürgern haben in der Brandnacht und in den Tagen danach wertvolle Kunstwerke und zehntausende Bücher evakuiert oder aus dem Brandschutt geborgen.

 

Mindestens 50.000 Bände sind als Totalverlust zu verbuchen. Weitere 62.000 Bände wurden durch das Löschwasser und den Brand zum Teil stark beschädigt. Insgesamt rechnet die Bibliothek damit, dass die Restaurierung der geschädigten Bücher mehr als 10 Jahre dauern wird. Für diese Arbeit veranschlagt sie etwa 20 Millionen Euro. Für die Wiederbeschaffung von Büchern, die auf dem Buch- und Antiquariatsmarkt erhältlich sind, rechnet sie mit weiteren 47 Millionen Euro. Nicht kalkulierbar sind jedoch Verluste wie die unersetzbare Musikaliensammlung der Anna Amalia.

 

Weitere Informationen zum Brand:

http://www.anna-amalia-bibliothek.de

 

Weltkultur digital

 

Durch das Scannen entstehen für jede einzelne Seite Rohdaten mit bis zu 145 MB, die sämtliche Bild- und Farbinformationen enthalten. Diese werden sodann in verschiedene Formate für die Weiterverarbeitung konvertiert. Als Basis für die Sicherungsverfilmung dienen TIFF-Dateien, die ebenfalls bis zu 145 MB groß sein können. Die Grundlage für die Einstellung in die Bibliotheksdatenbank bilden JPEG-Dateien in drei verschiedenen Auflösungen für die Detailansicht, eine Vorschau sowie ein Thumbnail. Diese werden auf dem Online-Archivsystem EMC Centera gespeichert, wobei Daten mit einem Volumen von 0,5 bis 5 Megabyte je Seite entstehen.

 

Für den Aufbau dieses über das Internet einsehbare Archivs stellt EMC das Langzeitspeichersystem Centera mit einer Kapazität von 28 Terabyte zur Verfügung. Das plattenbasierte Archiv wurde eigens für die langfristige Aufbewahrung unveränderlicher digitaler Inhalte – so genanntem Fixed Content – entwickelt. Aufgrund seiner Architektur ist Centera hochskalierbar, eignet sich für die Online-Speicherung und bringt die notwendigen Voraussetzungen mit, um den historischen Bibliotheksbestand aufzunehmen und für das Internet verfügbar zu machen.

 

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18.11.2005
EMC Centera
Historische Schätze - digital gesichert -online verfügbar
18.11.2005
EMC Centera
Historische Schätze - digital gesichert -online verfügbar
 
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