ILM und Archivierung werden oft synonym verwendet –
zu unrecht!
Licht im Dschungel der Buzzwords
Seit der Antike sammelt und
archiviert der Mensch Dokumente und Informationen. Mit Zuwachsraten von 30
Prozent entsteht jährlich immer neues Wissen. Diese ungebremste
Datenexplosion erfordert ausgeklügelte Systeme zur Klassifizierung und
Einordnung der vorhandenen Informationen. Dieser Aufgabe widmen sich
verschiedene Ansätze, die ursprünglich für spezifische
Teilaufgaben entwickelt wurden: das klassische Archiv, Enterprise Content
Management (ECM), Dokumenten Management Systeme (DMS), Record Management und in
letzter Zeit vermehrt auch das so genannte Information Lifecycle Management
(ILM). Jeder Ansatz beansprucht für sich, Wissen in Organisationen nutzbar
zu machen. Dementsprechend groß ist die Begriffsverwirrung. Gerade ILM
und Archivierung werden gerne als Synonyme verwendet. Doch die Unterschiede
bezüglich der Zielsetzung und des Nutzens dieser Konzepte sind erheblich.
Endstation Archiv
Dem Archiv haftet ein
verstaubtes Image an, wie die Definition des vom griechischen Archeion
(Rathaus) abstammenden Wortes verheißt: „Einrichtung zur
systematischen Erfassung, Ordnung, Verwahrung, Verwaltung und Verwertung von
Schriftgut, Bild- und Tonträgern, die seit dem 19. Jahrhundert vorwiegend
der Geschichtsforschung dient.“ Wer sich heute mit einem
IT-Verantwortlichen unterhält, bekommt sicher eine abweichende Definition,
doch die Aufgabenstellung ist noch immer die selbe: Das Archiv ist die
Endstation für alle Dokumente, die in den aktiven Prozessen einer
Organisation nicht mehr benötigt werden. Mittlerweile verfügt jedes
Unternehmen über ein Datengedächtnis für steuerlich, rechtlich
oder organisatorisch relevante Dokumente. Mit der Digitalisierung vieler
Prozesse stellt sich aber die Frage, ob das Archiv nicht als
Einbahnstraße zur Endlagerung ausgedient hat.
Das Problem beschreibt
Bernhard Zöller von der Unternehmensberatung Zöller & Partner
sehr anschaulich: „Häufig genügt es nicht, Dokumente erst am
Ende ihres Lebenszyklus abzulegen, wenn keine Veränderungen mehr
vorgenommen werden. In vielen Anwendungen ist der gesamte Lebenszyklus eines
Dokuments zu gestalten und zu überwachen (...). Solche Anforderungen
entstehen nicht immer freiwillig, sondern auch durch rechtliche
Vorgaben.“ Dabei bestehen Dokumente oftmals aus einer Vielzahl digitaler
Objekte aus verschiedenen Systemen. Um diese Daten in nutzbares Wissen zu
verwandeln, braucht es intelligente Systeme zur Bewertung und Klassifizierung.
Dieser Vorgang setzt mit der Entstehung der Information ein und begleitet sie
über den gesamten Lebenszyklus hinweg bis zur Löschung. Das dahinter
stehende Konzept nennt sich Information Lifecycle Management. Kontinuierlich
werden Daten nach ihrem Wert für Geschäftsprozesse analysiert.
Ändern sich die Anforderungen, werden die Daten automatisch auf eine neue,
passende Speicherebene verschoben. ILM-Konzepte senken Kosten für das
Informations-Management indem sie vorhandene Speicher-Ressourcen besser
ausnutzen, Service Level nach den Anforderungen von Anwendungen optimieren und
die Administration durch automatisierte Prozesse entlasten.
Das Archiv als Bestandteil von ILM
Worin liegt nun der
Unterschied zwischen ILM und Archivierung? „Archivsysteme basieren in der
Regel auf der Kopplung von Plattenspeichern mit Bandrobotern oder Jukeboxen
über eine Archivkomponente“, erklärt Christian Raum,
Chefredakteur der Zeitschrift Info 21. Sobald ein Datensatz nicht mehr aktiv
benötigt wird, wird er ausgelagert. Der Zeitpunkt der Archivierung
hängt in der Regel vom Alter oder dem Zeitraum seit der letzten
Änderung ab. ILM arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip. Allerdings
werden hier alle Speicherebenen vom Highend-System über Midrange-Speicher,
CAS-Systeme bis hin zu Band- und Platten-basierten Archivsystemen miteinander
verbunden. Außerdem beginnt die Klassifizierung schon im Moment der
Entstehung einer Information und richtet sich in erster Linie nach inhaltlichen
und prozessorientierten Kriterien. Während Archivierungsverfahren also
erst am Ende des Lebenszyklus einer Information greifen, begleiten ILM-Konzepte
die Daten von der Entstehung bis zur Löschung. Insofern ist das Archiv
Bestandteil von ILM.
Speicherebenen:
Tier 1: Highend-Systeme
speichern die Daten aus geschäftskritischen Anwendungen und Prozessen.
Verlieren diese Informationen an Bedeutung, werden sie auf Tier-3-Speicher
verschoben.
Tier 2: Für Anwendungen
des Front-Office, etwa Textverarbeitung, reichen kostengünstigere
Midrange-Systeme aus.
Tier 3:
Online-Archivierungssysteme auf Basis von ATA-Festplatten werden für die
gesetzlich vorgeschriebene revisionssichere Verwahrung oder die langfristige
Archivierung von unveränderlichen Daten verwendet.
Tier 4: Um sich gegen
längere Ausfallzeiten wegen Backup- oder Restore-Prozessen zu
schützen, werden Datensicherungen auf Disk Libraries vorgenommen.
Tier 5: Bandarchive enthalten
die Daten, die für die laufenden Prozesse im Unternehmen keine aktuelle
Relevanz besitzen, jedoch noch nicht vollständig gelöscht werden
sollen.