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Sie sehen den Artikel: Von der Felsplatte zu ILM. Veröffentlicht am: 13.07.2004
 
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Informationen dauerhaft gesichert

 

Von der Felsplatte zu ILM

 

„In Stein gemeißelt“ – anschaulicher kann das Thema Langzeitspeicherung kaum in Worte gepackt werden. Doch seitdem die ersten Menschen ihre Botschaften auf Felswänden hinterließen, haben sich Bedürfnisse wie auch Speichermedien gewandelt und multipliziert. Mit der zunehmenden Informationsfülle waren erste Verwaltungssysteme gefragt, um die Menge der Dokumente zu verwalten, zu klassifizieren und für den späteren Gebrauch wieder auffindbar zu machen. In der Antike wurden so die ersten Bibliotheken gegründet. Die Entwicklung und Verbreitung des Computers, beginnend mit Konrad Zuses erster Maschine für elektronische Datenverarbeitung, führte zur zunehmenden Digitalisierung von Prozessen und einem ungebremsten Datenwachstum. Heute müssen riesige Speichersysteme die Flut elektronischer Informationen bewältigen. Daher arbeiten die großen Speicherhersteller wie EMC, StorageTek oder HP intensiv an sogenannten Information Lifecycle Management (ILM)-Konzepten. Die Vision der Hersteller klingt viel versprechend: Die Informationen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg immer auf den optimalen Speichermedien vorzuhalten, um die geforderten Service Levels zu erzielen und die Kosten zu senken. Doch der Weg dorthin ist weit. Welche Stationen sind schon absolviert? Welche Abschnitte stehen noch an?*

 

1. Schritt – Vernetzung der Speicherinfrastrukturen

 

In den achtziger Jahren kamen die ersten Mainframes mit direkt angeschlossenen Speichereinheiten (Direct Attached Storage - DAS) in die Unternehmen. Jeder Großrechner hatte seinen dediziert zugewiesenen Speicherplatz, wer Daten von einem System zum anderen bewegen wollte, dem standen umständliche und zeitintensive Prozesse ins Haus. Abhilfe versprechen seit 1995 vernetzte Speicherinfrastrukturen in Form von Storage Area Networks (SAN) und Network Attached Storage (NAS). Alle Speichersysteme sind in einem Netzwerk zusammengeschlossen und bilden einen einheitlichen Pool für sämtliche Server. So lassen sich die vorhandenen Ressourcen effektiver nutzen und Daten sind flexibler einsetzbar. Ein erster entscheidender Schritt auf dem Weg zu ILM war somit geschafft.

 

2. Schritt – Hierarchisches Speicher-Management (HSM)

 

Als nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2000 die IT-Budgets schrumpften, versuchten Hersteller und Unternehmen durch die Einrichtung mehrerer Storage-Levels die Kosten für Speicherplatz zu senken. Auf Basis von zeitlichen Faktoren wurden Regeln entwickelt, um die Daten schrittweise von den kostenintensiven Produktivsystemen auf günstigere Archivierungsmedien auszulagern. In diesem Zusammenhang entstanden auch erste Management-Tools, mit denen gewisse regelmäßig wiederkehrende Prozesse wie Backup & Recovery automatisiert werden konnten.

 

3. Schritt – Data Lifecycle Management (DLM)

 

Aufgrund der steigenden Datenmengen und den komplexer werdenden Anforderungen an die verschiedenen Kategorien von Daten entwickeln die Hersteller seit 2002/2003 zunehmend spezialisierte Speichersysteme. Unterschiedlichste interne und externe Kräfte wie Service Levels, Compliance, Datensicherheit und Kostentransparenz treiben die Entwicklung voran. Eines der wichtigsten Themen ist die 2003 eingeführte verschärfte Finanzgesetzgebung in diversen Ländern, mit denen Behörden auf die Skandale um Enron und WorldCom reagierten. Ein Reihe von Anbietern stellte daraufhin Lösungen für revisionssichere Archivierung vor, die auch den strikten Regelungen der Gesetzgeber genügen. Weitere spezialisierte Archivsysteme wurden für unveränderliche Daten sowie für E-Mails entwickelt. Ein Aspekt, dem Unternehmen ebenfalls vermehrt Aufmerksamkeit zollen, ist das Thema Backup und Business Continuance. So präsentierte EMC beispielsweise Anfang 2004 die erste Disk-basierte Library für schnellere Backup-Prozesse. Anwender erhalten damit eine breite Auswahl an Speichersystemen, mit denen sie ihre individuellen Service-Level-Anforderungen abbilden können. Im Gegensatz zu früheren HSM-Lösungen stehen nun auch erste Klassifizierungsverfahren bereit, mit denen Inhalte bewertet werden können. Dies erlaubt eine deutlich genauere Analyse der eigenen Datenbestände. So ist eine Informationsverwaltung realisierbar, die sich am tatsächlichen Wert und den tatsächlichen Anforderungen der Informationen orientiert, nicht mehr nur an rein technischen Faktoren wie dem Alter oder dem Datum des letzten Zugriffs.

 

4. Schritt – Manuelles ILM

 

Im Laufe des Jahres 2004 beginnen die ersten Unternehmen, ihre Klassifizierungsmethoden weiter zu verfeinern und die Intelligenz ihrer Netzwerkinfrastruktur auszubauen. Dank solcher Netzwerk-zentrischen Ansätze erhalten sie detailliertes Wissen um die gespeicherten Inhalte und können dieses in ein umfassendes Regelwerk umsetzen. Diese Regeln definieren, wie mit den jeweiligen Daten zu verfahren ist, welche Service Level gelten und wo sie abgespeichert werden sollen. Dabei helfen im Speichernetz angesiedelte Technologien für Backup, Replikation und Datenmigration. Mit Virtualisierungstechnologien entstehen Speicher- und Server-Pools, die automatisch auf die aktuellen Bedürfnisse der Kernapplikationen zugeschnitten werden. Solange aber keine einheitlichen Management-Lösungen existieren, wird ILM auf Teilbereiche beschränkt bleiben.

 

5. Schritt – Automatisiertes ILM

 

Entscheidend für den Übergang von manuellem zu automatisiertem ILM wird die Entwicklung von Standards sein, mit der auch heterogene Infrastrukturen über ein einheitliches System verwaltet werden können. Im April 2004 präsentierte der Branchenverband SNIA mit den Storage Management Initiative Specifications (SMI-S) die ersten Standards. Einige Hersteller wie Dell, EMC, Hewlett Packard, Hitachi Data Systems, IBM und SUN haben ihre Produkte daraufhin zertifizieren lassen. Andere werden sicher nachziehen. Doch bis das gesamte Feld von der Speicher-Hardware bis zum Content Management eine gemeinsame Sprache spricht, werden sicher noch einige Jahre ins Land gehen. Vor 2006 ist kaum mit einheitlichen Management-Tools zu rechnen. Entscheidend wird auch die Entwicklung von Technologien sein, mit denen tatsächlich Inhalte verwaltet werden können. Denn künftige Ansprüche werden sich nicht damit zufrieden geben, nur den Speicherort und die Betreffzeile einer E-Mail zu kennen. Anwender brauchen dann eine komplette Zusammenfassung des Inhalts, um sie in einer automatisierten ILM-Umgebung richtig behandeln zu können.

 

Schaut man noch weiter in die Zukunft, wird es sicherlich eine weitere Annäherung von ILM und anderen Bereichen der IT geben. So zeichnet sich heute schon ab, dass wesentliche Aspekte von ILM auch für Utility Computing oder On-demand Computing gelten, also Konzepte, nach denen Nutzer jederzeit und überall die Ressourcen abrufen kann, die er gerade benötigt. Die großen Generalisten der IT-Branche wie IBM und HP, aber auch Speicherspezialisten wie EMC werden langfristig auf eine Konvergenz dieser Bereiche zusteuern.

 

*Die folgende historische Gliederung stützt sich in Teilen auf die Studie „ILM: A Strategic Opportunity for Storage Vendors“ der 451 Group, erschienen im Mai 2004.

 

 

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