Mehr Performance für Datenarchivierung
Back-up-to-Disk-Lösungen stärken Unternehmen den
Rücken
„Die beste Verteidigung
ist ein guter Angriff“, lautet sinnigerweise der Titel einer aktuellen
Meta Group-Studie zum Thema Backup- und Restore. Leider stellt die
regelmäßige Datensicherung immer noch eine der größten
Herausforderungen im Bereich Storage Management dar. Nahezu zwei Drittel aller
Aufwendungen für Speicher-Management entstehen durch fehlgeschlagene
Backup-Prozesse, ausgefallene Bandlaufwerke und Medienfehler. Die bewährte
und preiswerte Tape-Technologie bietet längst keine optimalen
Rücksicherungszeiten mehr. Hinzu kommt, dass Bänder neue
Compliance-Anforderungen der Finanzbehörde nicht erfüllen oder
gesetzlichen Aufbewahrungsfristen nicht gerecht werden.
Backup-to-Disk-Lösungen mit wesentlich höheren Sicherungs- und
Wiederherstellungs-Geschwindigkeiten als Band-Systeme erfreuen sich deshalb
steigender Nachfrage.
Um den Unternehmen den
Übergang zu Backup-to-Disk zu erleichtern, ohne dass sie ihre gesamte
Infrastruktur ändern müssen, entwickeln immer mehr Hersteller
sogenannte Disk Libraries. Diese plattenbasierten Speichersysteme emulieren
Bandbibliotheken. Bevor solche Lösungen auf den Markt kamen, hatten
Anwender die Wahl zwischen zwei Varianten für Backup und Recovery:
traditionelle Band-Bibliotheken und Disk-to-Disk Backup auf Basis von
Replikations-Software. „Beide Lösungen unterscheiden sich erheblich
in Bezug auf Kosten, Performance und Verwaltungsaufwand. Durch die Disk
Libraries wird die Lücke nun gefüllt“, erklärt Phil
Goodwin, Senior Program Director der META Group.
Tape oder Disk?
Schon allein wegen ihrer
geringen Kosten pro Megabyte hatten Bandlaufwerke als Backup-Medien lange Zeit
die Nase vorn. Mit dem immer schnelleren Verfall der Festplattenpreise ist
dieser Vorteil allerdings bald wett gemacht: Je nach Berechnungsmodell liegen
die Kosten für ein MByte bei Tapes unter einem halben Cent. Preise
für die günstigsten Disk-basierenden Lösungen beginnen schon bei
2,5 Cent pro Mbyte. Behält der Trend seine Richtung bei, könnten
Backup-to-Disk-Lösungen mittelfristig mit den Preisen für Tapes
gleich ziehen. Ein weiterer Pluspunkt von Tapes gegenüber Disks ist ihr
einfacher Transport. Selbst wenn Festplatten mechanisch austauschbar gestaltet
werden, bleiben sie beim Transport deutlich empfindlicher als Bandmedien.
Die Vorteile der
Backup-to-Disk- Technologie liegen klar bei der Performance. Der
Brutto-Durchsatz ist um ein Vielfaches höher als bei Tapes. Das
Backup-Fenster wird verkleinert und gleichzeitig erhöht sich die
Verfügbarkeit der Systeme für andere Aufgaben. Datenbestände
werden von der Platte schneller wieder hergestellt. Informationen stehen der
Produktion zeitnah zur Verfügung und das spart bares Geld für den
gesamten IT-Betrieb. Die Mitte April vorgestellte CLARiiON Disk Library von EMC
beschleunigt Backup-Prozesse um 30 bis 60 Prozent. Ein Recovery ist sogar bis
zu 90 Prozent schneller als vom Band.
Die Gründe für die
Performance-Unterschiede zwischen Disk und Tape liegen in den Zugriffsarten:
Festplatten unterstützen wahlfreien und sequenziellen Zugriff, Tapes
unterstützen nur sequenziellen Zugriff. Sind die Daten dann auch
zusätzlich auf unterschiedlichen Bändern gespeichert, verlängert
sich insbesondere der Restore-Prozess. Die Bibliothek muss das entsprechende
Band einlegen, laden, bis zu den gewünschten Daten spulen. Dann muss das
Medium zurück gespult und an seine Ausgangsposition zurück gelegt
werden. Das nächste Band durchläuft das gleiche mehrminütige
Prozedere. Von einer Festplatte dauert die Wiederherstellung von Daten meist
nur wenige Sekunden.
Sicherheit und Verfügbarkeit
Das RAID-Prinzip (Redundant
Array of Independent Disks) für Server-Festplatten erhöht die
Verfügbarkeit und verhindert den Verlust von Daten im Fall eines Fehlers
am Plattenlaufwerk. Durch diesen Schutz müssen weniger Backups des
gesamten Datenbestandes abgewickelt werden; das Sichern von veränderten
und neuen Daten reicht oft schon aus. Die ständig wachsenden
Kapazitäten von Festplatten helfen zusätzlich, die Stellfläche
von Backup-Systemen zu verringern.
Bänder weisen dagegen
häufig Medienfehler auf und die gesicherten Daten sind nicht
zusätzlich geschützt. Auch die Wartung von Bandbibliotheken ist eine
Quelle für Fehler im Backup-Ablauf und erfordert entsprechend
qualifiziertes Personal. Schließlich ändern sich die
gebräuchlichen Tape-Formate durchschnittlich alle drei Jahre. Neue Formate
sind nicht mehr kompatibel mit alten, so dass das gesamte Archiv in diesen
Intervallen erneuert werden muss.
Backup-Strategie nach Maß
Doch bevor das Gros der
Unternehmen auf die neue Backup-Technologie umsteigt, werden noch einige Jahre
ins Land gehen. Im Bereich bis zu einer Kapazität von mehreren TByte, die
zuverlässig und verfügbar ausgelegt sein sollen, ist der klassische
Ansatz über eine Tape-Library derzeit noch preiswerter als Backup-to-Disk.
Die genannten Performance-Nachteile werden Bandmedien jedoch über kurz
oder lang aus ihrem angestammten Backup- und Restore-Terrain in den
Archivbereich verdrängen. Der Disk-Backup wird zunächst als
Ergänzung zu Tapes für bestimmte hochverfügbare Daten
eingesetzt. Zu einem späteren Zeitpunkt können diese Informationen
entsprechend der gesetzlichen Aufbewahrungsregeln auf Band archiviert werden.
Band- und Disk-Verfahren werden also mittelfristig nebeneinander bestehen.
Bei dem derzeit rasanten
Datenwachstum reicht es nicht, sich für die billigste Backup-Lösung
zu entscheiden. Die Ausgaben für eine Datensicherung sollten immer in
Relation zum Wert der Informationen für das Unternehmen gesehen werden.
Anwender sollten bei der Kaufentscheidung neben dem Preis von Systemen und
Software die möglichen Ersparnisse durch verringerte Downtime
berücksichtigen (siehe Kasten „Der Preis von Datenverlusten“).
Alle Backup-to-Disk-Verfahren reduzieren die Zeit bis zur Wiederherstellung von
Daten massiv – Benutzer sind schneller wieder produktiv, die Kosten eines
Systemausfalls sinken. Investitionen in geeignete Lösungen für
Disk-Backup sind demnach die beste Verteidigung gegen Datenverluste.
Tape-Tradition und Platten-Performance
Bänder überzeugten
IT-Manager von jeher aus zwei Gründen als Backup-Medien: sie sind billig
und einfach auswechselbar. Ein relativ preiswertes Band wird in das Laufwerk
eingeführt, mit Daten beschrieben und kann jederzeit gegen ein anderes
Band ausgetauscht werden. Die speicherbare Datenmenge wird durch dieses Prinzip
unendlich groß. Der manuelle Austausch von vollen Tapes gegen leere
Datenträger wurde auf Dauer zu teuer und deshalb von Tape Libraries oder
Bandbibliotheken abgelöst. Alle Bestandteile der Bibliothek wie etwa der
Transportroboter und die einzelnen Bänder sind zu einem System
zusammengefasst.
Entsprechend werden alle zu
speichernden Daten durch einen Backup-Server geschleust. Letzterer muss entsprechend
viele I/O-Befehle ausführen und über große CPU-Leistung
verfügen, um die kompletten Backup-Daten entpacken zu können.
Backup-Software modernisierte dieses lineare Modell, so dass die Komponenten
einer Tape Library auch an unterschiedliche Systeme angeschlossen werden
konnten. Der Roboter und ein oder mehrere Bandlaufwerke werden mit dem
Backup-Server, die restlichen Laufwerke mit Datenbank- oder Applikationsservern
verbunden. Über ein IP-Netzwerk empfangen diese Server-Daten von anderen
Systemen und erledigen hierfür den Backup. Die Leistungsgrenze erreicht
diese Konfiguration, weil die Bandlaufwerke den einzelnen Servern statisch
zugeordnet sind. Jedesmal, wenn ein Server den Backup für ein anderes
System übernimmt, müssen die Daten via IP-Netz verschickt werden, was
das sendende und das empfangende System beträchtlich belastet.
Mit dem Einzug dedizierter
Speichernetze (SAN) in die
Unternehmen konnten Host-Systeme Tape- und Disk-Technologie gleichzeitig
nutzen. Dabei schreiben verschiedene Server ihre Daten auf ein Tape-Laufwerk.
Inzwischen war auch die Backup-Software ausgereifter: Der Backup-Server
fungiert als Steuerungseinheit und sorgt dafür, dass immer nur ein Server
ein Laufwerk adressiert.
Back-up-to-Disk entsteht
Software für den Backup
auf Festplatte war anfangs natürlich nicht so ausgefeilt wie die
Implementierungen für Tape-Backups. Viele Unternehmen schreckte der
relativ hohe Preis der Datensicherung auf Platten. Manche Software-Pakete
nutzten den Backup-to-Disk als Zwischen- oder Zusatzlösung. Backups lassen
sich zunächst auf Disk schreiben und verkürzen so, wegen der
höheren Übertragungsgeschwindigkeit das Zeitfenster.
Anschließend können die Daten auf Band ausgelagert werden. Das kann
sowohl gleich am nächsten Tag geschehen oder zu einem späteren
Zeitpunkt.
Diese Methode eignet sich
besonders für Backups, die nur neue oder geänderte Daten sichern. Die
Backup-Anwendung benötigt oft geraume Zeit, um Datenbestände nach
Veränderungen zu durchsuchen. Tapes können während dieser Suche
nicht für andere Zwecke genutzt werden, sie sind im Leerlauf. Dieser
Wechsel zwischen Leerlauf und Produktion wirkt sich negativ auf die Leistung
von Bandlaufwerken aus. Festplatten dagegen sind wie geschaffen für diese
Art Wechselbetrieb.
Der Preis von Datenverlusten
Zwar haben inzwischen auch
kleine und mittelständische Unternehmen erkannt, dass
regelmäßige Backups überlebenswichtig sein können. Es
mangelt jedoch oft an der konsequenten Umsetzung. Die Investition in
verlässliche Systeme zur Datensicherung lässt vermeintlich keinen
Gegenwert erkennen. Wozu Datenverluste führen können,
veranschaulichen die folgenden Zahlen.
Die Ursachen für den
Verlust von Daten sind vielfältig: 45 Prozent aller Fälle verschulden
Benutzer durch eigene Fehler. 18 Prozent gehen auf das Konto von
Systemausfällen, 17 Prozent auf das von Software- und acht Prozent auf
Hardware-Fehler zurück. Virusbefall schlägt nach Angaben des
Marktforschungsun-
ternehmens TIP mit zehn Prozent aller Fälle zu Buche. Naturkatastrophen
wie Wasser- und Brandschäden sind mit einem Anteil von zwei Prozent eher
selten.
Die meisten Unternehmen
erleben zwei Ausfallstunden in der Woche. Ontrack Datenrettung hat drastische
Fakten über den Zusammenhang von Datenverlust und das Überleben eines
Unternehmens aufgedeckt.
• Die Mehrzahl der
Unternehmen rechnet bei Datenmengen von 100 Megabyte mit einem Wert von mehr
als 1 Million US-Dollar.
• 43 Prozent der
Unternehmen, die einen schwerwiegenden Datenverlust erleiden, müssen
schließen. (McGladrey und Pullen)
• Ein Unternehmen, das
einen mehr als zehntägigen Computerausfall erleidet, erholt sich
finanziell nie mehr vollständig. 50 Prozent der Betroffenen sind innerhalb
von fünf Jahren aus dem Geschäft. („Disaster Recovery Planning:
Managing Risk & Catastrophe in Information Systems“ von Jon Toigo)
• Schätzungsweise 1
von 500 Rechenzentren erlebt jährlich eine Datenkatastrophe. (McGladrey
und Pullen)
• 40 Prozent der
Teilnehmer an einer Computersicherheitsumfrage haben 2003
Computerkriminalität entdeckt und bestätigt. (NCSA Annual Worry
Report)
•
Computerkriminalität kostet die betroffenen Unternehmen zwischen 145 und
730 Millionen US-Dollar jährlich. (NCSA Annual Worry Report)