„Ein entscheidender Schritt hinein in die
Informationsinfrastruktur“
Information Lifecycle Management, Virtualisierung, die
Akquisitionen von Documentum, Legato und VMware - mit diesen Schlagwochen hat
EMC in den letzten Wochen und Monaten für Aufmerksamkeit gesorgt. In einem
Gespräch mit Howard Elias, Executive Vice President, Corporate Marketing,
Office of Technology & New Ventures, hat ON nachgefragt, wohin sich EMC
bewegt und welche Strategie hinter diesen Aktivitäten steht.
Welche entscheidenden strategischen Entwicklungen und
Trends machen Sie für den Speichermarkt in 2004 aus?
Das Informationswachstum geht mit großen Schritten
voran. Selbst als es der Wirtschaft nicht so gut ging, war diese Entwicklung
ungebrochen. Kunden müssen sich daher mit einer Reihe von Fragen zu
Informations-Management, Vereinfachung der Speicherumgebung und Kostensenkung
beschäftigen. Hinzu sind neue Themen wie Revisionssicherheit und
Compliance gekommen, die in den letzten paar Jahren entscheidende Bedeutung
gewonnen haben. Die Herausforderung lautet: Wie können Unternehmen mit
weniger Mitteln die stetig steigende Anzahl an Anforderungen wie Datenwachstum,
regulatorische Vorschriften, Auflagen für Revisionssicherheit sowie neue
Bedürfnisse interner Nutzer und externer Kunden erfüllen? Dies alles
erhöht natürlich den Druck auf die IT-Anbieter – und ganz
besonders auf die Speicherhersteller: Sie müssen neue, innovative
Lösungen präsentieren, mit denen Kunden ihre Kosten senken, Risiken
minimieren und die Speicherumgebung vereinfachen können.
Was hat EMC getan, um darauf zu reagieren?
Wir haben unseren Kunden sehr genau zugehört und eine
vorausschauende Strategie entwickelt, um ihnen nicht nur bei den aktuellen
Themen zu helfen, sondern auch Lösungen für die Themen der Zukunft anzubieten.
Kunden brauchen künftig eine effizientere und flexiblere Infrastruktur
– deshalb haben wir Information Lifecycle Management (ILM) entwickelt.
ILM setzt auf der Prämisse auf, dass sich der Wert einer
Information im Lauf der Zeit verändert. Je nach ihren Anforderungen
benötigen sie unterschiedliche Speicherebenen, beispielsweise für
höchste Performance, schnellen Zugriff oder verschiedene Sicherheits- und
Authentifizierungs-Stufen. Kunden lernen durch ILM, in diesen Kategorien zu
denken und ihre Infrastruktur entsprechend auszurichten. ILM ist eine
Strategie, eine Vision, mit der Kunden besser verstehen, wie wir ihnen helfen
können – wie unsere Technologien, Produkte, Services und
Lösungen für ihren Nutzen zusammen kommen.
Was sind die großen Herausforderungen, denen Sie in
dieser Hinsicht als Vice President New Ventures gegenüber stehen?
ILM ist ein umfassender Ansatz. Dementsprechend ist es unser
Ziel, mit den richtigen Software- und Hardware-Lösungen, Services und
Partnern ein so umfangreiches Angebot aufzustellen, dass es diesem Ansatz
gerecht wird. Die Herausforderung und Chance liegt in der Frage, welche dieser
Lösungen wir aus eigenen Kräften entwickeln können, wo wir
besser mit Partnern kooperieren und an welcher Stelle wir Technologien und
Wissen akquirieren. Wir haben in den letzten Monaten alle drei Wege erfolgreich
beschritten und werden weiterhin je nach Fall entscheiden. Meine Rolle ist
dabei, die richtige Handlungsstrategie zu entwickeln, um das ILM-Konzept mit
Leben füllen. Dazu braucht es eine Organisation, die ILM lebt und zum
Nutzen des Kunden umsetzt.
Geben Sie bitte eine prägnante Definition von ILM.
ILM dient dazu, den Wert von Informationen maximal
auszuschöpfen, zu den niedrigsten Kosten und über ihren gesamten
Lebenszyklus hinweg. Im Zentrum stehen die Geschäftsanforderungen und das
Verständnis für die Prozesse und Anwendungen des Kunden. Das Konzept
umfasst alle Arten von Informationen, von strukturierten Datenbanken über
unstrukturierte Inhalte wie Fixed Content, Dokumente, Video oder Audio. Durch
regelbasiertes Informations-Management wird die Verwaltung vereinfacht und
automatisiert. Durch einen offenen und heterogenen Ansatz kann ILM auch in
bestehenden Infrastrukturen eingeführt werden und mit der Zeit wachsen und
sich verändern. Wichtig ist, dass alle Systeme von einer zentralen
Management-Umgebung gesteuert werden.
Wie hebt sich EMC von anderen ILM-Anbietern wie HP, IBM
oder StorageTek ab?
Kunden und Branchenanalysten bestätigen uns immer
wieder, dass EMC die umfassendste und vollständigste Strategie und Vision
davon hat, was ILM ist und welche Vorteile die Kunden sich davon erwarten. Man
benötigt für ILM eine Reihe verschiedener Produkte und Lösungen.
Dazu gehören vernetzte Speichersysteme mit unterschiedlichen Service
Levels, intelligente Management-Software, die Möglichkeit, ein Regelwerk
aufzusetzen, das die Anforderungen der Geschäftsprozesse in der
Speicherinfrastruktur wiedergibt, und natürlich die Fähigkeit, all
das zu einem funktionierenden Ganzen zusammen zu bringen. EMC verfügt auf
allen diesen Ebenen über führende Technologien und Lösungen, die
wir sowohl als Einzelprodukt wie auch als Komplettlösung ausliefern
können. In dieser Vollständigkeit bieten wir ILM derzeit als einzige
an.
Wie beurteilen Sie die Strategien Ihrer Wettbewerber und
welche Chancen räumen sie ihnen auf dem ILM-Markt ein?
Alle Hersteller sind mittlerweile auf den ILM-Zug
aufgesprungen und bieten Lösungen an. Wenn man allerdings genauer
hinsieht, erkennt man, dass es sich meist nur um ein spezifisches Teil im
Rahmen der Gesamtstrategie handelt. Meist sind das exzellente
Spitzentechnologien, und viele Kunden sind mit einer solchen Insellösung
auch hoch zufrieden. Was EMC jedoch anbietet, ist mehr. Wir haben eine
ausgereifte Vision von dem, was ILM ist. Wir haben hochwertige Technologien und
Lösungen für jede Ebene. Und wir besitzen die Fähigkeit, diese
auch zum Nutzen des Kunden zusammen zu bringen.
IBM hat kürzlich eine Lösung für
revisionsichere Archivierung präsentiert, die mit EMCs CAS-System
konkurriert. Wie sehen Sie diesen Vorstoß im Vergleich zu Centera?
Den besten Zeugen, den ich aufrufen kann, ist der Kunde und
sein Kaufverhalten. Centera ist nach wie vor die erste Wahl, wenn es um die
Speicherung von Fixed Content und besonders um die revisionssichere
Archivierung sensibler Daten geht. Das System wurde von Grund auf für
diesen Zweck gebaut, die gesamte Soft- und Hardware, die Intelligenz und das
Regelwerk wurden speziell dafür entwickelt. Darin unterscheidet sich Centera
grundsätzlich von den Angeboten anderer Hersteller, die lediglich neue
Software-Ebenen auf bestehende Hardware-Systeme aufgesetzt haben.
Wie passen die letzten Akquisitionen in EMCs ILM-Strategie
hinein?
Sie stehen im Zentrum unserer Strategie. Wir glauben, dass
die Technologien, die wir mit Legato, Documentum und VMware erworben haben,
essenzielle Bausteine für ein umfassendes ILM sind. Da wir nicht selbst
über diese Fähigkeiten verfügten, haben wir sie gekauft. Legatos
Backup- und Restore-Lösungen ergänzen EMCs eigene Produktpalette in
diesem Bereich. Documentum und Legato haben eine Technologie eingebracht, mit
der Kunden ihre strukturierten und unstrukturierten Daten klassifizieren und
Regeln definieren können, wie sie mit ihnen verfahren wollen.
Mit VMware haben wir einen entscheidenden Baustein für
den Aufbau einer virtuellen Informationsinfrastruktur erhalten. Die Verbindung
von Server- und Storage-Virtualisierung ermöglicht es dem Kunden, sowohl
seine Applikationen wie auch seine Daten freier zu bewegen und die Hardware
flexibel an neue Anforderungen anzupassen.
Früher hieß es immer, EMC sei das einzige
Unternehmen, das zu 100 Prozent auf Storage konzentriert ist. Mit VMware geht
es plötzlich auch um die Server-Landschaft beim Kunden. Würden Sie
sagen, dass sich EMC vom Speichergeschäft im eigentlichen Sinne fort
bewegt?
Da ist sicherlich was dran. Es ist ein mutiger Schritt fort
vom eigentlichen Storage-Geschäft. Andererseits ist es ein entscheidender
Schritt hinein in die Informationsinfrastruktur. Kunden denken bei IT immer
noch in Kategorien wie Storage, Server, Netzwerk und Access. Wir durchbrechen
die Grenzen dieser Kategorien und verknüpfen sie, damit die Kunden noch
flexibler werden und sowohl Daten wie auch Anwendungen stets so zum Einsatz bringen
können, wie sie es gerade benötigen.
Bewegt sich EMC also mehr in Richtung System-Management?
Das hängt davon ab, wie Sie System-Management
definieren. Wir nähern uns sicherlich einer Position an, in der wir die
Informationsinfrastruktur proaktiv steuern. Ich denke aber nicht, dass wir
irgendetwas für die Verwaltung von PCs oder IP-Netzwerken beisteuern
könnten. Da gibt es hervorragende Lösungen anderer Anbieter, mit
denen wir kooperieren.
Virtualisierung ist genau genommen nichts Neues für
EMC. Doch hat das Unternehmen immer vermieden, diesen Begriff zu verwenden. Mit
VMware wird EMC aber nicht mehr umhin kommen, über Virtualisierung zu
reden. Welche Strategie verfolgt EMC damit?
Virtualisierung ist ein Mittel zum Zweck. Kein Kunde wird
„Virtualisierung“ kaufen. Aber er wird Virtualisierung erhalten, um
bestimmte Ziele zu erreichen, beispielsweise um die Ausnutzung der vorhanden
Ressourcen zu verbessern. Kunden wollen heute ihre Server- und Speichersysteme
als eine flexible Infrastuktur nutzen, die sie je nach Bedarf problemlos und
flexibel einsetzen können. Das erreichen sie nur durch
Virtualisierungstechnologien.
Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf, um EMCs
Produktportfolio und Strategie in Hinsicht auf ILM auszubauen?
Der nächste Schritt besteht ganz klar darin, ILM bei
unseren Kunden Realität werden zu lassen. Wir sind sehr gut gestartet mit
einer Strategie, die bei den Kunden Anklang gefunden hat. Wir haben viele
Technologien und Lösungen selbst entwickelt, an entscheidenden Stellen
aber auch Technologien hinzugekauft. Jetzt müssen wir diese Akquisitionen
schnellstmöglich integrieren und weiter an der Implementierung von
ILM-Strategien bei unseren Kunden arbeiten. Wir sind noch lange nicht fertig.
Doch wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir gemeinsam mit dem Kunden lernen
müssen, was gut funktioniert und an welchen Stellen wir noch nachbessern
müssen. Wo erzielen wir einen schnellen Return on Investment, vereinfachen
die Infrastruktur und senken die Kosten unserer Kunden? Das sind die Fragen,
die wir jetzt gemeinsam klären müssen. Wir haben eine gute Strategie,
die wir jetzt validieren und wo nötig weiter verbessern.
Seit kurzem hört man immer wieder von so genannten
Proven Solutions bei EMC. Was genau ist damit gemeint?
Denken Sie an einen Blueprint. Wir setzen uns mit dem Kunden
hin und finden gemeinsam heraus, was ILM im Detail für ihn bedeutet. Denn
jeder Kunde ist anders. Der eine denkt vertikal entlang von Anwendungen wie
Oracle oder SAP, andere denken horizontal und suchen eine Lösung für
Business Continuity oder für Applikations-übergreifendes
Daten-Management. Dann gibt es noch die besonderen Anforderungen spezifischer
Branchen wie Gesundheitswesen oder Telekommunikation, und so weiter. Bei den
Proven Solutions geht es darum, für jeden dieser Ansätze eine Art
Musterlösung zu konzipieren. Damit stellen wir sicher, dass nicht nur
unsere eigenen Lösungen und Produkte gut zusammen arbeiten, sondern dass
sie auch mit den Lösungen unserer Partner und Kunden kooperieren.