„Das Aha-Erlebnis beim Kunden erzielen“
Immer höhere Anforderungen von Kunden und Anwendern
machen IT-Infrastrukturen zunehmend komplexer. Neben Hard- und Software
gewinnen Serviceleistungen weiter an Bedeutung. ON sprach mit Rainer Debus,
Director EMC Technology Solutions, über die Veränderungen von
Services in der Speicherbranche.
Herr Debus, warum sind Service-Leistungen für Storage
überhaupt so wichtig?
Kurz gesagt: Es geht darum, den Nutzen getätigter
Investitionen zu optimieren. Um das durchgängig sicherzustellen, ist ein
breites Portfolio erforderlich – von der Planung über die
Realisierung bis hin zum Betrieb. In den vergangenen Jahren sind die
IT-Infrastrukturen von Unternehmen kontinuierlich gewachsen und komplexer
geworden. Um Einsparungen realisieren zu können, müssen Experten die
beste Nutzung der Infrastruktur sicher stellen. Ein weiterer Aspekt ist das
Zusammenwachsen der Speicherinfrastruktur mit übergeordneten Abläufen
und Prozessen bis auf die Applikationsebene. Dabei gilt es, eine Brücke zu
schlagen, um ein ideales Processing zu gewährleisten, sei es nun
hinsichtlich der Policies oder unter Berücksichtigung der
Geschäftsprozesse.
Sind Service-Leistungen im Storage-Bereich nur für
große Unternehmen relevant?
Grundsätzlich gilt, dass unser Angebot für jede
Unternehmensgröße verfügbar ist. Natürlich sind
Komplexität und Größe der Infrastruktur letztlich entscheidend
für den Service-Umfang. Denn danach richten sich die Anforderungen unserer
Kunden. Somit ist das komplette Service-Angebot aus Beratung und Umsetzung wohl
in erster Linie für große Unternehmen von Relevanz. Aber auch kleine
und mittelständische Unternehmen wollen das Beste aus ihrer Infrastruktur
rausholen. Hier arbeiten wir eng mit Partnern zusammen, wobei der Umfang der
Leistungen entsprechend geringer ist. Erst kürzlich haben wir unser EMC
Authorized Services Network (ASN) erweitert. Dies ist eine zusätzliche
Initiative, um unsere Partner auch bei den Services im Midrange-Umfeld zu
zertifizieren. Durch diesen Schulungs-Prozess sind sie in der Lage, die
gleichen Leistungen wie EMC zu erbringen.
Haben sich die Service-Anforderungen der Kunden in den
vergangenen Jahren verändert?
Eindeutig. Die Analyse und Relevanz von Daten sind
stärker in den Mittelpunkt des Service-Profils gerückt. Dabei kommt
auch dem Prozess der Planung eine größere Bedeutung zu. Während
zu Beginn der 90er Jahre noch die Implementierung von DAS-Lösungen eine
Rolle spielte, wurden diese zunehmend durch SANs ersetzt. Das hat sicherlich
auch mehr professionelle Service-Leistungen erfordert. Heute hingegen geht es
längst nicht mehr nur um die Realisierung selbst. Die Bewertung der Daten
wird zunehmend in die Beratungsleistung einbezogen, wie es beispielsweise die
Umsetzung eines ILM-Konzepts erfordert. Assessments und von uns eigens
dafür entwickelte ILM-Workshops helfen hier bei der ersten Abstimmung.
Dadurch unterliegt auch das Beratungsgeschäft einer zunehmenden
Spezialisierung. Dem begegnet EMC mit einem integrierten Beratungs- und
Service-Angebot mit Accenture.
Wie sieht dieses ILM-Konzept konkret aus?
Informationen sollen zu jedem Zeitpunkt ihres Lebenszyklus im
richtigen Service-Level und zu den optimalen Kosten gespeichert werden. Um das
sicher zu stellen, benötigen wir eine Reihe von Informationen über diese
Daten. Hierzu kategorisieren wir sie unter der Fragestellung, woher die Daten
kommen, wie kritisch sie sind und wie schnell sie im K-Fall wieder
verfügbar sein müssen. Ein Tiered-Storage-Konzept wird eingesetzt, um
unterschiedliche Service-Level abzubilden. Wir reden heute nicht mehr über
die Performance einer Symmetrix, sondern über variable
Service-Level-Anforderungen im Hinblick auf Einsparungspotenziale und den
Lebenszyklus von Daten. Übrigens wird die Implementierung einer Lösung
als selbstverständliche Komponente erachtet. Der Betrieb der Infrastruktur
erfordert hingegen heute noch mehr Know-How als früher, um beispielsweise
Kapazitätsengpässe zu erkennen und um die optimale Nutzung der
vorhandenen Ressourcen sicher zu stellen.
Müssen Sie die Kunden auf diese analytische
Herangehensweise aufmerksam machen oder werden diese schon eingefordert?
Derzeit ist es so, dass wir noch einige
Überzeugungsarbeit leisten müssen. Aber immer, wenn wir unsere Form
der Analyse in Szenarien wie einem ILM-Workshop durchgeführt haben, kam
das Aha-Erlebnis. Im Verlauf von ein bis zwei Tagen gleichen wir die
Vorstellungen des Kunden mit dem Status Quo ab und zeigen mögliche
Lösungswege auf. So erhält der Kunde ein besseres Verständnis
von seinen bisherigen und künftigen Möglichkeiten. Das Besondere
daran ist ja auch, dass wir einen Hersteller-unabhängigen Ansatz
durchführen, was uns übrigens deutlich vom Wettbewerb unterscheidet.
Dabei ist es ein logischer Schritt, denn erstmal sollte die Anforderung konkret
definiert werden. Erst dann beginnt die Umsetzung mit dem Ziel, dass der Kunde
die Vision seines ILM-Konzeptes realisiert.
Dann spielen Implementierung und Wartung nur noch eine
untergeordnete Rolle?
Sie ist weiterhin eine wichtige Dienstleistungskomponente,
die aber von den Kunden als selbstverständlich erwartet wird. Heute
allerdings gehen wir sehr tief in die Datenanalyse. Dabei gliedert sich der
Lebenszyklus unserer Projekte in drei Phasen: „Plan, Build and
Run“. Wir setzen hier noch einen Schritt früher an: Im Rahmen von
Assessments führen wir eine detaillierte Erhebung der Kundenanforderungen
durch. Letztendlich geht es doch darum, dass der Kunde mit Hilfe dieser
Erkenntnisse seine Infrastruktur so effizient wie möglich nutzt. Da viele
Kunden Outsourcing-Lösungen nachfragen, kann die Unterstützung und
Aufgabenteilung mit EMC dann nach den eigenen Vorstellungen angepasst werden.
Je nachdem, wie viel Verantwortung uns übertragen werden soll.
Wird EMC seinen Kunden auch komplette
Outsourcing-Lösungen anbieten?
Ganz entschieden - Nein. Komplettes Outsourcing ist eine
Black Box für jedes Unternehmen. Es liefert sich damit dem Hersteller aus,
indem es das komplette Know How aus der Hand gibt und eine Dokumentation der
Aufgaben oft in den Händen der Hersteller bleibt. So ist der Weg
zurück dann sehr schwierig. Wir stellen diesem Ansatz unsere Storage
Managed Services als eine Form von Outtasking bewusst entgegen. Auf Basis
unserer Analyse erstellen wir ein so genanntes Runbook, also eine
vollständige Dokumentation, die der Kunde übernehmen kann. Dabei
handelt es sich um ein detailliertes Betriebshandbuch, in dem jeder einzelne
Prozess im Rahmen der Storage-Projekte beschrieben wird. Gerade in Zeiten, wo
Unternehmenszusammenschlüsse und Akquisitionen an der Tagesordung sind,
ist Flexibilität wichtig: beispielsweise wenn die IT-Abteilungen von zwei
Unternehmen zusammen geführt werden. Diese Flexibilität können
wir gewährleisten. Mit dem Runbook kann unser Kunde seinen IT-Bereich
jederzeit wieder komplett selbst betreiben, denn das ganze Wissen zu Policies
und Datenströmen wird von uns dort dokumentiert. Die Dokumentation geben
kostenfrei weiter, weil wir der Meinung sind, dass es auch letztlich wie sein
intellektuelles Kapital behandelt werden muss. Schließlich hat der Kunde
doch in die Produkte und Leistungen entsprechend investiert.
Bei welcher Speicherkapazität wird denn Outtasking
für ein Unternehmen interessant?
Das beginnt unseres Erachtens bei einer
Größenordnung von 50 Terabyte und geht bis zum Management von mehreren
hundert Terabyte über mehrere Standorte hinweg. Der Kunde kann Projekte
mit fester Laufzeit vereinbaren. Wir rechnen mit einem Minimum von drei Jahren.
Wie wichtig sind denn die Beratungsdienstleistungen im
Rahmen der Services?
Sehr wichtig. Die Speicherinfrastruktur ist für unsere
Kunden ein entscheidender Faktor zum Erreichen der Geschäftsziele.
Früher wurde sie als das unterste Level der IT gesehen, das leicht
austauschbar war. Durch die Verknüpfung mit den Applikationen wird Storage
aber zu einem unternehmensstrategischen Faktor. Leider gehen viele Unternehmen
davon aus, dass sie schon die richtige Infrastruktur haben und richten ihren
Blick in erster Linie auf die Applikationsebene. Aber die Unterschiede in der
Performance, die vor allem der Einsatz der richtigen Software realisiert, sind
so groß, dass die Beratungsdienstleistung extrem wichtig sein kann. EMC
trägt dieser Entwicklung Rechnung und wird den Bereich Information
Solutions Consulting (ISC) deutlich ausweiten.
Wie profitieren Ihre Kunden darüber hinaus von
Partnerschaften?
Kunden sind auch im Bereich der Services in der Lage,
zwischen diversifizierten Leistungsangeboten auszuwählen, die über
Storage hinaus gehen. Wir bauen gerade unser Portfolio an
Service-Partnerschaften erheblich aus. Unternehmen wie Fujitsu-Siemens
Computers oder CC CompuNet stellen von uns zertifiziertes Personal zur
Verfügung. Diese Experten sind genau wie ein Mitarbeiter von EMC in der
Lage, diesen Teil der Leistung im Rahmen der Einführung von Komplettlösungen
abzudecken.
Wie sieht es mit der Optimierung der Kosten aus?
Unsere Kunden können mit EMC Service Level Agreements
(SLA) vereinbaren, die ihnen die richtigen Daten zur richtigen Zeit am
richtigen Ort zusichern. Das erhöht die Verfügbarkeit, reduziert das Risiko
und steigert die Flexibilität. Zudem münden unsere Assessments in
einer Verringerung der TCO. EMC kann mit seinen Kunden einen mehrjährigen
Investment-Plan entwickeln, der einzelne Lösungen als Bestandteil auf dem
Weg zu einem kompletten ILM-Konzept darstellt. Wenn wir heute eine
Kundenanforderung erhalten, stellen wir dem Kunden dar, wie seine Lösung
in ein zukünftiges ILM-Konzept passt. Das heißt, wir bieten keine
isolierten Lösungen. Diese Analyse in Verbindung mit konkreten Planzahlen
bieten IT-Entscheidern einen echten Mehrwert.
Welche Bedeutung haben Service Level Agreements?
Service Level Agreements werden immer bedeutender. Viele
IT-Abteilungen sind verpflichtet, ihren Fachbereichen in den Unternehmen SLAs
zu garantieren. Dabei werden die Anforderungen immer differenzierter.
Früher war das sehr einfach. Da wurde eine Verfügbarkeit definiert,
heute geht das über die Datensicherheitsaspekte, Backup-Kriterien oder die
Bereitstellung zusätzlicher Kapazität hinaus. So gesehen
ermöglichen die mit EMC vereinbarten SLAs dem IT-Verantwortlichen im
Unternehmen, sein eigenes Leistungsversprechen gegenüber den Fachbereichen
einzuhalten.
Wie wird sich das EMC Lösungs-Portfolio für
Services weiter entwickeln?
ILM ist sicherlich ein ganz großes Thema, das letztlich
die Entwicklungen treibt. Meines Erachtens rücken Analysen, die heute
beispielsweise Documentum durchführt im Bereich ECM noch enger mit
Analysen, die wir im Bereich Storage-Management durchführen, zusammen. Ein
weiteres Thema ist sicherlich auch, dass die Datenmengen zunehmend entsprechend
ihrer Bedeutung im Workflow, ihres Alters und der erforderlichen SLA-Stufen
verschoben werden können. Ebenso sehe ich auch das Management heterogener
Plattformen als eine wichtige Aufgabenstellung, der wir ja bereits mit der
Unterstützung der Standards wie SMI-S Rechnung tragen. Rund um diese
Bereiche werden die Service-Leistungen weiter entwickelt.